Misshandlung von Kindern

Riskid setzt auf mehr Vernetzung für besseren Kinderschutz

Die Riskid-Vorstände Heinz Sprenger (r.) und Dr. Ralf Kownatzki (l.) bei der Preisverleihung an Prof. Dr. Kathinka Beckmann.

Die Riskid-Vorstände Heinz Sprenger (r.) und Dr. Ralf Kownatzki (l.) bei der Preisverleihung an Prof. Dr. Kathinka Beckmann.

Foto: Fabian Strauch

Große Resonanz auf den ersten Fachtag des Vereins Riskid. Gerd-Unterberg-Preis geht an die Koblenzer Sozialwissenschaftlerin Kathinka Beckmann.

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Das kleine Mädchen, das Nachbarn unter einem Bett gefunden hatten, wurde mit einer klaffenden Platzwunde am Kopf und Hämatomen am gesamten Körper in die Helios-Kinderklinik St. Johannes eingeliefert. „Ein offensichtlicher Fall von Kindesmissbrauch“, sagt Dr. Carolin Pohl. Die Oberärztin stellte den erschütternden Fall der Sechsjährigen aus dem vergangenen September am Mittwoch bei der ersten Fachtagung des Vereins Riskid im Hamborner Abteizentrum vor.

Dem Netzwerk des Vereins, vor 15 Jahren in Duisburg als Frühwarnsystem im Medizinbereich zur Prävention zum Kindesmissbrauch gestartet, haben sich mittlerweile über 300 Ärzte, Kliniken und Institutionen angeschlossen, berichtete Mitinitiator und Vorstand Dr. Ralf Kownatzki vor 150 Zuhörern im ausverkauften Saal.

Die bundesweiten Misshandlungszahlen bleiben seit Jahren auf einem erschreckend hohen Niveau, zwei bis drei Kinder sterben pro Woche in Deutschland an der Gewalt, erinnerte Heinz Sprenger. Der ehemalige Kripo-Kommissar, ebenfalls im Riskid-Vorstand engagiert, hielt die Laudatio auf Prof. Dr. Kathinka Beckmann. „Jede Woche drei“ hatte die Sozialwissenschaftlerin der Hochschule Koblenz vor zehn Jahren ihr Projekt gegen Gewalt an Kindern genannt. Riskid zeichnete sie nun „für ihren jahrelangen Einsatz für aktiven Kinderschutz“ mit dem Gerd-Unterberg-Preis aus. Die Auszeichnung soll dafür sorgen, dass das Thema beständig im Fokus der Öffentlichkeit bleibt. Heinz Sprenger: „Tausende Kinder fürchten in Deutschland täglich um ihre körperliche Unversehrtheit.

Dabei sei die Vernetzung von Medizinern, Jugendbehörden und Justiz ganz wesentlich dafür, dass mehr Fälle von Misshandlung überhaupt entdeckt werden. Im vergangenen Jahr fielen den Kinderärzten der St. Johannes-Kinderklinik 48 Kinder auf, schon zehn sind es in diesem Jahr. „Es ist nur die Spitze des Eisberges“, sagt Dr. Peter Seifert, seit 21 Jahren Chefarzt der Klinik und ebenso lange im Kinderschutz engagiert. „Nur Vernetzung hilft“, sind sich Seiffert und Dr. Kay Großer, Erfurter Chefarzt-Kollege und Referent, sicher. „Der Fachtag soll dienen, damit wir uns besser kennenlernen“, sagt Seifert. Im eigenen Haus gibt es seit Jahren eine Kinderschutzgruppe, in der neben Ärzten verschiedener Disziplinen auch eine Psychologin und eine Kinderkrankenschwester bei den Fallkonferenzen mit dabei sind. Doch die Klinik ist darauf angewiesen, dass Jugendämter und Justiz ihren Teil zum Schutz der Opfer beitragen.

Von zentraler Bedeutung sei der Austausch zwischen Kinderärzten, um „Doktor-Hopping“ der Eltern zu unterlaufen. „Bisher dürfen wir Daten nur mit ihrer Zustimmung austauschen“, beklagt Riskid-Vorstand Kownatzki. Er erwarte, dass die Landesregierung nun zügig eine Rechtsänderung durchsetzt.

>>>> ZUR PERSON: STAATSANWALT GERD UNTERBERG

Der Preis erinnert an Gerd Unterberg, langjähriger Staatsanwalt in Duisburg. Er zählte im Jahr 2005 zu den Initiatoren des Vereins Riskid.


Zum zehnten Todestag von Gerd Unterberg wurde der Preis 2016 erstmals an das TV-Journalistenpaar Manfred und Marina Karremann vergeben.

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