Straßennamen

Vorschläge reichen von der Hebamme zur Porno-Darstellerin

Nach Luise Albertz heißt ein Platz in Oberhausen. Die erste Oberbürgermeisterin Deutschlands stammt allerdings aus Duisburg.

Foto: Jörg Schimmel

Nach Luise Albertz heißt ein Platz in Oberhausen. Die erste Oberbürgermeisterin Deutschlands stammt allerdings aus Duisburg. Foto: Jörg Schimmel

Duisburg-Süd.   Mehr Straßen und Plätze sollen nach bemerkenswerten Frauen benannt werden. Leser machen zahlreiche Vorschläge. Nicht alle sind ernst gemeint.

Mehr Straßen im Duisburger Süden sollen nach berühmten Frauen benannt werden. Dazu haben sich die Parteien in der Bezirksvertretung geschlossen positiv geäußert. Die ehemalige Gleichstellungs- und Frauenbeauftragte der Stadt Duisburg, Doris Freer, hat eine detaillierte Liste mit berühmten Frauen zusammengestellt, allerdings stammt keine davon aus dem Duisburger Süden. Dafür haben sich zahlreiche Leser per E-Mail und auf Facebook gemeldet und Vorschläge für neue Straßennamen abgegeben. Es finden sich darunter beeindruckende Persönlichkeiten – und ein paar nicht ganz ernst gemeinte Ideen.

Hebamme Margret Füßer brachte 7500 Kinder zur Welt

Eine von nur zwei vorgeschlagenen Kandidatinnen, die tatsächlich aus dem Duisburger Süden stammt; genauer aus Buchholz, ist Margret Füßer. Fast 30 Jahre lang war sie als Hebamme im Krankenhaus St. Anna tätig, viele davon als Oberhebamme. In dieser Zeit hat sie mehr als 7500 Kindern auf die Welt geholfen. Ausgezeichnet wurde sie mit der Duisburger Mercatormedaille und dem Bundesverdienstkreuz, Ex-Oberbürgermeister Josef Krings lobte sie als Beispiel für die „Bedeutung der Frau für Familie und Gesellschaft“. Schon in den 90er Jahren kämpfte sie als Vorsitzende des Bundes Deutscher Hebammen für mehr Anerkennung und bessere Bezahlung des Berufsstands. 2008 starb sie.

Ein Vorschlag aus dem Bereich Politik benennt Christa Pfeffer, die sich unter anderem als Ortsvereinsvorsitzende der SPD in Ungelsheim und Mündelheim hervorgetan hat. Dazu war sie jahrelang Rektorin der Gesamtschule Duisburg-Süd. Sie starb im Jahr 2010.

Luise Albertz war erste Oberbürgermeisterin Deutschlands

Ernst zu nehmen ist der mehrfache Ruf nach einer Luise-Albertz-Straße. Als Oberbürgermeisterin von Oberhausen war sie ab 1946 die erste Frau in dieser Position in einer deutschen Großstadt. Ihr Geburtsort: Duisburg. In Oberhausen sind bereits ein Platz und eine Kongresshalle nach ihr benannt.

Eine weitere Duisburgerin, die unsere Leser vorgeschlagen haben, ist Else Quecke. Die Schauspielerin wurde hier geboren. Sie war die Schwester des Nazi-Widerstandskämpfers Hans Quecke.

In die Liste der ehemaligen Gleichstellungsbeauftragten hat es keine dieser Kandidatinnen geschafft.

Gegen eine Benennung nach Lokal-Politikerinnen

Leser Dirk Schuchardt ist sicher, dass er „keine Lokalpolitikerin kennt, die es wert wäre, dass man nach ihr eine Straße benennt“, zumindest wolle er nie „auf einer Charlotte-Kann-Allee wandeln müssen“, die nach der ehemaligen SPD-Ortsvereinsvorsitzenden aus Großenbaum benannt wäre. Ohnehin erfreut sich diese bester Gesundheit und kommt daher nicht infrage: Auf Straßenschildern wird nur verewigt, wer seit mindestens einem Jahr tot ist.

Außerdem, so merkt Schuchardt an, sei es ohne Hinweisschilder unter den Straßennamen ohnehin fraglich, ob der Name seinem berühmten Besitzer – oder seiner berühmten Besitzerin – zugeordnet werden könne. Oder wissen Sie, wer Hermann Spillecke war? Nach dem Politiker – Rat der Stadt Duisburg, Landtag NRW, Bundestag – heißt eine Straße in Huckingen.

Skurrile Vorschläge: Porno-Darstellerin und Kinderbuch-Hexe

Andere Vorschläge scheiterten am Fiktionsgehalt der berühmten Existenz: Ob Bibi Blocksberg gebürtig aus dem Duisburger Süden stammt, ist außerdem ungeklärt. Eine andere, echte, Duisburgerin scheitert an der Hürde, die besagt, dass die Person mindestens ein Jahr tot sein muss – sicherlich nicht das Einzige, das der Benennung einer Straße nach der Pornodarstellerin und Venus-Preisträgerin „Lullu Gun“ im Wege steht. Auch „Daisy Door“, einer Schlagersängerin, verstellt bei der Straßenbenennung ihre Lebendigkeit den Weg.

Der Vorstoß der Politiker, das Straßenbild im Duisburger Süden weiblicher zu gestalten, stößt übrigens auch auf Gegner: Ein Kommentator bezeichnet als „den typischen Gender-Wahnsinn“.

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