Schießsport

Rheinhauser Schützen wollen Sportschießen an Schulen bringen

Udo Kastner ist beim Schießstand des B.S.V.-Rheinhausen-Bergheim voller Konzentration.

Udo Kastner ist beim Schießstand des B.S.V.-Rheinhausen-Bergheim voller Konzentration.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Der Sportschütze kann seinen Stress am Schießstand abbauen. Daher will der B.S.V. Rheinhausen-Bergheim den Sport bald auch an Schulen bringen.

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Monika Breuer hat ihre Wertungsscheiben auf dem Tisch liegen, zählt die Ringzahlen des Abends zusammen – und ist unzufrieden: „Es sind nur 71. Ich würde gerne auf 280 kommen.“ Selbstkritisch kommentiert sie ihr schlechtes Ergebnis: „Erst war ich konzentriert. Danach nicht mehr. Ich habe mich von Gesprächen und Bewegungen im Hintergrund ablenken lassen.“ Und damit erklärt die 62-Jährige sogleich, worauf es bei ihrem Sport ankommt: auf Konzentration.

Mit 69 weiteren Gleichgesinnten ist Monika Breuer Sportschützin im B.S.V. Rheinhausen-Bergheim 1925, verpasst mit Ehemann Harald und Tochter Daniela keinen der beiden Trainingsabende, jeweils montags und donnerstags ab 18 Uhr in der Sporthalle an der Krefelder Straße.

Basecap und Augenklappe

Bevor er überhaupt anfängt, kleidet sich Harald Breuer erst einmal entsprechend an. Wie mancher anderer auch, trägt er eine Basecap, deren Schirm vor Lichteinfall schützt. Damit das nicht sehende Auge nicht ständig zugekniffen werden muss, ist es mit einer kleinen Klappe abgedeckt. Eine Schießweste stabilisiert die Körperhaltung, die Schießschuhe sorgen für einen stabilen Stand.

Harald Breuer schießt Kleinkaliber (es gibt die Disziplinen aufgelegt, liegend und Stand) auf einer Distanz von 50 und 100 Metern, darüber hinaus seit zwei Jahren als einziger des Vereins die Disziplin „Zimmerstutzen“, was kleinere Scheiben auf eine Entfernung von 15 Metern bedeutet.

Richtig atmen für einen sauberen Schuss

Zum Sport fand der Bergheimer vor 50 Jahren. Der Vater seines damaligen besten Freundes sowie Nachbarn waren im Schießverein. „Der Verein lag direkt um die Ecke, ich habe das Sportschießen ausprobiert und es hat Spaß gemacht“, erzählt der 64-Jährige und bestätigt, dass Konzentration entscheidend ist in diesem Sport: „Wenn man einen aufregenden Tag und Gedanken noch im Kopf hat, sollte man sich vor dem Schießen erst mal eine halbe Stunde hinsetzen.“

Für einen Zuschauer ist es kaum zu bemerken, was ein Schütze macht, wenn er am Schießstand seine Waffe (Pistole oder Luftgewehr) auf die Zielscheibe gerichtet hat und durch das Visier schaut. Harald Breuer erklärt: „Vor dem Schießen atmen wir zwei- bis dreimal tief durch, lassen nur die Hälfte der Luft raus und atmen dann zehn Sekunden nicht, um einen sauberen Schuss abzugeben.“

Zusammenarbeit mit Schulen

„Der Konzentrationssport baut Stress ab“, sagt Vereinsgeschäftsführer Klauspeter Hennes, der seit 1974 den Sport betreibt, und ergänzt: „In dem Sport finden ADHS-Kinder ein Zuhause. Sie werden ruhiger.“ Ein Verein in Siegen biete seit vielen Jahren den Sport in etlichen Schulen an. Auch der B.S.V. will im nächsten Jahr auf Duisburger Schulen zugehen. Der Verein, so Hennes, könne das Sportschießen vor Ort anbieten, da er über die entsprechenden Geräte, „Lichtschießen“ genannt (ein Laser), verfügt.

Die Abkürzung B.S.V. steht zwar für Bürgerschützenverein, das entsprechende Brauchtum wird allerdings seit Jahren nicht mehr gepflegt, das letzte Schützenfest gab es 1975. Der B.S.V. versteht sich seit Jahren als reiner Sportverein und erfährt dadurch einen wachsenden Zulauf interessierter Leute. „Wer anfängt, sollte zunächst mehrere Disziplinen ausprobieren. Man beginnt mit der Druckluftdisziplin. Als Ausgleich sollte man Kraftsport machen. Das Gewehr wiegt immerhin fünf Kilogramm, die Pistole ist am ausgestreckten Arm zwei Kilogramm schwer“, empfiehlt Vereinsgeschäftsführer Hennes. Das eigentliche Training am Schießstand dauert rund 50 Minuten.

Ein Sport für alle

Anfangs macht der Schütze so viele Probeschüsse wie er möchte. Dabei stellt er sein Gewehr ein und er kann selbst ruhiger werden. Wenn er dann so weit ist, wird die Probescheibe durch die Wertungsscheibe ausgewechselt. Der Schütze hat dann 30 Schuss. Fehler beim Schießen können sein: falsche Atmung, falscher Stand, Abzugsfehler oder Visierungsfehler (falsches Gucken). Der Verein hat Mitglieder, die sich ein entsprechendes Wissen angeeignet haben und bei Bedarf korrigieren können.

Nichtsdestotrotz: „Schießen eignet sich für jedermann und jederfrau“, sagt Klauspeter Hennes und nennt als Beispiel die erste Vorsitzende, Cornelia Möller. Sie habe seinerzeit durch ihren Sohn, der in einer Kindergruppe war, zu dem Sport gefunden. Geschäftsführer Hennes: „Die Frau hat ein unglaubliches Talent. Man kann ihr einen Besenstiel in die Hand geben, sie trifft immer.“

Laserschießen für Sehbehinderte

Mittlerweile bietet der Verein den Sport auch für stark sehbehinderte oder blinde Menschen an. Es ist ein Laserschießen. Die Schützen tragen einen Kopfhörer, über den sie ein akustisches Signal hören. Je höher der Ton erklingt, umso näher rückt das Ziel mit der Höchstzahl 10. Geschossen werden Kleinkalibergewehre und Pistolen übrigens mit Druckluft oder scharfer Munition. Die Waffen kosten neu ab 1800 Euro aufwärts, viele haben jedoch gute gebrauchte. Wer eine eigene Waffe besitzt, ist verpflichtet, sie Zuhause in einem entsprechend gesicherten Waffenschrank zu lagern. Eigene Druckluftgeräte dürfen Personen ab 18 Jahren besitzen.

Die Voraussetzung für ein eigenes scharfes Sportgerät sind: ein Jahr Vereinsmitgliedschaft, Nachweis von Trainingszeiten, Befürwortung vom Sportschützen-Dachverband sowie der Sachkundenachweis. Erst dann stellt die Polizei die Waffenbesitzkarte aus, die es seit 1974 gibt. Seit etwa zwei Jahren wird in Deutschland ein zentrales Waffenregister geführt. Der Kritik aus manchen Teilen der Bevölkerung an diesem Sport ist sich Geschäftsführer Klauspeter Hennes bewusst. Ihm ist wichtig, einmal deutlich zu machen: „Wenn einer Blödsinn macht, sind das nicht die Sportschützen.“

>>> Schießstände, Disziplinen, Wettkämpfe

  • Die Mitglieder des B.S.V. Rheinhausen-Bergheim 1925 schießen seit 1975 in der Sporthalle an der Krefelder Straße und teilen sich die Anlage mit: Bergheimer Sportschützen, ASV Kaldenhausen, St. Sebastianer Hochemmerich und Stadtwerke Duisburg.
  • Die Anlage verfügt über jeweils acht Schießstände über zehn und 50 Meter sowie fünf Schießstände „25 Meter Duell“. Bei dieser Disziplin muss in einer bestimmten Zeit geschossen werden.
  • Von den 70 Mitgliedern (einschließlich sechs Jugendliche) des Vereins starten 30 Aktive bei Wettkämpfen und schießen in 13 Disziplinen. Zu den Wettkämpfen zählen Rundenwettkämpfe, Kreismeisterschaft, Bezirksmeisterschaft bis hin zur Landesmeisterschaft.
  • Ziel des Vereins ist die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Zudem gibt es eine Bundesliga, in der Xanten sehr stark vertreten ist.
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