Protestaktion

Schule in Rheinhausen protestiert für bessere Bedingungen

Die Sekundarschule Rheinhausen will für eine bedarfsgerechtere Betreuung protestieren.

Die Sekundarschule Rheinhausen will für eine bedarfsgerechtere Betreuung protestieren.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Die Sekundarschule Rheinhausen plant einen Smart-Mob. Damit will sie sich für eine Verbesserung der Bedingungen an Brennpunktschulen einsetzen.

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Am kommenden Montag reicht es der Sekundarschule Rheinhausen ganz offiziell. Sie demonstriert gemeinsam mit der Internationalen Kinderbühne Bahtalo ab 15 Uhr vor dem Forum in der Duisburger Innenstadt für bessere Lernumstände, mehr Lehrer und eine bedarfsgerechtere Betreuung. „Wir haben uns einen Smart-Mob ausgedacht, um auf die ungerechte Behandlung der schwierigen Schulen aufmerksam zu machen“, erklärt Schulleiterin Martina Seifert, verrät aber noch nicht, was das genau ist. Das sollen die Besucher, die die Schüler hoffentlich unterstützen werden, selbst herausfinden.

Die Sekundarschule am Körnerplatz hat sich schon vor einigen Wochen mit Schulen in ähnlicher Situation vernetzt und das Aktionsbündnis Schule3 gegründet. Die Grundidee: Die Schulen, die vorwiegend Kinder aus Armut und Migration betreuen, sollen andere Rahmenbedingungen bekommen als normale Regelschulen, da sie auch mit ganz anderen Problemlagen zu kämpfen haben. Nach Angaben von Schule3 sind rund 25.000 Kinder im Ruhrgebiet davon betroffen.

Das NRW-Schulministerium nimmt Stellung

Offensichtlich genug, damit sich auch das Schulministerium Gedanken um die personell unterversorgten Schulen macht. Staatssekretär Mathias Richter: „Wir streben an, dass wir bis spätestens zum Schuljahr 2021/22 einen schulscharfen Sozialindex zumindest für die Verteilung einiger Stellen erstmals einsetzen können. ( … ) Zusätzliche Ressourcen müssen stärker Richtung Schulen mit heterogener Schülerschaft und schwierigen Verhältnissen gesteuert werden. Die Grundversorgung mit Personal muss an allen Schulen gleich sein.“ Schulscharfer Sozialindex bedeutet, dass es für Problemschulen mehr Personal zur Verfügung gestellt werden soll, um Chancengleichheit bieten zu können.

In der Stellungnahme des Schulministeriums NRW zum Aktionsbündnis heißt es: „Die Schulen haben einen Grundbedarf an Lehrerstellen, der nach Schüler/Lehrer-Relation verteilt wird. Damit decken sie den laut Stundenplan zu erteilenden Unterricht ab. Darüber hinaus erhalten die Schulen zusätzliche Stellen für besondere Herausforderungen, die teilweise nach einem Kreissozialindex verteilt werden. Im Schuljahr 2019/20 werden bereits 4.510 Stellen unter Berücksichtigung eines Kreissozialindexes an die Schulen gegeben, darunter 1.000 Stellen gegen Unterrichtsausfall an Grundschulen, 260 Stellen gegen Unterrichtsausfall an Hauptschulen, 500 Stellen für multiprofessionelle Teams, 1.750 Stellen Förderzuschlag für die flexible Eingangsphase in der Grundschule, 1.000 Integrationsstellen. ( … )

Dieser Kreissozialindex misst jedoch „nur“ die soziale Belastung von Schulamtsbezirken. Es kommt jedoch darauf an, die Situation der Einzelschule zu betrachten. Deshalb erarbeitet das Landesinstitut QUA-LiS in Kooperation mit der Universität Bochum zurzeit ein passgenaues Modell eines Schulsozialindexes. Dabei werden grundsätzlich alle allgemeinbildenden Schulformen in den Blick genommen. Ein solcher Schulscharfer Sozialindex könnte in NRW bis spätestens zum Schuljahr 2021/22 eingeführt werden.“

An Brennpunktschulen ist die Lage angespannt

Des Weiteren verweist das Schulministerium auf zwei Maßnahmenpakete für eine Verbesserung der Personalsituation. Denn letztendlich kann die Landesregierung so viele Stellen schaffen, wie sie möchte, es ändert nichts an der Situation, wenn die Konditionen des Jobs so schlecht sind, dass ihn keiner machen möchte. Welche Maßnahmen das waren, bleibt offen, die Erfolgszahlen dahinter sind mager, wenn man im Hinterkopf hat, dass 2018 in ganz NRW 48.285 Lehrkräfte tätig waren und gut 7400 Stellen unbesetzt sind (Juni 2019).

Laut Ministerium konnten 2018 und 2019 insgesamt 1.169 offene Lehrerstellen besetzt werden und 666 Seiteneinsteiger konnten für die Grundschulen gewonnen werden. „Bisher haben 345 Sek II-Lehrkräfte das Angebot angenommen, an einer Grundschule zu arbeiten. Auch die 2018 gestartete Maßnahme, Sek II-Lehrkräften an S I-Schulen eine Laufbahnwechselgarantie anzubieten, hat zu 158 Arbeitsverträgen geführt.“

Die Situation ist so angespannt, dass insgesamt 818 Pensionäre wieder zurück in den Schuldienst gekommen sind, um zu helfen. Die Zahl hier hat sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt. Die Situation in NRW wird also immer prekärer und das schwächste Glied in der Kette sind die Sekundarschulen. Es lohnt also, den Smart-Mob mitzumachen, um darauf aufmerksam zu machen, dass der Beruf des Lehrers deutlich attraktiver gestaltet werden muss.

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