Bürgerversammlung

Neue Entwicklungen um Baumfällungen im Baerler Busch

Um den Baerler Busch drehen sich derzeit viele Diskussionen.

Um den Baerler Busch drehen sich derzeit viele Diskussionen.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Duisburg-Baerl.  Bürger haben mit einigen Experten über die Zukunft vom Baerler Busch diskutiert. Dabei kristallisierte sich schnell ein gemeinsames Ziel heraus.

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Sachlich kompetent, konstruktiv und in ruhiger Atmosphäre diskutierten bei der Bürgerversammlung, zu der die SPD eingeladen hatte, Naturschützer, Politiker, Mitglieder der Bürgerinitiative mit Johannes Gerst vom Regionalverband Ruhr Grün über die Waldentwicklung im Allgemeinen und den Baerler Busch im Besonderen.

Dabei suchten beide Seiten eher das Gemeinsame als das Trennende und verzichteten auf eine Konfrontation. Unterschiede im Detail zwischen Gerst, Johannes Meßer, Vorsitzender des Landschaftsbeirates sowie Gernot Fischer, einer der Sprecher der Initiative „Baerler Busch ist bedroht“, blieben zwar erkennbar, aber es kristallisierte sich ein gemeinsames Ziel heraus: ein stabiler und vielfältig strukturierter Wald, der gegen die noch unkalkulierbaren Herausforderungen des Klimawandels am besten gewappnet ist.

Ein Waldwissenschaftler voller Leidenschaft

„Für den Erhalt des Baerler Busch würde ich auch unterschreiben und das habe ich auch“, sagte Gerst, machte aber mit einem Schmunzeln klar – nachdem er staunend gefragt wurde, ob er etwa zu den über 3500 Unterzeichnern gehöre, die sich gegen die Fällungen ausgesprochen haben – dass er seinen Arbeitsvertrag meinte. Aufgabe des RVR sei es schließlich in erster Linie, den Wald zu sichern und zu entwickeln. Und auch ein Waldwissenschaftler hat Leidenschaft für die Sache.

Dass es zu Zielkonflikten zwischen den unterschiedlichen Nutzern des Waldes, ihren Ansprüchen und Bedürfnissen kommen kann, hat er in der Vergangenheit wiederholt gesagt. Dass der Baerler Busch in erster Linie der Erholung der Menschen dient, machte auch er deutlich. Die Erlöse aus der wirtschaftlichen Nutzung seien dagegen sehr gering und stünden in keinem Verhältnis zu den Aufwendungen für die Pflege und die Unterhaltung der Wege. „Für die Bürger war es in den vergangenen Wochen eher ein Ärgerwald. Sie konnten den Baerler Busch nicht mehr betreten und konnten sich bei der Vielzahl der markierten Bäume, die gefällt werden sollen, nicht mehr erholen“, betonte Meßer.

Unverständnis für die geplanten Baumfällungen

Vor allem die Masse der aus Sicht der Initiative vitalen Buchen, die am Pilgerweg der Säge zum Opfer fallen sollen, stieß auf Unverständnis. Hier lenkte Gerst ein und sagte eine erneute Prüfung der Bäume zu, auch gemeinsam mit Gernot Fischer, der von Beruf Baumsachverständiger ist. Mindestens einen Baum habe er konkret vor Augen, der nicht mehr standsicher sei. Aber Buchen dürften auch weder frei noch zu dicht stehen.

Konzessionen hatte Gerst bereits in den Wochen zuvor gemacht, als er hinter den Kulissen, auf Initiative der Fraktionsvorsitzenden Hans-Gerd Bosch und Dietmar Beckmann, mit der Politik und den Naturschutzverbänden einen 14 Punkte umfassenden Kompromiss über die zukünftige Bewirtschaftung des Baerler Buschs aushandelte und auch die Umsetzung der Fällungen aussetzte. Bosch, der sich hinterher sehr erfreut über den Verlauf des Abends zeigte, stellte die Punkte bei der Versammlung detailliert vor, über die dann lebhaft diskutiert wurden.

Fremdhölzer als Gefahr für den Wald

Auch die Naturschutzverbände konnten sich nicht durchsetzen, was Meßer an drei Punkten deutlich machte. Ein zentraler Punkt ist für ihn der Anteil der Fremdhölzer im Wald, der in dem Papier auf 20 Prozent festgelegt wurde. Dadurch würde die ökologische Qualität leiden, beklagte er. Der Anteil ist jetzt noch weitaus geringer. Hilfreich war das Hinzuziehen von Stadtförster Axel Freude, der vor einer pauschalen Dämonisierung der Exoten warnte. Die Spaziergänger erfreuen sich an ihnen, wie er betonte, etwa an der wundervollen Blattfärbung der Roteichen im Herbst und an Blüten und Duft der Robinien.

Gefährlich seien die invasiven Arten, die nicht nur fremd sind, sondern die bestehenden Arten auch zurückdrängen, wie die Traubenkirsche, die auch Meßer nicht haben will. In Schutzzonen soll der Wald deshalb nicht komplett sich selbst überlassen sein. Die Förster sollen hier weiterhin ungewollte Entwicklungen verhindern können. Auch hier ist der Anteil der Fläche strittig. Die Umweltverbände fordern zehn Prozent, um deutlich zu machen, dass es hier nicht um einen Bereich im Promillebereich gehen kann.

In einer kollegialen Geste verteidigte Freude auch seine junge Kollegin von Ruhr Grün. „Sie ist fachlich wie menschlich völlig okay.“ Wichtigster Schritt: die 14 Punkte müssen jetzt bei weiteren Gesprächen, bei denen die Initiative einbezogen wird, mit Leben gefüllt werden. Mit ihrer Unterschriftenaktion habe sie einen Supererfolg erzielt, lobte Bosch. Für diesen Prozess war der Abend ein gelungener Auftakt.

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