Duisburger Philharmoniker

Konzert in der Mercatorhalle zeigt Mozarts türkische Ader

Freude an der Zusammenarbeit hatten offensichtlich Alicja Smietana und Konrad Junghänel.

Foto: Giovanni Pinna

Freude an der Zusammenarbeit hatten offensichtlich Alicja Smietana und Konrad Junghänel. Foto: Giovanni Pinna

Duisburg.   Konrad Junghänel stellt beim Philharmonischen Konzert „Alla turca“ vor, wie abendländische Komponisten das Morgenland klingen ließen.

Das berühmteste Beispiel für Mozarts Interesse an türkischer Musik ist sein Marsch „Alla Turca“. Eben dieser Titel war auch das Motto des vorletzten Philharmonischen Konzerts der Saison in der Mercatorhalle. Als Spezialist für historische Aufführungspraxis hatte der Kölner Dirigent Konrad Junghänel ein Programm aus insgesamt sieben Werken konzipiert.

Mozarts wild schwirrende Flötenmelodien

Im ersten Teil des Abends konzentriert er sich ganz auf Mozart: Die Ouvertüre zur „Entführung aus dem Serail“ definiert klar die musikalischen Vorstellungen der Wiener Klassik vom osmanischen Reich: Wild dahin schwirrende Flötenmelodien und ein kraftvoller Einsatz des türkischen Schlagwerks aus Becken, Triangel, Trommel und Pauken schaffen eine ausgelassene, manchmal bedrohliche Atmosphäre.

Das Problem dieser Ouvertüre (und auch der zu Christoph Willibald Glucks Orient-Oper „Die unverhoffte Begegnung“ sowie seiner Ballettmusik aus „Iphigenie auf Tauris“) ist, dass diese Werke ohne markanten Schlussakkord sind, sondern in dramatischen Bühnengeschehen münden. Im Konzert wirkte das Ende sehr unvermittelt.

Kontraste werden kantig ausgespielt

Die beiden groß angelegten Mozart-Kompositionen – die Sinfonie Nr. 25 und das Violinen-Konzert Nr. 5 – bestechen natürlich durch ihre musikalische Schönheit, klingen aber weniger „türkisch“, da das Schlagwerk fehlt. Stattdessen kommen in der Sinfonie gleich vier Hörner zum Einsatz, die meist druckvolle Impulse setzen, sich in der Intonation aber oft überschlagen. Dies zeigte sich nach der Pause auch in der Gluck-Ouvertüre.

Konrad Junghänel lässt insgesamt zügig und flüssig musizieren. Gern spielt er Kontraste kantig aus. Die langsamen Mozart-Sätze werden unter seinen Händen zu fein ausbalancierten Kammermusiken. Das Violinen-Konzert und die Sinfonie werden zum eleganten Wechselspiel der Instrumente. Solistin im Violinkonzert ist die in London lebende Polin Alicja Smietana, die auf einem Instrument von Camilus Camili von 1740 musiziert. Ihre Tongebung ist weniger warm und sinnlich, als man es von modernen Geigen kennt, sondern von einer drahtigen Strenge geprägt. Die Ansprüche, die Mozarts Musik stellt, erfüllt sie mit leichter Hand, besonders im Adagio-Mittelsatz kann sie mit beseelter Ruhe aufspielen.

Haydns „Militärsinfonie“ als starkes Finale

Das Programm nach der Pause scheint zunächst lang, besticht dann aber durch das frische Musizieren der Philharmoniker. Die Gluck-Ouvertüre und -Ballettmusik sowie Mozarts Adagio und Fuge c-Moll für Streicher werden zu einer kontrastreichen und schmissigen „Alla Turca“-Sinfonie.

Ein starkes Konzertfinale ist dann Joseph Haydns „Militärsinfonie“. Gleich vier Schlagwerker dürfen ihre effektvollen Instrumente erklingen lassen. Das Allegretto ist ein imposanter Militärmarsch, das Menuett leichtfüßig und gewitzt.

Junghänel-Zugabe beim Kammerkonzert

Wer Konrad Junghänel noch einmal in Duisburg erleben möchte, hat dazu bereits am 11. Juni Gelegenheit. Zum Kammerkonzert in der Mercatorhalle mit seinem Ensemble „Cantus Cölln“ bringt er das Programm „Wege zu Bach“ mit.

Mit dem letzten Philharmonischen Konzert der Saison am 21. und 22. Juni verabschiedet sich Generalmusikdirektor Giordano Bellincampi. Das Programm mit Ottorino Respighis „Römischer Trilogie“ soll das Publikum auf die Ferienzeit einstimmen.

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