Jugendfußball

Ablösestreit: Club verlangt 1000 Euro für sechs Teenager

Nur zuschauen, nicht mitspielen – das ist im Moment das Schicksal der Neuzugänge der C-Jugend-Kicker der TS Rahm.

Nur zuschauen, nicht mitspielen – das ist im Moment das Schicksal der Neuzugänge der C-Jugend-Kicker der TS Rahm.

Foto: Foto: Katja Burgsmüller

Duisburg-Großenbaum/Rahm.  Sechs Spieler wechseln von der GSG Duisburg zur TS Rahm. Jetzt sind sie für fünf Spiele gesperrt – oder ihr neuer Verein zahlt eine Ablösesumme.

Eigentlich sollte die Stimmung bei den C-Jugend-Fußballern der Turnerschaft Rahm gut sein. Nach zwei Spieltagen in der Kreisklasse steht das Team von Trainer Ivo Jurisic ganz vorne in der Tabelle. Am Spielfeldrand gibt es allerdings viele lange Gesichter. Die sechs Neuzugänge der Rahmer dürfen nämlich derzeit nur zuschauen. Ihr alter Verein, die GSG Duisburg, hat den 12- bis 14-Jährigen nach ihrem Wechsel nach Rahm keine Freigabe erteilt. Und, ein Novum in der Beziehung zwischen den beiden Vereinen: Erstmals wird eine Ablösesumme verlangt – für Kinder.

Keine Ablöse gezahlt oder verlangt

Die Verantwortlichen bei der Turnerschaft Rahm sind verärgert. „Die GSG verlangt für die Jungs eine Wechselprämie, erst dann würden sie die Freigabe bekommen“, sagt Stefan Klinker, Jugendleiter der TS Rahm. „Das hat es in all den Jahren noch nie gegeben“, ärgert sich auch sein Vater, Frank Klinker, der selbst 20 Jahre lang Rahmer Jugendleiter war. „Wir haben noch nie von einem anderen Verein eine Wechselprämie für Jugendliche verlangt und haben anders herum auch noch nie eine Ablösesumme an andere Vereine zahlen müssen. Auch nicht an die GSG.“

Völliges Unverständnis gibt es auch bei den Eltern der Jungs. „Wir sind hier doch kein Bundesliga-Verein“, sagt Achim Heuser, Vater eines C-Jugendspielers. „In anderen Spielklassen mag das ja üblich sein, aber unsere Jungs wollen doch einfach nur Fußball spielen und müssen jetzt den anderen vom Spielfeldrand aus zusehen.“ Fünf Spiele sind für die Rahmer bis zum 1. November noch angesetzt. „Das bedeutet fünfmal am Rand stehen und nichts machen können. Das ist für die Kinder doch schrecklich“, sagt Achim Heuser. Deutliche Worte findet auch Trainer Ivo Jurisic: „Die Jungs sind doch noch Kinder, die haben noch Milchzähne. Das Verhalten der GSG ist unsportlich. Die Jungs wollen doch einfach nur Fußball spielen. Da muss auch der Verband etwas ändern, dass eine solche Sperre nicht möglich ist.“

Bei der GSG als Einheit zusammen gewachsen

Auch auf der Facebook-Seite der GSG Duisburg machen wütende Eltern ihrem Ärger Luft: „Wenn Kinder sich aufgrund der ständigen Trainerwechsel und Unzufriedenheit für einen anderen Verein entscheiden, wird vom Vorstand eine Sperre verhängt. So ein unmögliches Verhalten wegen gekränkter Eitelkeiten. Das ist nicht sportlich“, schreibt eine Mutter. „Die Jungs haben zusammen den Verein gewechselt, da sie sich bei der GSG angefreundet haben und als Einheit zusammengewachsen sind. Das macht doch gute Jugendarbeit aus. Niemand von den Jungs wird Profi. Die Kinder jetzt zu bestrafen, sollte kein Teil der Jugendarbeit sein“, schreibt eine andere Mutter und fügt hinzu: „Bitte lebt eure Konflikte mit umliegenden Vereinen nicht auf dem Rücken der Kinder aus.“ Die Einträge auf der GSG-Facebookseite sind mittlerweile gelöscht.

Fristgerecht abgemeldet

Rund 1000 Euro verlangt die GSG Duisburg für die Freigabe der sechs C-Jugend-Kicker. Zahlt die Turnerschaft Rahm nicht, bleibt die Sperre bis zum 1. November bestehen. „Alle Spieler haben bei der GSG fristgerecht gekündigt“, sagt Frank Klinker. „In der Satzung der GSG heißt es, dass Spieler gesperrt werden können, wenn der Beitrag nicht für das komplette Jahr bezahlt ist. Das haben die Jugendlichen aber gemacht.“

Elmar Hof, der Fußball-Abteilungsleiter der GSG Duisburg, will sich zu dem Vorgang nicht weiter äußern. Nur so viel: „Wir haben der TS Rahm sämtliche Möglichkeiten gegeben, dass die Spieler ihre Freigabe bekommen. Das ist aber nicht passiert“, sagt Hof. „Wenn ein Verein aktiv sechs Spieler abwirbt, ist das einfach unsportlich“, so der Abteilungsleiter. „Bisher haben wir auch noch nie eine Ausbildungsentschädigung von einem anderen Verein für Nachwuchsspieler verlangt.“

Laut Frank Klinker habe die Turnerschaft keinen der Spieler abgeworben: „Ein Vater kennt unseren neuen Trainer, der Junge wollte bei ihm trainieren. Und mit ihm auch die anderen Jungs. Das ist alles.“

Ablösesummen sind vorgegeben

In der Jugendspielordnung des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV) ist festgesetzt, was passiert, wenn ein Verein einem Spielerwechsel nicht zustimmt. Dann greift die Sperre von drei Monaten bis zum 1. November. Zudem gibt es beim Verband eine Übersicht über die Ausbildungsentschädigung bei Vereinswechseln von Junioren (A-Junioren jüngerer Jahrgang bis D-Junioren älterer Jahrgang) gestaffelt nach Spielklasse der Seniorenmannschaft des Vereins. Die Zahlung der sogenannten Ausbildungsentschädigung kann die Zustimmung des abgebenden Vereins ersetzen. Über die Häufigkeit der gezahlten Ausbildungsentschädigungen kann der WDFV keine Angaben machen. „Die Anzahl der Ablöseforderungen wird beim WDFV nicht erfasst“, sagt Sprecher Roland Leroi. „Wir werden nur informiert, sobald wir die Freigabe erteilen können.“

Die Turnerschaft Rahm wird jedoch nicht zahlen. „Das haben wir bisher noch nicht so gemacht, und das werden wir auch nicht. Bei uns kann jeder kommen und auch wieder gehen“, sagt Frank Klinker.

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