Berufsorientierung

Duisburger Schüler entdecken spielerisch ihre Stärken

Zwei Klassenkameradinnen helfen sich bei der Parcours-Station „Sturmfreie Bude“ gegenseitig bei der Küchenarbeit. Denn auch bei Alltagstätigkeiten verbergen sich Stärken für die Berufswahl.

Zwei Klassenkameradinnen helfen sich bei der Parcours-Station „Sturmfreie Bude“ gegenseitig bei der Küchenarbeit. Denn auch bei Alltagstätigkeiten verbergen sich Stärken für die Berufswahl.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-Röttgersbach.  Beim Projekt „Komm auf Tour“ durchlaufen 600 Schüler einen Parcours. Dies hilft den Jugendlichen bei der Berufsorientierung und Lebensplanung.

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Für die hunderten Schüler ist es eine willkommene Abwechslung vom normalen Unterricht, als sie sich mit ihren Lehrern in der Förderschule Duisburg-Nord zur Berufsorientierung einfinden. Doch sie sitzen nicht in Beratungsgesprächen und füllen Formulare aus. Sie nehmen am Projekt „Komm auf Tour“ teil, um spielerisch ihre Stärken kennenzulernen. Dieses Projekt feiert in Duisburg seinen zehnten Geburtstag. Organisatoren und Partner sind aus vielen Gründen von dem Konzept überzeugt.

Ein Erlebnisparcours erwartete an drei Tagen gut 600 Sieben- und Achtklässler in Röttgersbach. „Es geht um die Zukunft, um Berufsorientierung und Lebensplanung“, sagte Moderatorin Svenja Kormann. Es gehe darum, was die Jugendlichen, die aus Haupt-, Gesamt- und Förderschulen kommen, gut könnten, ob im Alltag oder im Klassenraum. Sie sollen zeigen, „welche Power in ihnen steckt“, allerdings ganz ohne den Charakter eines Wettstreits.

Anhaltspunkte für Berufsberatung

Dass die Jugendlichen durch das Projekt möglichst früh erste Schritte zur Berufsorientierung gehen, findet Thomas Kleine von der Arbeitsagentur, die eine von zahlreichen Projektpartnern ist, besonders gut. „Wir knüpfen in unserer Berufsberatung an die Stärken an, die hier entdeckt wurden.“ Oft helfe dies, den richtigen Beruf zu wählen.

Dass die Projekttage über die reine Berufsorientierung hinausgehen und auch die Lebensplanung einbeziehen, lobt Reinhard Wolf (Amt für Schulische Bildung), zumal viele der Teilnehmer mit Benachteiligung zu kämpfen hätten und aus „Regionen kommen, die nicht auf Rosen gebettet sind“. Je früher sie also damit beginnen, sich über ihre Zukunft Gedanken zu machen, umso besser. Zudem stütze das Projekt die Jugend beim Selbstbewusstsein und beim Selbstwert, ergänzt Gabriel Spitzner (Regionalagentur Niederrhein).

Auch Millionär, Youtuber und Supermodel sind Berufswünsche

Einig sind sich alle Kooperationspartner, die auch ein Netzwerk gebildet haben, dass es hilfreich ist, wenn Schüler ihre Stärken früh erkennen und früh eine Leidenschaft entwickeln, mit der sie auf ein Berufsziel hinarbeiten können. „Selbst wenn das Ziel ist, Millionär zu werden, Youtuber oder Supermodel, dann lachen wir die Schüler nicht aus, sondern zeigen ihnen, wie sie es erreichen könnten und was die Voraussetzungen sind“, sagt Manuel Oswald vom Kommunikationsbüro Sinus, das das Konzept entwickelt haben und das Projekt durchführt.

Genauso wichtig wie die Schüler zu stärken, sei es aber auch, die Lehrer zu schulen und die Eltern mit ins Boot zu holen, so Manuel Oswald, und in Duisburg gelinge das seit nunmehr zehn Jahren vorbildlich.

Einige Schüler blühen in dem Parcours auf

Ebenfalls vorbildlich bewegen sich die Achtklässler durch den Parcours, bei dem sie spielerisch ihre – teils ungeahnten – Stärken ermitteln. Bei der Station „Sturmfreie Bude“ räumen sie gemeinsam eine verwüstete Wohnung auf, können dabei sogar Kondome finden und etwas über Verhütung lernen. In einem Labyrinth erfahren sie, dass Pläne in einer Sackgasse enden können und dass es keine Schwäche ist, um Hilfe zu bitten.

Auf der Theaterbühne müssen die Schüler ein Stück improvisieren, wohingegen sie im sogenannten Zukunftstunnel überlegen, wo und wie sie im Jahr 2030 leben: in der Großstadt, auf dem Land, mit Kindern oder einem gleichgeschlechtlichem Partner. Oder haben sie einen Job, der nicht viel Zeit für die Familie lässt. „Einige unserer Schüler blühen hier tatsächlich auf“, freut sich Ricarda Mainka, Referendarin der Beecker Förderschule Am Rönsberghof. „Sie sind deutlich weniger zurückhaltend als im Unterricht.“

Jugendliche bekommen auch Hilfe bei ihrem Plan B

„Mir gefällt es hier sehr gut“, sagt die zwölfjährige Stephanie. Die bisherigen Ergebnisse bestärken sie in ihrem Berufswunsch. „Ich kann gut reden, bin kreativ und gut bei Handwerklichem.“ Zahlreiche bunte Aufkleber auf ihrem Arm bezeugen diese Erfolge im Parcours. Ihrem Traumjob, Produktdesignerin, fühlt sie sich einen Schritt näher. Auch ihre Freundin Lea weiß jetzt, dass ihr Ziel für sie das richtige ist: „Ich werde Polizistin.“ Allerdings hofft die 13-Jährige, dass sie noch ordentlich wächst. Denn bei der Polizei in NRW gilt eine Mindestgröße für Kommissarsanwärterinnen. Sollte ihr die Genetik aber einen Strich durch die Rechnung machen, braucht sie einen Plan B. Doch auch dabei hilft ihr das Projekt „Komm auf Tour“.

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