Abholzung

Stadt Duisburg legt illegale Baustelle nach Kahlschlag still

Gut 40 Jahre waren die Bäume im Neumühler Waldgebiet am Fahrradweg Grüner Pfad alt. Nun wurden sie gefällt.

Gut 40 Jahre waren die Bäume im Neumühler Waldgebiet am Fahrradweg Grüner Pfad alt. Nun wurden sie gefällt.

Foto: Grüne Duisburg

Duisburg-Neumühl.  Am Grünen Pfad in Neumühl wurde ein Waldgebiet gerodet und Leitungen verlegt. Dafür fehlte die Genehmigung, das beschäftigt bald die Polizei.

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Die Stadtverwaltung hat eine Baustelle in Neumühl bis auf weiteres stillgelegt. Als Vorbereitung auf weitere Maßnahmen ist im Waldgebiet am Fahrradweg Grüner Pfad, der Duisburg und Oberhausen verbindet, kürzlich eine größere Fläche gerodet worden. Zudem ließ der Privateigentümer Strom- und Abwasserleitungen anlegen. Wie Stadtsprecher Jörn Esser bestätigte, seien die Arbeiten nicht genehmigt gewesen – und dies könnte einige Konsequenzen haben.

„Auf dem Gelände darf bis auf Weiteres nichts mehr gemacht werden“, sagte Esser. Der Grund: „Eine Baugenehmigung wurde bis zum heutigen Tag nicht beantragt.“ Daher habe das Bauordnungsamt bei einer Kontrolle am 4. November die Baustelle stillgelegt. Dies geschah zunächst mündlich und soll umgehend schriftlich bestätigt werden. Die Stadt betonte jedoch, dass die Arbeiten nicht allein wegen der gefällten Bäume gestoppt wurden, Anlass sei die „Gesamtsituation vor Ort“.

Die Grünen kündigen rechtliche Schritte an

Mit dem abgeholzten Wäldchen wird sich bald schon die Polizei beschäftigen. Dass die Bauarbeiten rechtswidrig waren, das hatten nämlich bereits die Grünen vermutet und rechtliche Schritte angekündigt. „Wir werden Anzeige erstatten gegen den Bevollmächtigten dieser Immobilie“, erklärte jetzt der Geschäftsführer der grünen Ratsfraktion, Gerhard Schwemm.

Zwar sei der Wald am Grünen Pfad nicht mehr zu retten, doch die Duisburger Grünen wollen „weitere, willkürliche Massaker dieser Art verhindern“, so Ratsfrau Birsel Katurman, die zudem Sprecherin des für Neumühl zuständigen Ortsverbands Hamborn ist. Schaffen wollen sie dies, ergänzte Gerhard Schwemm, indem die 2015 ausgesetzte Baumschutzsatzung wieder eingeführt werde. Mit der SPD und der CDU sei dies jedoch nicht zu machen. „Aber wir brauchen wegen der Klimakrise und ihren Auswirkungen in der Stadt mehr Bäume.“ So verstehen die Grünen die angekündigte Anzeige vor allem als Zeichen, „dass trotz Wegfalls der Baumschutzsatzung nicht jeder machen kann, was er will und einfach einen kleinen Wald abholzen.“

Pro Winter 1000 Bäume gefällt

Dieses Waldgebiet zu opfern, das hatte der Naturschutzexperte Dr. Johannes Meßer bereits 2017 kritisiert, nachdem die Stadt ihre Pläne vorgestellt hatte, das Gewerbegebiet nahe des Grünen Pfads zu erweitern. „Das war ein 40 Jahre alter Wald, der wächst nicht ohne weiteres nach“, sagt Meßer, der zudem Vorsitzender des Beirats der Unteren Naturschutzbehörde und BUND-Vertreter ist. „Der Verlust ist dauerhaft – zumindest für die aktuelle Generation.“ Er setzt sich ebenfalls dafür ein, die Baumschutzsatzung schnellstmöglich wieder einzusetzen. Denn seit 2015 seien in Duisburg „pro Winter ungefähr 1000 Bäume auf Privatgelände gefällt worden, die der Baumschutzsatzung unterlegen hätten“.

Der illegale Kahlschlag in Neumühl ist beileibe kein Einzelfall, „in allen Stadtbezirken gibt es Beispiele“. So fallen Meßer aus dem Stegreif „ganze Siedlungsbereiche“ ein, „die komplett entbaumt wurden“, etwa die Margarethensiedlung in Rheinhausen. Der aktuelle Fall stößt dem Naturschützer jedoch besonders übel auf, denn „der Grüne Pfad ist als Erholungslinie entwickelt worden. Aber die SPD hat immer wieder daran geknabbert.“ Daher befürchtet er, dass die Abholzung nachträglich abgenickt wird.

Weitere Kontrollen angekündigt

Doch am Grünen Pfad müsse es eigentlich anders ausgehen. „Das ist ein relativ klarer Fall: Dort gibt es keinen Bebauungsplan, also muss der Eigentümer wieder aufforsten oder er lässt die Bäume liegen“, so Meßer.

Wie es dort tatsächlich endet, hängt nun von der Stadtverwaltung ab. Stadtsprecher Jörn Esser betont indes, es sei zu früh, sich auf Konsequenzen festzulegen. Aber: „Wir werden die stillgelegte Baustelle weiter prüfen und kontrollieren.“

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