IS-Prozess

Mitangeklagter aus Duisburg will gegen Abu Wala aussagen

Der Prozess gegen den IS-Deutschlandchef Abu Walaa (rechts) läuft seit mehr als zwei Jahren in Celle.

Der Prozess gegen den IS-Deutschlandchef Abu Walaa (rechts) läuft seit mehr als zwei Jahren in Celle.

Foto: Holger Hollemann / dpa

Duisburg.  Im Prozess gegen den IS-Deutschlandchef Abu Walaa will ein Duisburger Reisebüroinhaber aussagen. Er sitzt in Celle auch auf der Anklagebank.

Im seit mehr als zwei Jahren laufenden Terrorprozess gegen den mutmaßlichen IS-Deutschlandchef Abu Walaa will sich erstmals einer der Angeklagten befragen lassen. Das Oberlandesgericht Celle hat die Vernehmung des Reisebüroinhabers aus Duisburg von Dienstag (9.15 Uhr) an eingeplant. Die Anklage wirft dem Türken das islamistische Radikalisieren junger Leute im Hinterzimmer seines Reisebüros in Duisburg-Rheinhausen vor.

Am vergangenen Prozesstag hatte der Angeklagte auf die Ankündigung, die Beweisaufnahme solle demnächst geschlossen werden, eine vorbereitete Erklärung verlesen und die Tatvorwürfe zurückgewiesen. (Az.: 4 StE 1/17)Der Iraker Abu Walaa und vier Mitangeklagte müssen sich in Celle seit September 2017 wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat verantworten. Sie sollen junge Menschen insbesondere im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt haben. Die Angeklagten haben bislang zu den Vorwürfen geschwiegen.

Prozess gegen Abu Walaa läuft seit mehr als zwei Jahren

Den Angeklagten aus Duisburg hatten mehrere der radikalisierten jungen Leute im Prozess belastet. Ein Kronzeuge hatte berichtet, in dem Reisebüro sowie der Dortmunder Islamschule eines weiteren Angeklagten in die IS-Ideologie eingewiesen worden zu sein. Nach einer Reise nach Syrien wandte er sich aber vom IS ab.

Auch einer der jungen Männer, die in Essen einen Anschlag auf einen Tempel der Sikh-Religion verübten, sagte bei der Polizei aus, von dem Reisebüroinhaber indoktriniert worden zu sein. Ein Duisburger Gymnasiast, den die Behörden vor seiner Ausreise stoppten, berichtete von Hinrichtungs- und Anschlagsvideos, die die Islamschüler im Reisebüro anschauen mussten.

Reisebüroinhaber versuchte Zeugen massiv einzuschüchtern

Aus der Haft heraus versuchte der Reisebüroinhaber außerdem, Zeugen massiv einschüchtern zu lassen. Unter anderem wurde nach Polizeiangaben auf das Haus der Schwester eines Zeugen in Duisburg geschossen. Vor knapp einem Jahr bestätigte ein zeitweise gemeinsam mit dem Reisebüroinhaber inhaftierter Ex-Rockerchef als Zeuge vor Gericht, für den Angeklagten Schreiben aus dem Gefängnis geschmuggelt zu haben.

Dabei ging es um Einschüchterungsversuche. Zwar ließ sich der Rockerchef zum Schein darauf ein, schaltete aber über seinen Anwalt das Landeskriminalamt Düsseldorf ein. (dpa)

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