Stadtteilcheck

Stadtteil-Check: Bissingheimer fühlen sich sicher im Dorf

Ralf Thewes ist der Dorfsheriff von Bissingheim. Den Duisburger Bezirkspolizisten wundert es nicht, dass sich die Bewohner sicher fühlen. Das geht ihm auf seinem Rad genau so.

Ralf Thewes ist der Dorfsheriff von Bissingheim. Den Duisburger Bezirkspolizisten wundert es nicht, dass sich die Bewohner sicher fühlen. Das geht ihm auf seinem Rad genau so.

Foto: Oliver Mueller / Oliver Müller / FUNKE Foto Services

Duisburg  Beim Stadtteil-Check bekam Bissingheim Bestnoten. Die Bewohner fühlen sich total sicher. Warum ist das so? Ein Ortsbesuch beim Dorfpolizisten.

Bissingheim hat beim Stadtteil-Check Bestnoten bekommen. Vor allem in Sachen Sicherheit scheint es hier top zu sein. Wir haben uns den Duisburger Stadtteil genauer angeschaut.

Und korrigieren erst mal die Wortwahl. Bissingheim ist kein Stadtteil, sondern ein Dorf, und Ralf Thewes ist hier der Dorfsheriff. Mit leuchtend gelbem Helm und reflektierender Jacke schwingt sich der Bezirkspolizist aufs Fahrrad und dreht seine Runden, vorbei an Einfamilienhäusern mit hübschen Vorgärten, am Blauen See, blühenden Forsythien. Einen Angstraum, wie er in anderen Stadtteilen vorkommt, den gibt es hier nicht.

Bissingheim: Rechts der Wald, links die Bahn

"Hier ist alles total behütet, rechts ist der Wald, links die Bahn, rein oder raus kommt man nur an zwei Stellen", erklärt der 58-Jährige. Eine Stelle führt immerhin direkt zur A3, was den Geldautomaten-Sprengern als Fluchtweg offenbar reichte, erinnert sich Thewes. 2015 war das.

Aktuell treibt die Dorfbewohner der Einbruch in ihrer Kultkneipe "Anne Tränke" am 9. März um, wo der Sparclub seiner Barschaft beraubt wurde. Das ging rasend schnell rum, auch in der dorfeigenen Whatsapp-Gruppe. Da ist Thewes nicht Mitglied, aber auf seiner Visitenkarte steht die Handynummer - darüber ist er jederzeit erreichbar.

Viele der Bewohner seien hier groß geworden, "man kennt sich". Am Dorfplatz findet das Leben statt, die Schulkinder haben Bilder gemalt und an den Zäunen aufgehängt. "Schön gemacht", findet Thewes. Nur der Supermarkt werde weiterhin schmerzlich vermisst.

Für Ordnung sorgen

Der Polizeihauptkommissar ist seit 1983 im Duisburger Süden im Dienst, wohnt in Großenbaum. Die Stadt kennt er aus seiner Zeit als Diensthundeführer, den Süden hat er sich radelnd erobert.

Im 41. Dienstjahr kann den bärtigen Mann nicht viel erschüttern. Er mag seinen Beruf, dieses "für Ordnung sorgen", und je älter er werde, desto besser gehe das. "Jüngere Kollegen müssen sich anders durchsetzen, ich mach viel mit mündlichen Verwarnungen, beim zweiten Mal sind sie dann dran."

Bissingheim in der Polizeistatistik ganz weit hinten

Gibt es hier denn gar keinen Ärger? Weil sich Jugendliche abends auf dem Platz vom Etus tummeln und Krach machen? "Nicht mehr als anderswo." In keinem Deliktbereich tauche Bissingheim duisburgweit unter den ersten 15 in der Kriminalitätsstatistik auf, sagt auch Polizeisprecher Jonas Tepe.

Nicht mal in den Wohnblöcken der Vonovia? "Die sind doch frisch renoviert, das ist alles schön gemacht", findet Thewes. Nicht mal ein Auto ist nach seiner Erinnerung je in dem Graben entlang der Bissingheimer Straße gelandet.

Vögel zwitschern, Blumen duften, die Idylle ist kaum zu fassen, da wird sie immerhin von einem Güterzug kurzzeitig zerrissen. Hunderte Autodächer ragen über der Lärmschutzwand hervor und rattern vorbei.

Was sind also seine täglichen Themen? "Ich werde zum Beispiel angesprochen, wenn am Blauen See Hundekot herumliegt." Man berichtet ihm auch, dass die Autos an der Schule schneller fahren, wenn er nicht da ist. Dann gab es nach einem Schützenfest mal Ärger wegen abgetretener Außenspiegel. Alles nichts, wofür ein Streifenwagen herauskommen müsste. "Zur Not ist der in fünf Minuten da", betont der Bezirkspolizist, aber das meiste kann er allein regeln.

Pläne von Sechs-Seen-Wedau treibt Dorfbewohner um

Dazu gehört die Waffenrechtskontrolle. Zuletzt hat er einen 94-Jährigen besucht, der rechtmäßig zwei Pistolen besaß. Die Familie machte sich jedoch Sorgen und informierte Thewes. Nach einem ausführlichen Gespräch durfte der Polizist die Waffen zur Vernichtung mitnehmen.

Die Dorfbewohner treibt auch die Bebauung von Sechs-Seen-Wedau um, "mit über 5000 Wohneinheiten leben da später mehr Menschen als in Bissingheim", zeigt der 58-Jährige verständnis für die Sorgen der Bissingheimer. "Ich bin da aber neutral", betont er und schwingt sich wieder auf sein Rad. Den Funkverkehr verfolgt er, es betrifft ihn und seinen Beritt selten. "Es ist einfach schön hier."

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