Thyssen-Krupp

Thyssen-Krupp-Chef reagiert bei Duisburger Barbarafeier auf Papstkritik

Dr. Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der Thyssen-Krupp AG, während seiner Predigt bei HKM in Duisburg am frühen Sonntagabend.

Dr. Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der Thyssen-Krupp AG, während seiner Predigt bei HKM in Duisburg am frühen Sonntagabend.

Foto: Funke Foto Services

Duisburg.   Ohne direkt auf seine jüngsten Aussagen zur Stahlzukunft einzugehen, erklärt der Konzernchef der Thyssen-Krupp AG die Leitlinien seines Handelns.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Woher wir kommen, sollten wir nie vergessen. Aber unsere Wurzeln dürfen uns nicht fesseln, Neues anzugehen“, sagte Heinrich Hiesinger. Bei der Barbarafeier der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann im Duisburger Süden predigte der Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Krupp AG am Sonntagabend vor 1000 Gästen zum Thema „Verantwortung in der Wirtschaft“.

Der Industriemanager nahm bei seinem Auftritt bei der zehnten Auflage des größten ökumenischen Gottesdienstes der Stadt keinen direkten Bezug auf die Äußerungen in einem Interview, die für reichlich Unruhe und Verärgerung in der Duisburger Stahlbelegschaft gesorgt hatten. Seine Predigt, in der er die Leitlinien seines Handelns erklärte, mochte allerdings als Erklärung für seine Aussagen dienen.

Lange Tradition bedeute nicht immer Zukunftsfestigkeit

Den Garten Eden bebauen und bewahren (Hiesinger nahm Bezug auf das 1. Buch Mose): Dieser Auftrag gelte auch in der Wirtschaft. Gottvertrauen bedeute für ihn aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen. „Im Gegenteil: Glauben heißt für mich handeln. Wir Christenmenschen dürfen auf Gottes Güte vertrauen. Die Verantwortung für uns und unser Handeln tragen wir aber selbst.“

Sein Auftrag sei es vor vier Jahren gewesen, in schwieriger Lage einen Weg in die Zukunft für Thyssen-Krupp zu finden. Gemeinsam habe man entschieden, das reine Stahlunternehmen umzubauen „zu einem Konzern, der mehrere starke Standbeine hat“. Starke Einschnitte seien notwendig gewesen: der Verkauf eines Viertels des Unternehmens, darunter auch die Edelstahl-Sparte. Hiesinger: „100 Jahre Tradition bedeuten nicht automatisch Zukunftsfestigkeit.“

Die schmerzhaften Folgen für die Beschäftigten bezeichnete der 54-jährige als „unauflöslichen“ Konflikt zwischen dem Einzelschicksal und der Zukunft des Ganzen: „Es war aber damals richtig und verantwortungsbewusst, sich von einem Teil zu trennen, um das Ganze zu bewahren.“ Im Konzernverbund könnten Schwächen einzelner Bereiche nicht langfristig ausgeglichen werden, betonte der Konzernchef. „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit. Geld fehlt dann in anderen Unternehmensteilen. So riskieren wir langfristig das Unternehmen als Ganzes.“

Heinrich Hiesingers Handeln beruhe auf christlichem Menschenbild

Gleichwohl sei verantwortungsvolles Handeln komplex und bisweilen widersprüchlich, auch bei der Frage der Restrukturierung: „Sind wir den Mitarbeitern verantwortlich, denen eine sichere Zukunft ermöglicht wird? Oder den Mitarbeitern, die ihre Stelle verlieren?“ Gestalten zu dürfen, sei ihm ein Privileg, aber auch Bürde.

Zukunftsfähigkeit herzustellen und Zuversicht, die Dinge zum Besseren zu wenden, das bedeute für ihn Verantwortung, erklärte Hiesinger. Der Kompass seines Handelns beruhe auf dem christlichen Menschenbild. „Daraus leite ich den Auftrag ab, die Menschen ernst zu nehmen. Dieser Respekt erfordert Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Aber gelebte Werte bringen auch wirtschaftlichen Erfolg.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (5) Kommentar schreiben