Kirche

Kunstaktion macht Pforten der Liebfrauenkirche sichtbar

Freuen sich auf den Beginn der Kunstaktion (von links): Jens J. Meyer, Ralf Kaupenjohann, Bernhard Lücking, Markus Emanuel Zaja und Andreas Pieper.

Freuen sich auf den Beginn der Kunstaktion (von links): Jens J. Meyer, Ralf Kaupenjohann, Bernhard Lücking, Markus Emanuel Zaja und Andreas Pieper.

Foto: Lars Heidrich

Dellviertel.  Die Tuch-Installation „Sieben Pforten“ des Künstlers Jens J. Meyer beschäftigt sich mit der Geschichte der Liebfrauenkirche am Dellplatz.

„Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit“ – so heißt es in Psalm 118 nach der Übersetzung Martin Luthers. Mit sechs großen Tüchern will der Künstler Jens J. Meyer die ehemaligen Tore in der Liebfrauenkirche St. Joseph am Dellplatz wieder sichtbar machen. Zwischen Palmsonntag und Pfingsten ist im Rahmen der Installation zudem eine Reihe von „Alltagsimpulsen“ geplant. Sie soll Christen, Muslime und Juden miteinander in Kontakt treten lassen.

„Die Kirche soll offen stehen, nicht nur hinsichtlich unverschlossener Türen, sondern auch aus geistlicher Sicht“, sagt Pastor Bernhard Lücking. Psalm 118 sei ein passender Leitvers: „Die Tore stehen auch für die sieben leiblichen und sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit – wer sie durchschreitet, wird mit der Frage nach Gerechtigkeit konfrontiert.“

Der Plan von Vordenker Markus Emanuel Zaja und Künstler Jens J. Meyer war es, den Raum des Kirchenschiffs zu nutzen. Meyer entschloss sich, die Geschichte der Kirche St. Joseph aufzugreifen. Die erste der sieben Pforten ist das Tor des alten Turmspitzbogens, die übrigen sechs Tore gestaltet Meyer mithilfe großflächiger weißer Tücher.

Spitzbögen wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört

Die ehemaligen gotischen Spitzbögen wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Kirche bestand früher aus drei Schiffen, heute fehlt das linke. „Durch die Positionierung der Pforten wird dieser historische Aspekt sichtbar“, so Meyer.

Zwischen Montag und Mittwoch installieren er und sein Team die Tücher in dem hellen Kirchenschiff. Eröffnet wird das Kunstwerk am 9. April mit einer Improvisation des Solistenensembles „Shtetl“, dem auch Zaja angehört. Zu den Klängen von Flöte, Klarinette, Harmonium, Akkordeon und Kontrabass soll der Text des Psalms 118 in der Kirche vorgesungen werden. Für jedes Tor hat Zaja die sieben Schöpfungstage neu betitelt und die Bibelverse neu interpretiert.

Ein Ort der geistlichen Anstrengung

„Die offenen Pforten sind auch ein Ort der geistlichen Anstrengung und Auseinandersetzung“, sagt Lücking. Aus diesem Grund seien für jeden Mittwoch zwischen Ostern und Pfingsten sechs „Alltagsimpulse“ geplant. Unter anderem wollen die Beteiligten mit Hasan Tuncer, Mülheimer Ratsherr, über Migration und Integration sprechen. Für einen Vortrag über die untergegangene ostjüdische Welt ist der Historiker Ludger Joseph Heid (Uni Duisburg-Essen) eingeladen.

„Die Kirche ist ein Raum für alle Menschen, gerade hier am Dellplatz, einem Ort des blühenden Lebens in der Gegenwart“, betont Zaja. Auch Menschen anderer Religionen seien willkommen. Finanziert werde das Projekt aus einem Innovationsfond des Bistums Essen, der aus privater Hand gespeist wird. „Für den Mut und die Bereitschaft, Geld bereit zu stellen, sind wir überaus dankbar“, sagt Lücking.

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