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Frau provoziert mit altem Foto in Duisburger Facebook-Gruppe

Mit einem Tastendruck – hier durch eine Fotomontage illustriert – können sich im Internet Lügen und Halbwahrheiten tausendfach verbreiten.

Foto: imago

Mit einem Tastendruck – hier durch eine Fotomontage illustriert – können sich im Internet Lügen und Halbwahrheiten tausendfach verbreiten. Foto: imago

Marxloh.   In einer Gruppe des sozialen Netzwerks verbreitet eine Nutzerin eine Meldung über Libanesen. Das Bild stammt jedoch aus einem anderen Kontext.

Der Besuch der sozialen Netzwerke, deren Nutzer sich mit dem Duisburger Norden befassen, ist eine Pflichtaufgabe an jedem Arbeitstag in der Nord-Redaktion. So auch am vergangenen Mittwoch, wo ein Thema in einer öffentlichen Marxloher Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook besonders ins Auge fiel.

Eine junge Frau hatte den Beitrag eines Internet-Nachrichtenportals „geteilt“. Sprich: Eine Kopie des Beitrags den anderen Mitgliedern der Gruppe zugänglich gemacht. So, als würde man im „richtigen“ Leben einen gedruckten Artikel tausendfach kopieren und an Freunde oder Bekannte verteilen.

„Aktuelles“ Foto ist älter als sieben Jahre

Nur eben schneller, per Mausklick. In der Überschrift des Artikels wurde vor kriminellen Handlungen angeblich wieder erstarkter libanesischer Clans in Marxloh und dem Duisburger Norden gewarnt.

Illustriert wurde der Bericht mit einem Foto, auf dem rund zwei Dutzend junger Männer um ein protziges Auto auf einem Marktplatz posierten. Allerdings kein Marxloher Marktplatz, auch kein Duisburger Marktplatz.

Wie sich für die Redaktion nach nur drei Minuten Recherche heraus stellte, wurde das im Zusammenhang mit Marxloh veröffentlichte Bild definitiv in den Jahren 2009 oder 2010 gemacht, mit größter Wahrscheinlichkeit in Bremen.

Nach aggressiven Kommentaren folgt differenzierte Diskussion

Während die ersten Kommentare zum Beitrag von Forums-Teilnehmern reichlich aggressiv, dem Stil des Beitrags angemessen waren, wurden sie in Anbetracht des Bilder-Schummels sachlicher. Wobei die Tatsache, dass sie gerade mit einem Uralt-Bild in die Irre geführt wurden, das nichts mit Marxloh zu tun hat, nicht alle Kommentatoren störte.

Es sei doch schlimm genug, dass im Text ein Wiedererstarken der libanesischen Clans, eine neue Verbrechenswelle durch Libanesen, thematisiert werde. Wen interessiere da ein Bild?

Zum Beispiel Oliver Beltermann, Ratsherr des Jungen Duisburg. Auch Beltermann schaltete sich in die – jetzt durchaus differenzierte – Diskussion ein.

Ratsherr ist eigentlich im Urlaub

Der 33-jährige Ratsherr, der eigentlich gerade im Urlaub weilt, versuchte Forumsteilnehmern zu erklären, was „vertrauenswürdige Quellen“ sind: „Es ist oft erschreckend, zu sehen, wie unbedarft einfach auf „teilen“ geklickt wird und somit einfach alles ungeprüft über Facebook verbreitet wird“, sagt Beltermann.

Der jungen Frau, die den Beitrag geteilt hatte, wurde es schließlich zu bunt. Sie entschuldigte sich und löschte den Beitrag. Was hinsichtlich Bild und Botschaft des Artikels wohl ziemlich vernünftig war, wie auch Daniela Krasch von der Pressestelle der Polizei meint: „Wir können die enthaltene Tendenz jedenfalls nicht bestätigen.“ Von einen sprunghaften Anstieg der Straßenkriminalität durch libanesische Täter habe sie keine Kenntnis, sagt die Polizei-Sprecherin.

Eigentlich ist er derzeit in Urlaub und feiert dort mit seiner Lebensgefährtin seinen 33. Geburtstag nach, Oliver Beltermann, Ratsherr des Jungen Duisburg.

Zwielichtige Quellen und „geheime Wahrheiten“

Am Mittwochnachmittag wollte er sich eigentlich nur erkundigen, was derzeit in der Heimat so passiert – und landete mitten in der Diskussion über Schummel-Nachrichten und tendenziös platzierte Uralt-Bilder.

Für ihn, als bewussten und kritischen Online-Nutzer, keine neue Situation: „Diese Quellen mit sehr merkwürdigen Namen, Blogs oder Websites ohne Impressum werden dann als „geheime“ Wahrheit präsentiert und verteidigt“, sagt Beltermann. Die Nutzer müssten in diesen Fällen kritischer sein, skeptischer sein.

Schließlich ginge es um ihr Denken, das von anderen im bestimmte Richtungen gelenkt werden solle: „Eine wirkliche Recherche zum Ursprung der jeweiligen Quelle oder ein schneller Quercheck des Inhalts passiert dort nie.“

Oft wird der Beitrag nicht gelesen

Oft könne man sogar allein am Kommentar ablesen, ob der Kommentator sich überhaupt mit dem Inhalt der Meldung auseinander setzte oder einfach ein vorgefasstes Urteil abgebe, das sich auf nichts außer Vorurteile stütze: „Oftmals wird dann der Beitrag von anderen nicht gelesen, sondern einfach zusammenhangslos kommentiert. Sieht man oft auch auf den Facebook-Seiten der WAZ oder NRZ. Dann stehen die Kommentare völlig im Gegensatz zum Inhalt des Artikels.“

Es sei wichtig, sagt Beltermann, diese Diskussion zu führen, ganz ohne erhobenen Zeigefinger: „Durch solche Beiträge wird die Hetze, der „Hatespeech“ bei Facebook immer wieder angeheizt da die Leute so immer neuen Stoff bekommen.“

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