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In Obermeiderich regt sich Widerstand gegen neuen Supermarkt

In Duisburg-Obermeiderich, nahe der Grenze zu Oberhausen, sollen die Discounter Penny und Kik einem modernen Supermarkt weichen. Stadt und Politik finden das gut, aber Anwohner kämpfen dagegen.

In Duisburg-Obermeiderich, nahe der Grenze zu Oberhausen, sollen die Discounter Penny und Kik einem modernen Supermarkt weichen. Stadt und Politik finden das gut, aber Anwohner kämpfen dagegen.

Foto: Jörg Schimmel

Duisburg-Obermeiderich.  Stadt Duisburg und die Politik wollen Penny und Kik durch einen Supermarkt ersetzen. Anwohner kämpfen dagegen, ihnen graut es vorm Verkehrslärm.

Die Stadt Duisburg und die Politik wollen in Obermeiderich eine bessere Nahversorgung und haben dafür erste Weichen gestellt. „Ein Vollsortimenter wäre begrüßenswert, da sind sich alle Fraktionen einig“, warb zuletzt Bezirksbürgermeisterin Daniela Stürmann (SPD) für das Vorhaben, einen modernen Supermarkt zwischen der A3 und der Grenze zu Oberhausen anzusiedeln. Dagegen regte sich unlängst Widerstand bei Anwohnern, dass an der Obermeidericher Straße ein Supermarkt von Edeka oder der Rewe-Gruppe die bisherigen Discounter Penny und Kik ersetzen soll. Das zeigte sich bei einer Bürgeranhörung.

Die Lärmbelästigung ist jetzt schon unerträglich“, gab Walter Lippert, Bewohner der Obermeidericher Straße, den anwesenden Stadtplanern und Bezirksvertretern zu bedenken. Ihm gefällt gar nicht, dass der Eigentümer des gut 6200 Quadratmeter großen Geländes, die FIM Unternehmensgruppe aus Bamberg, die Marktfläche der beiden eingemieteten Discounter zusammenlegen und mit einem Anbau erweitern will.

Anwohner befürchten ein Verkehrschaos

Zumal der Wechsel zu einem Vollsortimenter mehr Warenauswahl mit sich bringe. „Eine größere Produktpalette bedeutet mehr Kunden und mehr Verkehrsaufkommen“, so der Obermeidericher. Und: „Wir befürchten ein Verkehrschaos.“ Allein die Lastwagen, die teils über Kopfsteinpflaster zum privatwirtschaftlichen Duisburger Recycling Zentrum an der Oberhauser Straße fahren, würden der Nachbarschaft schon genug Schlaf rauben. „Lärm macht krank“, betonte Lippert, der die Situation im Viertel schon länger anprangert. „Wenn ein Lkw ankommt, ist ein Flughafen ein Scheißdreck dagegen“, untermauerte er, wie groß die Belästigung bereits sei. Dafür erhielt er von einigen Nachbarn im Publikum kurzen Szenenapplaus.

Indes waren die Stadtplaner Maike Mosch, Patrick Huhn und Holger Botz bemüht, durch Informationen die Befürchtungen aus der Bevölkerung zu mindern. So legten sie etwa dar, dass sich der Supermarkt erst ansiedeln dürfe, wenn der Bebauungsplan und Flächennutzungsplan entsprechend dafür geändert seien. Bis dieser Prozess abgeschlossen und die neuen Pläne rechtsgültig sind, müssen demnach noch einige Gutachten erstellt werden. Dazu zählt neben einer Prognose der Verkehrssituation auch die Beschäftigung mit zu erwartendem Lärm. Außerdem werden innerhalb des Verfahrens auch Anwohner um Stellungnahmen gebeten.

Penny und Kik können sich laut der Stadt Duisburg am Standort nicht halten

„Wenn es dazu kommt“, sagt Patrick Huhn, „dass der Lärm durch den Supermarkt tatsächlich mehr wird, werden wir entsprechend reagieren.“ Eine Maßnahme könnte eine Straßensanierung mit leiser Fahrbahn sein. Als Grundlage für Lärmbelästigung, ergänzte der Fachmann, würden natürlich die gesetzlichen Grenzwerte gelten.

All dies überzeugte Walter Lippert und seine Mitstreiter im Publikum nicht, doch offenbar die Bezirksvertreter, die den Vollsortimenter als Ersatz für die beiden Discounter ohnehin befürworten. Zumal ein Verzicht auf das Projekt sich wohl negativ auf die Nahversorgung im Stadtteil auswirken würde. „Penny und Kik haben unserer Einschätzung nach keine Chance, sich langfristig zu halten“, sagt Stadtplaner Holger Botz und verweist auf ein Gutachten zur Nahversorgungssituation in der Umgebung.

Parteien fassen einstimmigen Beschluss für neuen Bebauungsplan

Dadurch waren Bezirksbürgermeisterin Daniela Stürmann und die Bezirksvertreter in ihrer Meinung bestärkt und ebneten den nächsten Schritt für einen modernen Supermarkt. Sie beschlossen einstimmig, die nächste Phase für die Änderungen des Bebauungsplans 1265 und des Flächennutzungsplans 3.38 einzuleiten. So folgt demnächst die erste von zwei Öffentlichkeitsbeteiligungen, bei denen unter anderem die Obermeidericher mit Anregungen Einfluss nehmen und so helfen können, das Projekt zu konkretisieren.

Walter Lippert und seinen Mitstreitern, die eine höhere Lärmbelastung durch Laster und Kundenautos befürchten, werden den Supermarkt nicht verhindern. Ihnen bleibt aber die Hoffnung, dass ihre Einwände in der weiteren Projektplanung berücksichtigt werden.

>> Die Bagger rollen frühestens in circa einem Jahr

  • Änderungen am Bebauungs- und am Flächennutzungsplan könnten laut der Stadt frühestens Mitte 2021 beschlossen sein. Danach baut die FIM-Unternehmensgruppe um. Geplant sind 1400 qm Verkaufsfläche, das ist nur etwas mehr als jetzt Penny und Kik zusammen haben.
  • Im Winter 2022/23 könnte dann wiedereröffnet werden.
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