Trendsport

Mit guten Vorsätzen und dem Trendsport Pound ins neue Jahr

Trainerin Sabine Mergen leitet den Trendsport Pound in der Sportwelt Rheinhausen.

Trainerin Sabine Mergen leitet den Trendsport Pound in der Sportwelt Rheinhausen.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Sabine Mergen gibt in der Sportwelt Rheinhausen einen Kurs, in dem die Teilnehmer zu sportlichen Schlagzeugern werden. Ein Selbsttest.

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Lautstarke Gute-Laune-Musik erfüllt die Turnhalle und steigert die Vorfreude auf das, was in der kommenden Stunde passieren mag. In diesem Jahr soll es endlich klappen mit dem guten Vorsatz, etwas mehr Sport zu machen. Die Musik scheint schon mal eine funktionierende Motivation zu sein, denn mein innerer und vor wenigen Minuten sehr laut bellender Schweinehund winselt gerade nur noch leise vor sich hin. Doch als Sabine Mergen mir zwei neongrüne Drumsticks in die Hand drückt, bin ich zunächst einmal etwas ratlos. Ein Schlagzeug ist nicht in Sicht. „Das sind unsere Sportgeräte“, erklärt die Trainerin mit einem Lachen.

Pound heißt der Sport, den die 45-Jährige seit gut anderthalb Jahren immer montagabends in der Sportwelt Rheinhausen anbietet und den sie selbst als „Pilates basierendes Cardio-Workout für jedes Alter und jedes Fitness-Level“ beschreibt. „Der Spaßfaktor steht dabei im Vordergrund“, betont Sabine. „Wir trommeln uns glücklich.“ Und wer dabei in ihr strahlendes Gesicht sieht, glaubt es sofort. Praktischer Nebeneffekt zum Spaß sind übrigens die rund 650 Kilokalorien, die ich in einer Stunde verbrennen werde.

Drumsticks als Sportgerät

Doch dafür muss ich erst einmal die Drumsticks, die natürlich keine sind und offizielle Ripstix heißen, richtig halten. „Mittig anfassen, Arme und Hände sollten gerade sein – so, als ob du eine Fernbedienung halten würdest“, sagt Sabine. 125 Gramm und damit doppelt so schwer wie handelsübliche Drumsticks sollen die Kunststoffstäbe nicht nur die Armmuskeln trainieren, sondern auch das Hirn herausfordern. Inwiefern, das soll ich schon in kürzester Zeit selbst herausfinden. Denn in diesem Moment stellen sich alle vor ihre Gummimatten, bringen sich in Position und ich mache es ihnen nach.

„Bereit?“, ruft Sabine motiviert und zieht dabei mit den Stäben einen großen Kreis durch die Luft. Bevor sich mein innerer Schweinehund für eine Antwort entschieden hat, überrumpelt ihn der schnelle Takt des Liedes. Zu dem trommelt Sabine einmal vor sich, neben sich, schlägt die Stöcke über sich zusammen. Erst langsam, damit ich als Anfängerin auch eine Chance habe. Dann in vollem Tempo. Die Beine sind gebeugt und der Oberkörper… „Stolze Brust“, weist mich Sabine freundlich zurecht. Schnell also die Schultern zurück und weiter aufmerksam der kleinen Choreografie folgen.

Trommeln mit voller Kraft

Nach dem ersten Lied laufen bereits erste Schweißperlen über mein Gesicht, doch zum Glück bin ich da nicht die einzige. „Das powert einen richtig aus und macht gleichzeitig Spaß“, sagt Birgitt Huppertz und nimmt einen Schluck aus ihrer Wasserflasche. „Danach geht es mir immer besser, deshalb würde ich am liebsten zwei Mal die Woche trainieren.“ Sie ist Teilnehmerin der ersten Stunde. Lange Zeit zum Quatschen bleibt uns allerdings nicht, denn schon läuft das nächste Lied an.

Dieses Mal setzen wir uns auf die Matten und trommeln mit voller Kraft auf die Gummimatten. Das macht so viel Spaß, dass ich den Einstieg in die nächste Bewegungsabfolge verpasse. Welches Bein muss noch mal wann in die Luft gestreckt werden, während ich die Stäbe über mir zusammenschlage? Sabine lächelt mir aufmunternd zu und zeigt es mir noch einmal etwas langsamer. Geht schließlich doch irgendwie. Lieber sind mir trotzdem die Übungen im Stehen, die übrigens am Anfang des Trendsports standen.

Trainieren wie ein Rockstar

„Als bei einem Auftritt die Stühle für zwei Schlagzeugerinnen vergessen wurden, mussten die beiden im Stehen spielen“, erzählt Sabine in der nächsten Pause. Weil das ganz schön anstrengend war, entwickelten sie daraus ein gänzlich neues Cardio-Training: Pound, das im Englischen so viel wie „trommeln“ bedeutet. Schon bald schwappte die Sportart bis nach Deutschland und so schließlich auch nach Rheinhausen.

Acht bis zehn Sport- und Spaßbegeisterten nehmen im Schnitt an Sabines Kurs teil, wobei die Teilnehmerzahl im neuen Jahr aller Voraussicht nach wieder für einige Wochen ansteigt. Die guten und mir ebenfalls sehr bekannten Vorsätze eben. „Aber es bricht nie komplett ein“, weiß Sabine. Dazu sei der Spaßfaktor einfach zu groß. Den kosten wir in den letzten Minuten des heutigen Trainings noch einmal so richtig aus, trommeln zu lauter Musik wie Rockstars und schlagen so unsere inneren Schweinehunde endgültig in die Flucht.

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