Neujahrskonzert

Solo-Oboist der Philharmoniker ist der Star des Abends

Der schwedische Dirigent Stefan Solyom und seine Frau, die kanadische Geigerin Catherine Manoukian, beim Neujahrskonzert der Duisbuger Philharmoniker in der Mercatorhalle. Foto: Giovanni Pinna

Foto: Giovanni Pinna

Der schwedische Dirigent Stefan Solyom und seine Frau, die kanadische Geigerin Catherine Manoukian, beim Neujahrskonzert der Duisbuger Philharmoniker in der Mercatorhalle. Foto: Giovanni Pinna Foto: Giovanni Pinna

Beim Neujahrskonzert unter der Leitung des schwedischen Dirigenten Stefan Solyom zeigt Mikhail Zhuravlev sein überragendes Können.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gespannt wird zur Zeit jeder Gastdirigent am Pult der Duisburger Philharmoniker beobachtet, ob er als Generalmusikdirektor in Frage kommt. Beim Neujahrskonzert war es der Schwede Stefan Solyom, der gleich bei Dvoraks „Karneval“-Konzertouvertüre zeigen kann, dass er das Orchester bestens zu motivieren weiß. Er verbindet die temperamentvollen und die verzückt-schwärmerischen Passagen klug miteinander.

In seinem Dirigierstil verzichtet Solyom auf die großen Gesten, schlägt mit der rechten Hand klar den Takt und setzt mit links kleine Akzente. Im ersten Satz von Peter Tschaikowskys Violinen-Konzert, in dem Solyoms Ehefrau Catherine Manoukian die Solistin ist, nimmt er sich sogar noch weiter zurück. Die kanadische Geigerin begeistert mit ihrem ebenso virtuos-funkelnden wie kraftvoll zupackendem Spiel. Dabei folgt sie keinem reinem Hochglanz-Ideal, sondern arbeitet mit ihrer differenzierten Spieltechnik auch die rabiaten Seiten dieser Komposition heraus.

Auch als Moderator zeigt sich Solyom, der perfekt Deutsch spricht, als zupackender und direkter Typ, der gut zu Duisburg passen würde. So erzählt er von seinem eigenen musikalischen Weg oder vom kleinen Sohn, der seine Abneigung gegen Tschaikowskys Musik weinend mitgeteilt habe.

In den sechs Tänzen aus Tschaikowsykys „Nussknacker“-Suite übertreibt er aber die Show, so eilt er nach dem „Tanz der Zuckefee“ quer über die Bühne, um den Celesta-Spieler zu umarmen.

Im zweiten Teil gibt es dann auch einige Werke der Strauß-Familie. Der „Persische Marsch“ jagt schnell vorbei, während die Duisburger Philharmoniker „An der schönen blauen Donau“ in federnden Tempi genüsslich auskosten. Ein echtes Kabinettstückchen ist die Fantasie „Der Karneval in Venedig“ von Johan Strauß Vater. Dieser macht sich hier über einen Paganini-Nachahmer und -Verehrer lustig und kombiniert virtuose Bläser-Soli mit einer gewollt plumpen Orchestrierung, in der die Melodie „Mein Hut, der hat drei Ecken“ durch alle Instrumentengruppen des Orchesters geistert und selbst die Pauke bizarre Einwürfe beisteuert.

Radetzky-Marsch muss sein

Der absolute Höhepunkt des Abends ist jedoch der Auftritt des Duisburger Solo-Oboisten Mikhail Zhuravlev, der Antonio Pascullis Konzert über Motive aus Gaetano Donizettis Oper „La Favorita“ spielt. Geradezu atemberaubend ist es, wenn er eine Melodie im Staccato spielt und dazwischen noch Verzierungen bewältigt, oder wenn er mit solch einer Geschwindigkeit spielt, dass sich die unzähligen Einzeltöne zu Akkorden verdichten. Großartig, dass die Philharmoniker solch einen Musiker in ihren Reihen haben, der hier von Publikum und Kollegen mit einem gigantischen Beifall gefeiert wird.

Ohne Zugaben kommen die Philharmoniker am Neujahrsabend natürlich nicht von der Bühne und so gibt es noch „Unter Donner und Blitz“ und den unverwüstlichen Radetzky-Marsch.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik