Bildung

Ruhrtalente wollen Botschafter für Duisburger Norden sein

Ali Adigüzel und Eda Cuvadar – hier mit Lehrerin Cordula Hiller-Kitzmann – sind die beiden Ruhrtalente an der Theodor-König-Gesamtschule in Duisburg-Beeck. Mit dem Stipendium wollen sie nicht nur ihre Noten verbessern, sondern auch andere Jugendliche inspirieren und Vorbilder sein.

Ali Adigüzel und Eda Cuvadar – hier mit Lehrerin Cordula Hiller-Kitzmann – sind die beiden Ruhrtalente an der Theodor-König-Gesamtschule in Duisburg-Beeck. Mit dem Stipendium wollen sie nicht nur ihre Noten verbessern, sondern auch andere Jugendliche inspirieren und Vorbilder sein.

Foto: Tamara Ramos

Duisburg.  Gesamtschüler Eda Cuvadar und Ali Adigüzel sind Stipendiaten der Ruhrtalente. Bei dem Programm zählen nicht nur Noten, es fördert auch Engagement.

Mächtig stolz ist die Theodor-König-Gesamtschule auf ihre Oberstufenschüler Eda Cuvadar und Ali Adigüzel. Denn sie sind Ruhrtalente. Das Stipendienprogramm eröffnet Jugendlichen bis zum Schulabschluss tolle Möglichkeiten, mit denen sie sich entfalten können – auch abseits schulischer Leistungen. Die beiden Gesamtschüler wollen ihre Chance auch nutzen, das schlechte Image ihrer Heimat aufzupolieren.

„Wir wollen Botschafter für den Duisburger Norden sein“, betont die 18-jährige Eda Cuvadar aus Marxloh, die geradezu vor Selbstbewusstsein strotzt, seitdem sie vor anderthalb Jahren ein Ruhrtalent wurde. Denn für viele Menschen seien Marxloh, Beeck oder Bruckhausen nur Problemviertel mit viel Kriminalität und großer Armut. Damit will die junge Frau und ihr 17-jähriger Mitschüler aus Bruckhausen aufräumen und als Ruhrtalente auch Vorbilder für andere sein.

Stipendium schaut nicht bloß auf die Noten

Das freut besonders die Oberstufenkoordinatorin Cordula Hiller-Kitzmann, die an der Gesamtschule das Stipendienprogramm betreut. „Wir haben klasse Leute, die draußen mithalten können und sich nicht verstecken müssen“, bricht die Lehrerin eine Lanze für Beeck, wo die Schule steht. Die Ruhrtalente würden dies nicht nur beweisen, sondern vor allem auch nach außen sichtbar machen. Denn das Programm schaue nicht bloß auf die Noten, wichtig sei ihm auch soziales Engagement und Entwicklungspotenzial.

„Es sind nicht nur Einserkandidaten aus reichen Elternhaus dabei“, lobt Hiller-Kitzmann, „viele Stipendiaten kommen aus schwächeren Stadtteilen.“ Gerade das sei ein wichtiges Signal, auch für den Duisburger Norden. Denn die Ruhrtalente erhalten nicht nur Unterstützung, wenn sie etwa Nachhilfe brauchen oder bei Bedarf ein Busticket oder einen Laptop. „Wir verpflichten uns, regelmäßig Veranstaltungen zu besuchen“, sagt Ali Adigüzel, der seit vergangenem April ein Ruhrtalent ist.

So haben er und Eda Cuvadar an einer Berlin-Reise teilgenommen und dort etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wolfgang Schäuble getroffen. „Das war etwas Besonderes“, sagt der 17-Jährige, den vor allem der Bundestagspräsident beeindruckte. „Wir lernen immer neue Menschen kennen und machen neue Erfahrungen“, sagt Adigüzel, sei es bei solch einer Bildungsreise oder bei einem Kurs für Business-Knigge, bei dem man Umgangsformen lernt.

Interesse an sozialem Engagement verstärkt

Natürlich gibt es auch zahlreiche Angebote, um schulische Leistungen zu verbessern oder Stärken zu fördern. Doch ihr Sprachurlaub in Spanien hat Cuvadar nicht nur geholfen, deutlich bessere Noten zu schreiben, die junge Frau ist zudem gestärkt nach Duisburg zurückgekehrt. „Ich habe sehr viel Selbstvertrauen gewonnen“, sagt sie.

Ohne die Ruhrtalente hätte sie sich niemals getraut, alleine nach Valencia zu reisen. Nun hat sie aber ihre Unabhängigkeit zu schätzen gelernt und weiß außerdem, dass sie sich vielmehr zutrauen könne, als sie zuvor geahnt habe. Das wirkt sich auch auf die Berufsorientierung aus. Denn inzwischen sieht sie für sich viel mehr Möglichkeiten: ob Augenärztin, Rechtspflegerin oder Immobilienkauffrau.

„Wir können unsern Horizont erweitern“, bestätigt Ali Adigüzel. Zusammen mit seiner Schulkameradin überlegt er nun, sich verstärkt zu engagieren – etwa bei der Tafel oder in der Lokalpolitik. Dass Schule, die Stipendiumsverpflichtungen und Ehrenämter stressig werden können, ist den Oberstufenschülern natürlich bewusst. „Wir müssen nichts aufgeben“, betont Eda Cuvadar jedoch, für Freunde und Hobbys sei immer noch Zeit.

Wichtige Lektionen fürs Leben gelernt

Die beiden Gesamtschüler haben als Stipendiaten durchweg gute Erfahrungen gemacht und dabei wichtige Lektionen fürs Leben gelernt. „Man sollte sich engagieren und Neues einfach mal versuchen“, rät Adigüzel anderen Jugendlichen und Cuvadar ergänzt: „Man muss an sich selbst glauben.“ Denn die beiden Teenager wissen: Im Duisburger Norden schlummert viel Potenzial und es gibt dort noch viele potenzielle Ruhrtalente.

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