Mopedclub

Peter Wedig, der Zweirad-Prinz aus Duisburg-Neumühl

Auch Peter Wedigs Söhne Niklas und Christoph helfen beim Restaurieren mit.

Auch Peter Wedigs Söhne Niklas und Christoph helfen beim Restaurieren mit.

Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.  Die Mitglieder des Mopedclubs Neumühl nennen ihn ehrfürchtig den Zweirad-Prinzen. Peter Wedig, 56-jähriger Schreinermeister, sammelt Mopeds und Motorräder wie andere Leute Briefmarken oder Münzen. Rund 150 Stück besitzt der Duisburger mittlerweile – darunter wunderbare alte Schätzchen.

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Der Anblick ist beeindruckend. Dabei hat Peter Wedig (56) noch nicht einmal alle Mopeds und Motorräder nach draußen auf den Hof gestellt. Auf dem 1200 Quadratmeter großen Areal seiner Schreinerei hat der 56-Jährige seine alten Schätzchen fast überall untergebracht, sogar im Heizungskeller stapeln sie sich. Rund 150 Zweiräder verschiedenster Marken zählen mittlerweile zu der imposanten Sammlung. Ein Drittel ist angemeldet, fast alle wären mehr oder weniger sofort fahrbereit. Kein Zweifel: Peter Wedig ist der Zweirad-Prinz aus Neumühl.

So haben ihn die Mitglieder des von ihm 1997 mitgegründeten Moped-Clubs im Stadtteil getauft. „Andere Menschen sammeln Münzen oder Briefmarken, ich eben Zweiräder“, sagt Peter Wedig, um dann eine noch viel schönere, fast poetische Begründung für seine Leidenschaft nachzuschieben: „Was für Frauen Chanel, ist für uns Männer der Duft der alten Zweitakter...“

Angefangen hat alles mit der NSU Quickly (50 cc), Baujahr 1954, seines inzwischen verstorbenen Vaters Joseph. Als er zu der Zeit noch selbst die heutige Schreinerei seines Sohnes in Neumühl betreibt, fährt er anfangs immer mit jenem Moped samt Anhänger zu den Kunden. „Das hat mich schon als Kind fasziniert“, erzählt Peter Wedig, der damals auch mal ein paar Runden – natürlich nur auf dem Hof – drehen darf und das Zweirad bis heute hegt und pflegt.

Jedes Zweirad hat seine eigene Geschichte

Sein erstes Kleinkraftrad, eine K50se Hercules, Baujahr 1974, kauft ihm der Vater zum 16. Geburtstag – „damals für 2200 Mark“, so Wedig. „Ich hab’ die Maschine dann irgendwann verkauft, aber zum Glück und durch puren Zufall zurückkaufen können. Weil ich den Besitzer nach einigen Jahren wieder getroffen habe.“ Seitdem gibt er kein Zweirad mehr ab.

Und so wird seine Sammlung von Jahr zu Jahr größer – auch mit Hilfe seiner Kunden. Er spricht jeden, vor allem die älteren, auf seine Leidenschaft an. So ist der 56-Jährige an sein bis dato ältestes Schätzchen gekommen. „Ein Motorrad der Marke Urania, Baujahr 1934, 98 Kubik mit Sachsenmotor.“

Jedes Zweirad hat seine eigene Geschichte. Ein Honda-Motorrad CBX 1000, Baujahr 1980, hat Peter Wedig zum Beispiel vor einigen Jahren von einem Apotheker aus Recklinghausen gekauft. „Er hat das Motorrad selber zusammengebaut und durch eine Einzelabnahme erreicht, dass er offiziell der Hersteller ist. Tja, sowas gibt’s.“

"Ein positiv verrückter Spinner"

Und dann war da auch noch ein älterer Herr aus der Region, der eine 450 Hercules fast 30 Jahre lang auf dem Speicher stehen hatte. „Die war zum Konservieren komplett mit Vaseline eingeschmiert“, so Wedig. „Als wir sie runtergetragen und Zweitaktgemisch eingefüllt haben, sprang die Maschine sofort an. Unglaublich. Der ältere Herr hat sich so gefreut, dass er selbst noch eine Runde gedreht hat, bevor wir das Motorrad mitgenommen haben.“

Mit seinen Söhnen Niklas (23) und Christoph (21) restauriert er in jeder freien Minute alle alten Schätzchen selbst – und nur für den Eigenbedarf. Das ist ihm wichtig. „Mir geht es nicht ums Vermarkten, ich will die Zweiräder nicht weiterverkaufen, auch keine Einzelteile“, so Wedig. „Ich freue mich einfach nur, wenn wir alle wieder schön hinbekommen.“

Damit die Öffentlichkeit etwas von seiner Sammlung hat, denkt der 56-Jährige mit den Mitgliedern im Mopedclub schön länger über ein Museum nach. Bisher fehlen die Räumlichkeiten und bisher hat er seine alte Schätzchen ja auch noch selbst unterbringen können. Wer weiß, wie lange noch, denn Peter Wedig kann von Zweirädern weiter nicht genug kriegen. „Freunde und Bekannte halten mich für einen positiv verrückten Spinner“, erzählt der Neumühler. Er überlegt kurz, grinst und sagt: „Das passt schon.“

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