Mordfall

Mord in Duisburger Café: Polizeipräsidentin glaubt fest an Aufklärung

Tatort Café Vivo: Bis heute konnte der Todesschütze nicht ermittelt werden.

Foto: Stephan Eickershoff

Tatort Café Vivo: Bis heute konnte der Todesschütze nicht ermittelt werden. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   In 2017 musste die Duisburger Polizei 54 Mordkommissionen gründen – so viele wie nie zuvor. Täter zweier Kapitalverbrechen werden noch gesucht.

Das Tötungsdelikt im Café Vivo im Innenhafen, bei dem im vergangenen Mai die Geschäftsführerin in ihrem Laden erschossen wurde (wir berichteten), zählt zu den zwei Kapitalverbrechen des Jahres 2017 in Duisburg, die bis heute nicht aufgeklärt werden konnten. „Ich bin aber felsenfest überzeugt, dass wir das schaffen. Wir werden auch weiterhin alles daran setzen, den oder die Täter zu ermitteln“, sagte Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels am Donnerstag im großen WAZ-Interview. Bei der Ermittlungsarbeit seien die Kräfte des KK 11 mit ungeheurer Akribie und Hingabe vorgegangen. Technisch ungewöhnliche Wege seien bei der Spurenanalyse beschritten worden. Alles das stimme sie zuversichtlich, dass der Fall aufgeklärt wird. „Auch wenn es Jahre dauern sollte“, so Bartels.

Feuer mit menschlichem Verursacher

Mindestens ebenso sehr wie dieser Fall habe sie das Schicksal der Betroffenen beim Wohnungsbrand im September 2017 an der Vohwinkelstraße in Untermeiderich bewegt. Vier Menschen waren damals ums Leben gekommen. „Technisches Versagen als Ursache für das Feuer konnten wir schnell ausschließen, es ist eindeutig durch menschliches Einwirken entstanden“, verrät Bartels. Auch hier zeigte sie sich überzeugt, dass der Verantwortliche überführt und der Fall in absehbarer Zeit aufgeklärt werden kann.

54 Mal musste im Vorjahr eine Mordkommission (MK) gegründet werden. Das betraf versuchte und vollendete Kapitaldelikte in Duisburg und im gesamten Kreis Wesel, für den das hiesige Präsidium in solchen Fällen zuständig ist. „In normalen Jahren haben wir höchstens 30 solcher Fälle. 2017 stellte eine außergewöhnliche Belastung für alle 300 Kollegen der Kripo dar“, so Bartels. Weil auch die Zahl potenzieller MK-Leiter begrenzt ist, hätten einige von ihnen in der Spitze bis zu drei Fälle gleichzeitig betreut. „Es ist schon ambitioniert, mit dieser Mannschaftsstärke ein so großes Kriminalitätsaufkommen zu bekämpfen“, so Bartels.

Prekäre räumliche Situation

Die Polizeipräsidentin sprach erneut die prekäre räumliche Situation in einigen Wachen an. Jene in Homberg und Meiderich sollen perspektivisch geschlossen und danach zusammengelegt werden – und gemeinsam in einen Neubau in Ruhrort einziehen. Der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) werde diesen aber nicht bauen, so Bartels. „Wir als Behörde müssen das Projekt selbst ausschreiben, einen Investor mit Grundstück finden, der den Neubau schultert und diesen dann an uns vermietet“, schildert sie das Prozedere. Das alles könne noch dauern.

Weiteres Ärgernis: Die bereits seit 2010 existierenden Pläne für die Sanierung der Polizeigebäude an der Fraunhoferstraße in Neudorf wurden im Mai 2017 von der Landesregierung einkassiert. Mögliche Alternativlösung: der Umzug an einen noch zu bestimmenden Standort im Duisburger Süden. „Eine Nähe zum Präsidium sowie zum Hauptbahnhof ist aus meiner Sicht aber zwingend“, sagt die Polizeipräsidentin.

Von den derzeit über 2000 Mitarbeitern der Duisburger Polizei, zu denen auch die Fachhochschüler in Großenbaum gehören, werden in 2018 rund 50 in Ruhestand gehen. Darunter sind sechs Leiter von Kriminal-Kommissariaten. „Mit ihrem Weggang wird uns jede Menge Erfahrungswissen verloren gehen. Uns steht ein echter personeller Umbruch bevor“, sagt Bartels.

>>> Warten auf personelle Entlastung

Personelle Entlastung wurde den Polizeibehörden von der schwarz-gelben Landesregierung in Form von Verwaltungsassistenten versprochen. Bis 2022 sollen laut Bartels landesweit 2400 eingestellt werden. „Würde der bisherige Verteilungsschlüssel greifen, würden wir in Duisburg etwa 18 bis 20 Stellen pro Jahr zugewiesen bekommen“, erklärte die Polizeipräsidentin. Die Personalsuche und -einstellung erfolgt durch die jeweilige Behörde. Derzeit müsse für diese Kollegen aber erst noch das Tätigkeitsprofil erarbeitet werden, so Bartels.

22 neue Regierungsbeschäftigte sind hingegen bereits an Bord, alle jedoch noch mit zeitlich befristeten Verträgen ausgestattet.

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