Salvatorkirche

Ob am See oder in der City: In Duisburg gut wohnen und leben

Bernd Wortmeyer auf der Kanzel der Salvatorkirche.

Bernd Wortmeyer auf der Kanzel der Salvatorkirche.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Gebag-Chef Bernd Wortmeyer spricht in der Salvatorkirche. Und nimmt unter dem Bibelwort „Suchet der Stadt Bestes“ kein Blatt vor den Mund.

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Über Leben und Wohnen in Duisburg sprach Bernd Wortmeyer, der Geschäftsführer der Duisburger Baugesellschaft Gebag, bei seiner Kanzelrede in der evangelischen Salvatorkirche. Wortmeyer, dessen Rede unter dem Bibelwort „Suchet der Stadt Bestes“ stand, nutzte die Gelegenheit, über die aktuellen Projekte und die Zukunftspläne der Gebag zu sprechen.

Den Blick zurück steuerte Pfarrer Martin Winterberg bei der Begrüßung des Gastes dazu. Die 1872 gegründete Gebag sei eine der ältesten Wohnungsgesellschaften Deutschlands, die Wortmeyer im Jahr 2014 als Geschäftsführer in keiner einfachen Gemengelage übernommen habe. „Sicherlich auch die politische Einflussnahme und Instrumentalisierung hat bei der hundertprozentigen Tochter der Stadt Duisburg Anfang des Jahrtausends zu einer erheblichen wirtschaftlichen Schieflage geführt“, erinnerte Winterberg. Vor allem ist das Desaster um den Erweiterungsbau des Museums Küppersmühle noch gut in Erinnerung.

Die Gebag hat keine kleinen Dinge vor der Brust

Winterberg zählte die großen Baustellen auf, mit denen die Gebag aktuell befasst ist. Das Mercatorquartier, das ehemalige Güterbahnhofsgelände „Duisburger Freiheit“ südlich des Hauptbahnhofes, die 6-Seen-Platte in Wedau und „hoffentlich bald auch das Loch an der Steinschen Gasse, direkt vor unserer Marienkirche, das sind keine kleinen Dinge, die die Gebag da vor der Brust hat“, sagte der Pfarrer der Gemeinde Alt-Duisburg.

In ein ähnliches Horn blies auch der Musiker Markus Zaja, der mit seiner Klarinettenmusik und computergenerierten Klängen den geflüsterten Floh „Wohnen muss sich lohnen“ ins Ohr des Kanzelredners und seiner etwa 60 Zuhörer setzte.

Provokantes Gedankenspiel um den Traum vom Landleben

Wortmeyer, der selber in Unna lebt, provozierte mit einem kleinen Gedankenspiel. Obwohl 77 Prozent der Deutschen in Städten leben, träumten doch 44 Prozent davon von einem Leben auf dem Lande. „Dort gibt es dann keine Obdachlosen, keine Kriminalität, und wem das noch nicht reicht, der wählt zusätzlich noch AfD“, spottete Wortmeyer über eine erschreckend verbreitete Einstellung.

Was eine städtische Wohnungsbaugesellschaft tun kann, gegen Segregation, Stadtflucht, die Entmischung der gesellschaftlichen Schichten in den Vierteln, den Flächenverbrauch und die Verelendung ganzer Stadtteile, das machte Wortmeyer auch von den künftigen Entscheidungen der Kommunalpolitik abhängig. Bei der AfD etwa komme Städtebau als Thema gar nicht vor. Für die Neubauten in Wedau forderte er eine gute Anbindung an die Innenstadt durch öffentlichen Nahverkehr, „ein Wohnviertel, das man nur mit dem Auto erreichen kann, macht keinen Sinn.“

Hochfelder City-Wohnpark kein Fall für einen Rückbau

Zu Neuenkamp, wo 70 Prozent der Wohnungen im Gebag-Bestand sind, stellte er dringenden Sanierungsbedarf fest, sagte aber darüber hinaus: „Ein kommunaler Vermieter kann nachbarschaftliche Unterstützung anbieten und das auch wirtschaftlich.“ Auch die Bauten des Hochfelder City-Wohnparks, wo 70 Nationen zusammen leben, würden mit einem 40 Millionen Euro-Kredit umfänglich saniert. „Barrierefreie Wohnungen in bester Citylage, die reiße ich doch nicht ab“, widersteht Wortmeyer allen Rückbauplänen.

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