Integration

Schülervertretung spendiert Schwimmkurs für Flüchtlinge

Eine Bahn klappt schon: Die Jungs der Auffangklassen für Flüchtlinge am BBBK lernen erst seit September schwimmen.

Eine Bahn klappt schon: Die Jungs der Auffangklassen für Flüchtlinge am BBBK lernen erst seit September schwimmen.

Foto: Zoltan Leskovar

Duisburg.Huckingen.   Rund 20 Schüler der vier internationalen Förderklassen des Huckinger Bertolt-Brecht-Berufskollegs lernen seit September kostenfrei Schwimmen.

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Einen Schwimmkurs hat Marc Ginuth, einer der Schulsozialarbeiter vom Bertolt-Brecht-Berufskolleg, für knapp 20 junge Flüchtlinge aus den vier internationalen Förderklassen organisiert. Dabei geht es nicht nur darum, sich über Wasser zu halten.

Christel Dinter, die Kursleiterin vom „Duisburger Schwimm- und Sport-Club“ (DSSC) ist leider am Morgen ohne ihre Stimme aufgewacht. Nun steht sie am Nichtschwimmerbecken des Obermeidericher Schwimmbades und zeigt den jungen Mädchen per Handzeichen, dass sie sich mit dem Kopf auf einer Stufe flach aufs Wasser legen sollen. Im Wasser hilft Schwimmlehrerin Beate Eismann den fröstelnden Mädels bei der Umsetzung. „Die müssen erst noch die Panik vor dem Wasser verlieren“, krächzt Christel Dinter, die viel Verständnis hat, weil sie selber auch erst als Teenager schwimmen lernte. An den Beinen unterstützt, werden die Mädchen sanft im Kreis bewegt, sie gleiten mit geschlossenen Augen durch das Wasser, aus den Gesichtern weicht langsam die Angst und ein Lächeln erscheint.

Die Angst vorm Wasser verlieren

Christel Dinter ist einigermaßen zufrieden mit dem Fortschritt, aber begeistert ist sie von den Jungs, die ins Bad kommen, wenn die Mädchen fertig sind.

Yasser, Bashar, Fahdi, Ali und die anderen stürzen sich in die Fluten des Schwimmerbeckens. Viele schwimmen schon eine ganze Bahn, wenn auch mit etwas hektischen, eckigen Zügen, die Kraft kosten. „Alle Achtung, die haben erst im September angefangen und sind jetzt schon bald reif fürs Seepferdchen“, sagt Christel Dinter.

Torsten Nilsson ist Sachgebietsleiter und Deutschlehrer am Bertolt-Brecht-Berufskolleg (BBBK). Er erzählt am Beckenrand von den Fluchtgeschichten der jungen Syrer, Afghanen und Iraker, die sich auf der Mittelmeerroute in heller Panik an überladenen Schlauchbooten festgeklammert haben und wussten, wenn der Kahn kentert, dann gehen sie unter wie ein Stein. Nun tauchen die Ersten durchs Becken und wenn sie hochkommen gucken sie, ob Christel Dinter das auch mitbekommen hat. „Ganz toll Ali“, krächzt diese begeistert.

Klassenfahrt mit Kanutour geplant

Torsten Nilsson hat für den nächsten Sommer Pläne für eine Klassenfahrt mit Kanutour auf der schönen Elbe, da kann die neu erworbene Kulturtechnik zum Einsatz kommen, mit Schwimmweste, versteht sich. Der Schulsozialarbeiter sieht aber noch mehr Vorteile des Kurses. „Wir haben erst mal die Baderegeln vermittelt“, sagt er, „Wie beträgt man sich im Schwimmbad? Wie duscht man? Das gehört ja alles dazu.“ Wenn sich dann noch rumspricht, dass Schwimmen richtig Spaß macht, wenn man es kann, dann wird der nächste Kurs auch sicher voll werden.

„In Deutschland ertrinken überdurchschnittlich viele junge Menschen mit Migrationshintergrund“, sagt Marc Ginuth erst, „deshalb finde ich es ganz großartig, dass unsere Schülervertretung diesen Schwimmkurs für ihre Mitschüler aus der SV-Kasse finanziert hat, so funktioniert Solidarität.“

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