SPD-Parteitag

Ralf Jäger mahnt die Duisburger Genossen zur Geschlossenheit

Ralf Jäger wurde nach 14 Jahren als SPD-Chef in Duisburg auf dem Unterbezirksparteitag in der Rheinhausenhalle verabschiedet. Der Landtagsabgeordnete ist aus privaten Gründen von seinem Amt zurückgetreten.

Ralf Jäger wurde nach 14 Jahren als SPD-Chef in Duisburg auf dem Unterbezirksparteitag in der Rheinhausenhalle verabschiedet. Der Landtagsabgeordnete ist aus privaten Gründen von seinem Amt zurückgetreten.

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Duisburg.  Parteitag der Duisburger SPD: Ralf Jäger wurde als Parteichef verabschiedet, Özdemir und Bas stellten die Halbzeitbilanz der Groko in Berlin vor.

Ralf Jägers Rücktritt als SPD-Chef in Duisburg überraschte die Genossen vor gut zwei Wochen. Von einem „Paukenschlag“ spricht Mahmut Özdemir. Der Bundestagsabgeordnete wird selbst als möglicher Nachfolger gehandelt, will sich aber zu seinen Ambitionen öffentlich noch nicht äußern. Dies käme zur Unzeit. Jetzt müsse erst das Verfahren geklärt werden, die Partei entscheiden, ob sie sich eine Doppelspitze wünscht. Dass sein Name genannt wird, empfindet er als Ehre, zweifellos, wie er einen Tag nach dem Unterbezirksparteitag der SPD im Gespräch mit der NRZ erklärte. In seiner steilen Karriere wäre das auch folgerichtig.

„Die Menschen müssen uns auch ansehen, dass wir das selbst glauben“

Mit viel Applaus wurde Dienstagabend Ralf Jäger in der Rheinhausenhalle nach 14 Jahren als Duisburger Partei-Chef verabschiedet. Er appellierte noch einmal an die Genossen, als Partei geschlossen aufzutreten. Dies sei der Schlüssel zum Erfolg. Die SPD könne die stärkste Kraft in Duisburg bleiben. Nur: „Die Menschen müssen es uns auch ansehen, dass wir das selbst glauben“, mahnte er an. Mit sehr persönlichen Worten verließ er die Bühne: „Das, was ich bin, das verdanke ich Euch und das werde ich nicht vergessen.“

Im Mittelpunkt des Parteitages stand die Halbzeitbilanz der großen Koalition in Berlin. Die Bundestagsabgeordneten Mahmut Özdemir und Bärbel Bas zogen eine positive Bilanz. „Das Produkt ist gut. Die SPD muss den Rücken durchdrücken und das nach Außen auch so darstellen“, fordert Özdemir. Der 32-jährige Homberger wünscht sich mehr Einigkeit in seiner Partei und zieht den Vergleich zum Fußball und zur Wirtschaft. Auch die Kicker vom MSV können nur gewinnen, wenn alle an einem Strang ziehen und ein Händler muss die Stärken seines Produktes darstellen. Das habe er gemeinsam mit Bärbel Bas den Genossen auch in der Rheinhausen-Halle gesagt. Zu seiner Überraschung habe niemand der 171 Delegierten wirklich widersprochen oder etwas angemerkt.

Welchem Bewerber-Tandem er bei der Stichwahl zum Bundesvorsitz den Vorzug gibt, möchte er nicht sagen. „Ich habe schon gewählt, aber wenn ich sage, wen, heißt es gleich, ich wolle die anderen Mitglieder beeinflussen“, sagt Özdemir, der im Gegensatz zur Parteilinken Bas in der Bundestagsfraktion den Konservativen des Seeheimer Kreises angehört. Zur Wahl stellten sich zwei Extreme: Olaf Scholz und Klara Geywitz stünden für ein „weiter so“, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken für einen Neuanfang. Sie beide, Bas und Özdemir, könnten aber mit jeder Entscheidung leben.

„Die Partei muss auf die Menschen zugehen“

Wichtig ist Özdemir, dass die SPD in der GroKo ihre Identität als linke Volkspartei nicht verliert. Das zentrale sei das Soziale, oft eine Verteilungsfrage. Vor allem aber muss die Partei auf die Menschen zugehen, Entscheidungen transparent machen. Es gibt Menschen, Leistungsträger, die sich abgehängt fühlen, die das Gefühl haben, ihnen werde etwas genommen, dass sie bei Entscheidungen die Gekniffenen sind.

„Das muss noch nicht einmal den Fakten entsprechen, aber sie haben den Eindruck und werden unzufrieden“, so Özdemir und nennt als Beispiel die Schließung der kleinen Polizeiwache in Homberg. Den Menschen gehe es gar nicht um eine Verschlechterung der Sicherheitslage, sondern darum, dass ihnen etwas genommen werde. Die Ängste und Befürchtungen müssten ernst genommen werden. Aber es gebe auch Dinge, die wehtun, die müsse man erklären. Es seien nicht unbedingt große Leuchtturmprojekte, an denen die Bürger primär Interesse haben, sondern kleinteilige Projekte, die ihr konkretes Lebensumfeld verbessern. „Wenn wir auf die Menschen zugehen und ehrlich deutlich machen, was geht und was nicht, dann verstehen sie meisterns auch“, ist Özdemir überzeugt.

Offene Worte – für die stand auch immer der verstorbene Alt-OB Josef Krings ein. Um sein Engagement für die Bildung und Kultur in der Stadt zu würdigen, brachten die Genossen einen Initiativantrag ein, in Duisburg einen Ort in Uni-Nähe umzubenennen – in „Jupp-Krings-Platz“.

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