Ärger in Hamborn

Lärm, Dreck, Gewalt: Manche Hamborner denken an Wegzug

Stadtteilspaziergang mit der Bezirksvertretung um Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer durch Alt-Hamborn. Am Donnerstag sprachen die Politiker mit den Bürgern über die Probleme im Stadtteil.

Stadtteilspaziergang mit der Bezirksvertretung um Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer durch Alt-Hamborn. Am Donnerstag sprachen die Politiker mit den Bürgern über die Probleme im Stadtteil.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg-Alt-Hamborn.  Lärm, Gewalt, Bedrohungen, Pöbeleien, Autorennen, Wildparker, Wildpinkler – das Maß ist voll: Bürger in Duisburg-Hamborn klagen ihr Leid.

Die Hamborner sind gut vorbereitet ins Gespräch mit Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer und seinen Politikerkolleginnen und -kollegen gekommen: Alle hatten sich im Kopf Stichworte bereitgelegt, zwei Damen gar ein Protestschreiben vorbereitet.

Der Tenor aller Teilnehmer des Gesprächs am Donnerstagnachmittag – wir berichteten – war deutlich: Wenn Hamborn lebenswert bleiben, beziehungsweise wieder werden soll, dann müsse schnellstens etwas geschehen. Lärm, Gewalt, Bedrohungen, Pöbeleien, Autorennen, Wildparker, Wildpinkler – das Maß ist voll.

Politiker aus Duisburg-Hamborn hören aufmerksam zu

Marcus Jungbauer und seine Politiker-Kollegen haben sich aufmerksam angehört, was die Menschen zu sagen hatten. Immer wieder nickten sie zustimmend, wenn ihnen die Probleme geschildert wurden. Ob Anwohner oder Geschäftsleute, sie alle ärgern sich über die Probleme, die in den letzten Jahren entstanden sind und immer schlimmer werden. „Ich lebe seit 30 Jahren in Duisburg“, sagt eine Kurdin. Ihr Mann arbeitet bei Thyssen, die erwachsenen Kinder studieren. Das hält sie noch in Duisburg. Lieber würde sie wegziehen, die erst vor neun Jahren gekaufte Wohnung zwischen Altmarkt und Rathaus Hamborn wieder abgeben. „Man hat Angst, auf die Straße zu gehen, traut sich abends nicht mehr hierher. Das macht keinen Spaß mehr!“

Andere sehen das genauso. Sie sind es, die den Beschwerdebrief aufgesetzt haben und ihre Nachbarn um Unterschriften bitten. Die sollen nach den Sommerferien an die Stadt und die Politik übergeben werden. In dem Schreiben erläutern sie, wo es brennt und warum. So haben sie festgestellt, dass sich vor allen Südosteuropäer aller Altersgruppen – mitunter in großen Gruppen – auf der Jägerstraße aufhalten, weil es dort rund um die Uhr kostenloses WLan gibt. Die Politiker konnten es hautnah erleben.

Bürger fordern die Politik auf, mal abends vorbeizuschauen

Am Donnerstagnachmittag ging es ruhig dort zu. „Sie müssen mal abends kommen“, sagten alle unisono. 50 Personen, die alle lauthals krakeelen, während sie im Internet surfen, bevölkern dann nach Auskunft der Anwohner und Geschäftsleute die Straße. Dann wird Fußball gespielt – „die Bälle klatschen regelmäßig an die Schaufensterscheiben“. Dann wird laut Musik gemacht oder gehört, mitunter auch noch um drei Uhr nachts. „Wir wollen schlafen, müssen schlafen. Wir müssen ja morgens raus, zur Arbeit“, sagen die Beschwerdeführer. Die Polizei komme zwar nach Anrufen, Ruhe trete dennoch nicht nachhaltig ein.

Unter den Teilnehmern des Gesprächs mit dem Bezirksbürgermeister ist auch der (ausländische) Besitzer eines Eiscafés. Direkt vor seinem Geschäft mit hübschem Außenbereich in der Fußgängerzone lungern oft Menschen herum. Er hat sie schon beim Urinieren gegen die Hauswand erwischt. „Wenn man sie anspricht, wird man beschimpft“, sagt er. „Das ist respektlos. Einfach nur respektlos.“

Anwohner wünschen sich, dass die Behörden hart durchgreifen

Er würde sich, wie alle anderen wünschen, dass das Ordnungsamt durchgreift. Auch, um den Dreck allerorten los zu werden. Zwar hängt an der Jägerstraße an jeder Laterne ein Abfalleimer. Aber den benutzen längst nicht alle. Bei jeder Sitzgelegenheit ist der Boden verdreckt.

Es wird gespuckt, Abfall wie Kaffeebecher und Zigarettenkippen bleiben dort liegen. Die Ketten, die die beiden Schülerkunstwerke auf der Jägerstraße schützen sollen, werden immer wieder abgerissen. Kurzum: Der einst blühende Geschäftsbereich verkommt – und inzwischen ziehen die Bewohner weg. So ist gerade eine Wohnung gegenüber des Eiscafés frei geworden.

Politiker wollen jetzt nach Lösungen suchen

„Ich habe mein Schlafzimmer schon nach hinten verlegt“, sagt eine Dame – „ins Wohnzimmer“. Und eine knapp 80-Jährige ergänzt.: „Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Balkon. Aber den kann ich abends nicht nutzen, wegen des Lärms.“

Marcus Jungbauer will mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus der Bezirksvertretung nach Lösungen suchen.

Um die Jägerstraße abends und nachts unattraktiv für Nutzer des kostenlosen Internets zu machen, sollen die Provider gebeten werden, das Wlan ab etwa 18.30 abzuschalten, sprich: sobald Geschäftsschluss ist.

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