Prävention

NRW-Ministerium kopiert Propaganda-Optik des IS für Plakate

Mit solchen Plakaten wirbt das NRW-Innenministerium für seine Aussteigerprogramme aus dem radikalen Islamismus.

Mit solchen Plakaten wirbt das NRW-Innenministerium für seine Aussteigerprogramme aus dem radikalen Islamismus.

Duisburg/Düsseldorf.  In ausgewählten Stadtteilen wie in Duisburg-Hochfeld wirbt das Innenministerium für sein Aussteigerprogramm. Plakate erinnern an IS-Propaganda.

Beim ersten schweifenden Blick bekommt man ein ungutes Gefühl. Erinnert die Optik doch an Propaganda-Fetzen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Werben hier – mitten in Duisburg-Hochfeld – tatsächlich radikale Islamisten für ihre barbarische Ideologie?

Erst beim genaueren Hinsehen erkennt der Betrachter, worum es sich bei dem nachtschwarzen Plakat mit den arabisch anmutenden Buchstaben wirklich handelt: Um Werbung für die Aussteigerprogramme des nordrhein-westfälischen Innenministeriums. Mit Slogans wie „Dein Islam braucht kein -ismus?“ oder „Du willst im Hier und Jetzt leben?“ sollen radikale Muslime auf die Beratungsangebote des Verfassungsschutzes aufmerksam gemacht werden. Die Plakate hängen vor allem in Stadtteilen mit hohem muslimischen Bevölkerungsanteil. Bis Mitte Dezember sollen die rund 680 Plakate noch in 18 NRW-Städten hängen – darunter neben Hochfeld auch in Köln-Chorweiler, -Kalk und -Ehrenfeld sowie in Bonn-Tannenbusch, Dortmund-Nordstadt, Düsseldorf-Oberbilk oder Wuppertal.

Plakate sollen für Aufmerksamkeit sorgen

Landesweit wurden 15 Motive zum Salafismus-Präventionsprogramm „Wegweiser“, dem Aussteigerprogramm Islamismus (API) sowie dem Rechtsextremismus-Aussteigerprogramm „Spurwechsel“ entworfen. „Wir wollen mit den Plakaten für Aufmerksamkeit sorgen. Die Programme verfolgen das Ziel, junge Menschen am Beginn einer möglichen Radikalisierung aufzufangen oder Ausstiegswillige auf ihrem Weg zurück in die demokratische Gesellschaft zu begleiten“, hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei der Vorstellung der Aktion gesagt. Doch dafür müssten die Betroffenen das Angebot kennen.

Darum ist man auch in Duisburg bemüht: Hier hat der freie Träger der Jugendhilfe Leo e.V. die Arbeit am Projekt "Wegweiser" übernommen. Die zuständigen Sozialarbeiter an der Jägerstraße in Hamborn sind seit Anfang 2016 aktiv. Sie sind Anlaufstelle für Institutionen wie Schulen und Jugendheime, aber auch für Lehrer, Eltern oder Angehörige, wenn sie das Gefühl haben, dass ein junger Mensch abzugleiten droht in die gewaltbereite, radikale Szene.

Ob es nun tatsächlich an den großen Plakaten liegt, die in Hochfeld an mindestens vier Straßen geklebt wurden oder, ob es einen anderen Grund gibt, kann eine Sprecherin des Innenministeriums nicht sagen. Fakt sei jedenfalls, dass es seit Beginn der Plakat-Kampagne Anfang November einige "Kontaktaufnahmen" gegeben habe, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion.

Auch verärgerte Muslime hätten sich gemeldet, die ihre Religion wegen der Plakate diffamiert sehen. "Das ist natürlich nicht unsere Intention. Deshalb werden ja auch keine Symbole des Islam, sondern der verbotenen Terrororganisation ähnelnde Zeichen benutzt", berichtet eine Ministeriumssprecherin.

Dennoch bittet man in der Landeshauptstadt darum, die genauen Standorte der Plakate nicht in der Presse kundzutun, da bei ähnlichen Kampagnen in der Vergangenheit nach einer entsprechenden Berichterstattung Plakate gezielt zerstört worden sein.

Hintergrund zu den Programmen:

„Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ wird von örtlichen Trägern durchgeführt und richtet sich an Personen, die bereits mit der salafistischen Szene sympathisieren oder in diese abzurutschen drohen.

Die Aussteigerprogramme „Spurwechsel“ für Rechtsextremismus und „API“ für Islamismus richten sich an Personen, die in den jeweiligen extremistischen Szenen bereits fest verankert sind. Dort bieten Ausstiegsbegleiterinnen und -begleiter individuelle Hilfe.

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