6-Seen-Wedau

„Ein Horror: Duisburg verkauft sein Naherholungsgebiet“

3000 Häuser und Wohnungen sollen auf der ehemaligen Bahnbrache (rechts im Bild) entstehen. Die Bebauung soll bis nahe ans Ufer reichen – zu nahe, finden die Gegner, die die Initiative Uferretter gegründet haben.

3000 Häuser und Wohnungen sollen auf der ehemaligen Bahnbrache (rechts im Bild) entstehen. Die Bebauung soll bis nahe ans Ufer reichen – zu nahe, finden die Gegner, die die Initiative Uferretter gegründet haben.

Foto: Hans Blossey/Archiv

Duisburg-Wedau/Meiderich.   Die Initiative Uferretter will das Ufer des Masurensees von Häusern frei halten. Ganz verhindern wollen sie das Bauprojekt 6-Seen-Wedau nicht.

Nur langsam tröpfeln sie am Sonntagmittag im Parkhaus Meiderich ein, die vielleicht zukünftigen „Uferretter“, so der Name der Initiative. Die meisten der versammelten gut 20 Teilnehmer wollen dem von der Stadt geplanten Wohnungsbau am Masurensee Einhalt gebieten, zumindest im Uferbereich. Denn bis fast hierhin – vom Ufer getrennt nur durch eine Promenade und einen Park – rücken laut Plan die 3000 Wohnungen heran. Platz für wenigstens 6000 Neubürger – Wedau würde sich auf einen Schlag verdoppeln. „Ein Horror: Duisburg verkauft sein Naherholungsgebiet“, befürchtet Initiativgründer Martin Dobber­stein; dass die Seen-Platte „kippt, das darf nicht sein“.

Gegner des Bauprojekts fürchten, verdrängt zu werden

Den alarmierten Worten zum Trotz: Hier hat sich kein chaotischer Club, kein polterndes Wutbürgertum versammelt. Es sind Menschen aus der bürgerlichen Mitte und jeden Alters: ein Arzt, ein Ingenieur, eine kaufmännische Angestellte, Werbefachfrauen, Künstler und auch Universalgenies. 80 Prozent sind Frauen, denen die möglichst naturnahe Zukunft der Sechs-Seen-Platte am Herzen liegt. „Ich habe dort Schwimmen gelernt“, sagt eine 19-Jährige, die, wie viele, den Masurensee fast ein Leben lang für Sport und Entspannung genutzt haben. Und befürchten, verdrängt zu werden.

Der Umbruch auf dem überwiegend brachliegenden Bahngelände zwischen Bissingheim und Wedau ist für die Mitglieder der Initiative eine Naturkatastrophe. Zum Teil fünfstöckige Gebäude in direkter Ufernähe seien geplant. „Viele Wedauer haben noch die alten Pläne der Aurelius-Gruppe mit vielen Einfamilienhäusern im Kopf, sie wissen noch nicht, dass da ein haushoher Wall zwischen Wedau und Bissingheim entsteht“, vermutet eine Aktivistin. Auch die Kleingärten müssen weichen.

Initiative befürchtet drastische Verkehrs-Probleme

Mancher sieht drastische Verkehrsprobleme durch die neue Bebauung auf den Stadtteil zukommen. Dennoch: Das Bauprojekt grundsätzlich verhindern können und wollen die Uferretter nicht, aber wach rütteln. Nur wie? Zwei Ideen stehen schon einmal fest: die werbeträchtige Dienstkleidung aus schwarz-weißen T-Shirts mit dem Logo „Uferretter“ und die Beantragung eines gemeinnützigen Vereins. Mit dieser Basis hofft man, Spendenunterstützung zu erhalten.

Und natürlich „Manpower – die benötigen wir am meisten“, macht Martin Dobberstein in der Runde deutlich. Gesucht werden Macher und Organisationstalente gleichermaßen, denn Mailing-Listen, Homepage, Texte, Kontakte etwa in die wichtigen deutschen wie türkischen Communitys und die Jugend müssen gepflegt werden. Die Sympathien zu gewinnen, ist keine einfache Aufgabe, sie fängt schon im Kleinen, bei den Vorurteilen, an: „Der Ufergrillplatz wird von einigen Duisburgern als ‘Asi-Beach’ bezeichnet“, diese Wahrnehmung will Dobberstein verändern: „Wir müssen die Vorteile aufzeigen: Dass hier das multikulturelle Leben gut funktioniert.“ Und auch: Flyer verteilen, Aktionen organisieren und durchführen kostet viel Zeit. So wie bisher allein oder mit einer Hand voll Leuten, meint der Initiativengründer, sei die Arbeit nicht zu schaffen.

<<< KONTAKT ZUR INITIATIVE UFERRETTER

Bislang organisiert sich die Initiative Uferretter hauptsächlich auf Facebook. Auf ihrer Seite – facebook.com/Uferretter – gibt es weitere Informationen über die Ziele der Teilnehmer.

Wer über Ideen und Aktionen der Uferretter auf dem Laufenden bleiben will, kann sich für einen E-Mail-Verteiler anmelden: einfach eine E-Mail schreiben an die Adresse Uferretter@gmx.de.

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