Soziale Medien

Wie rechte User eine Duisburger Facebook-Gruppe spalten

Die Facebook-Gruppe „Duisburg-Walsum“ wird von Streitthemen wie Migration oder Klimaschutz dominiert. Politisch weit rechts stehende Nutzer geben dabei den Ton an.

Die Facebook-Gruppe „Duisburg-Walsum“ wird von Streitthemen wie Migration oder Klimaschutz dominiert. Politisch weit rechts stehende Nutzer geben dabei den Ton an.

Foto: Marc Büttner / Getty

Duisburg.  Rechte User vergiften in einer Duisburger Facebook-Gruppe den Ton. Einer Administratorin wurde Tod und Vergewaltigung gewünscht.

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Es liest sich wie die Parole eines NPD-Funktionärs: „Einheimische verenden auf der Straße, während man Illegalen kostenlos Häuser baut.“ Was ein Facebook-Nutzer am Dienstagmittag als Kommentar in der Gruppe „Duisburg-Walsum“ hinterlässt, gehört dort zum Alltag. Pauschale Verunglimpfung von Migranten, Beleidigungen gegen Klimaschützer – die Gruppe wird von politisch weit rechtsstehenden Mitgliedern dominiert. Den Diskurs haben sie über die Jahre vergiftet.

Lokale Facebook-Communities dienen üblicherweise dem Austausch über das, was vor der Haustür der Nutzer passiert: Das nächste Stadtfest, der neue Bürgermeister, die vermisste Katze. Kontroverse politische Themen gehören auch dazu, solange sie lokalen Bezug haben. Dieser Bezug geht der Walsumer Gruppe nach Auffassung vieler Mitglieder verloren.

Regelmäßige Eskalation in den Kommentarspalten

Stattdessen häufen sich systemfeindliche Parolen von rechtsaußen. „Jedem Volk sein Land, nicht jedem Volk ein Stück Deutschland“ lautet ein Spruch, den ein besonders aktives Mitglied in diesem Jahr gepostet hat. Widerrede wird meist als Zensur bewertet und mit Beleidigungen bedacht.

„Es gibt in der Gruppe weder Anstand noch Respekt“, sagt Anika Lemm, die dort Administratorin war, bis sie kürzlich wegen der vielen Anfeindungen gegen sich und andere Mitglieder hinwarf. Aufgabe von Administratoren ist es unter anderem, beleidigende oder rechtsverletzende Postings zu löschen und im Streitfall zwischen Gruppenmitgliedern zu vermitteln. In der Walsumer Community, die seit 2013 existiert und mehr als 4000 Mitglieder hat, eine mitunter tagfüllende Aufgabe.

Der Weg zur Eskalation ähnelt sich in den meisten Fällen. Es beginnt mit einem politischen Posting: Die Rede eines AfD-Funktionärs, das Video eines Verschwörungstheoretikers wie Tim K., ein Tweet aus dem Pegida-Umfeld. In der Kommentarspalte lässt Gegenrede meist nicht lange auf sich warten. Eine sachliche Argumentation entsteht dabei nur selten: die Gruppenmitglieder, dann wahlweise „Gutmenschen“ oder „Nazis“ genannt, bezeichnen sich im harmlosen Fall gegenseitig als dumm.

User wünschte Administratorin Vergewaltigung und Tod

Auch Anika Lemm hat versucht, sich an den Diskussionen zu beteiligen. „Ich dachte, als Administratorin könnte ich vielleicht ein wenig gegensteuern, deshalb habe ich diese Aufgabe auf Anfrage des Gruppengründers übernommen.“ Das war im Sommer. Vier Monate später ist die 35-jährige Walsumerin aus der Gruppe ausgetreten: „Als ich Dinge wie ‘Vergasen’ las, hatte ich genug.“

Beleidigungen richteten sich immer häufiger gegen Lemm persönlich. Die heftigsten Anfeindungen erreichten sie nicht über die öffentlich sichtbare Kommentarfunktion, sondern in Privatnachrichten. Ein Nutzer wünschte ihr, wie die im Frühjahr in Voerde getötete Frau vor einen Zug gestoßen oder wie in Mülheim Opfer einer Gruppenvergewaltigung zu werden, „besser noch beides“. „Ihr Gutmenschen seid nichts mehr, als der Abschaum dieser Nation“, gab er ihr mit auf den Weg.

Für Lemm hat es der Gründer der Gruppe versäumt, direkt zu Beginn klare Regeln aufzustellen und durchzusetzen. „Wenn man sich in einer Kneipe wiederholt im Ton vergreift, schmeißt der Wirt einen raus“, sagt sie. „Hier fehlt diese Konsequenz, und die Anonymität des Internets tut ihr Übriges.“

Walsumerin bedauert das Bild, das von ihrem Bezirk entsteht

Was Lemm besonders bedauert, ist das Bild von Walsum, das auf diese Weise entsteht. Nach ihrer Wahrnehmung ist es für den nördlichsten Duisburger Bezirk nicht repräsentativ: „Die Menschen begegnen sich hier eigentlich mit Respekt.“

Der Gründer und aktuelle Administrator der Gruppe hat auf die Anfrage der Redaktion nicht geantwortet. Allerdings wurden daraufhin mehrere Beiträge der vergangenen Tage gelöscht. Am Dienstagabend hat er außerdem eine neue Regel aufgestellt: Politik soll demnach in der Gruppe künftig verboten sein.

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