Corona-Schnelltests

Schnelltests in Altenheimen: Hilferuf von Duisburger Trägern

Träger von Duisburger Altenheimen begrüßen die Corona-Schnelltests grundsätzlich. Doch der Aufwand sei immens.

Träger von Duisburger Altenheimen begrüßen die Corona-Schnelltests grundsätzlich. Doch der Aufwand sei immens.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Duisburg.  Träger von Duisburger Altenheimen begrüßen die Corona-Schnelltests und senden gleichzeitig einen Hilferuf. Der personelle Aufwand sei immens.

Die Ruhrgebietskonferenz Pflege hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann mit Blick auf die Corona -Schnelltests in Pflegeheimen unlängst in einem offenen Brief scharf kritisiert. Grundsätzlich werden die Tests auch in Duisburg begrüßt, weil sie zusätzliche und schnelle Sicherheit geben. In der Umsetzung wälze das Ministerium die Lasten aber ausschließlich auf die Träger der Pflegeeinrichtungen ab. Der Ruf nach zusätzlichem Personal wird laut. Denn welchen immensen Aufwand diese Tests bedeuten, kann Uwe Stoffels, Sprecher des Evangelischen Christophoruswerkes, sehr anschaulich erklären.

Der stadtweite größte Träger mit zehn Einrichtungen hat demnach am vergangenen Montag mit den Schnelltests begonnen. Bei einem Inzidenzwert über 50 – und laut RKI-Meldung vom Donnerstag, liegt er in Duisburg derzeit bei 284,9 – müssen nach der Coronaschutzverordnung NRW alle zwei Wochen die ganze Bewohnerschaft und alle Mitarbeiter getestet werden. „In unserem Falle sind das jedes Mal über 2000 Tests – neben dem laufenden Betrieb.“

Corona-Schnelltests: Duisburger Träger suchen dringend Fachpersonal

Es sei deshalb ein mobiles Einsatzteam mit Fachkräften gebildet worden, die derzeit Mitarbeiter in den Einrichtungen schulen und gleichzeitig erste Tests durchführen. „Das können wir so aber auf Dauer nicht aufrechterhalten“, sagt Stoffels. „Wer so einen Test macht, muss eine medizinische Vorbildung haben, es muss extra ein spezieller Raum eingerichtet und alles dokumentiert werden. Wir können froh sein, dass wir derzeit immer nur sehr vereinzelt Corona-Fälle in den Einrichtungen haben. Die normale Pflege muss ja auch noch laufen.“

Das Evangelische Christophoruswerk suche deshalb händeringend Fachpersonal wie ehemalige Rettungssanitäter, Arzthelfer oder Pflegekräfte, die diesen Job übernehmen wollen. Bei der Awocura ist man ebenfalls auf der Suche, sagt Geschäftsführer Michael Harnischmacher, der aktuell mit vermehrten Corona-Fällen im Ernst-Ermert-Seniorenzentrum in Duissern zu kämpfen hat.

Awocura-Geschäftsführer: „Das ist eigentlich die Aufgabe des staatlichen Gesundheitswesens“

Er sagt: „Schnelltests sind gut, weil wir dadurch bei Verdachtsmomenten schnell reagieren können. Aber das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe, sondern die des staatlichen Gesundheitswesens.“

Stephan Kiepe-Fahrenholz von der Diakonie, gleichzeitig Sprecher der Wohlfahrtsverbände in Duisburg, kann dem nur beipflichten. „Wir mussten uns die Schnelltests über unsere eigenen Lieferketten beschaffen und haben auch, was die Umsetzung betrifft, weder von der Stadt noch vom Land personelle Unterstützung bekommen. Es geht ja nicht nur darum, sämtliche Pflegeheimbewohner und Mitarbeiter aktuell alle zwei Wochen zu testen“, so Kiepe-Fahrenholz. „Die Angehörigen kommen bei den Besuchen ja auch noch dazu.“

Sprecher der Wohlfahrtsverbände befürchtet Ordnungsstrafen

Das seien „astronomische Zahlen, höchstproblematisch“, so Kiepe-Fahrenholz. Zumal die Träger gesetzlich zu den Tests verpflichtet seien. „Wenn wir dem nicht nachkommen können, wird die Stadt gezwungen, Ordnungsstrafen gegen uns zu verhängen“, erklärt er. „Wir können aber nicht mit der linken Hand Pflegebedürftige versorgen und mit der rechten Hand testen. Und eines darf in dieser Diskussion nicht vergessen werden: Wir versorgen ja auch noch die Infizierten in den Pflegeheimen. Wenn das künftig die Krankenhäuser übernehmen müssen, sind die Kapazitäten dort mit einem Schlag erschöpft.“

Deshalb müsse schnell eine Lösung her. „Wir brauchen dringend personelle Hilfe“, fordert Kiepe-Fahrenholz.

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