Klassenräume gesperrt

Unterrichtsausfall in Gesamtschule durch Schadstoffbelastung

Schulleiter Erhard Schoppengerd muss seit Monaten improvisieren, um Unterricht möglich zu machen.

Foto: Lars Heidrich

Schulleiter Erhard Schoppengerd muss seit Monaten improvisieren, um Unterricht möglich zu machen. Foto: Lars Heidrich

Duisburg  Seit Monaten sind mehrere Klassenräume in der Globus-Gesamtschule gesperrt. Rektor kritisiert die Stadt. Aufwändige Sanierung nun beschlossen.

. Für rund 300 Acht- und Neuntklässler der Globus-Gesamtschule am Dellplatz ist seit Ende November nur eingeschränkter Unterricht mit weniger Stunden abwechselnd im Schichtbetrieb möglich. Der Grund: Zehn schadstoffbelastete Klassenräume sind gesperrt. Das Problem: In dem 1950 errichteten Schulgebäude wurde seinerzeit Parkett mit einem PAK-haltigen Kleber auf dem Estrich verlegt. Der ist verantwortlich, dass in vielen Räumen die krebserregenden Stoffe Benzol und Naphthalin ausdünsten, in einigen wurden die gültigen Richtwerte teilweise deutlich überschritten. Jetzt gab es von der Politik, der zuständigen Bezirksvertretung, einstimmig grünes Licht für eine aufwändige Sanierung. Kosten: 750 000 Euro.

Sechs Räume ab Herbst gesperrt

Der Startschuss dafür soll laut Stadtverwaltung unmittelbar nach dem Beschluss fallen. Auf konkrete Nachfrage der Redaktion ist dann aber noch einer Vorlaufzeit samt ordnungsgemäßer Ausschreibung die Rede. Demnach werden die Sanierungsarbeiten nach jetzigem Stand erst im Frühsommer beginnen. Schulleiter Erhard Schoppengerd geht von Juni aus. Grundsätzlich hat er aber den Eindruck, dass die Stadt nun den Ernst der Lage erkannt hat. Das sei nicht immer so gewesen.

Schließlich mussten bereits nach den Herbstferien die ersten sechs Räume gesperrt werden. Der Unterricht konnte zu diesem Zeitpunkt zwar noch komplett aufrechterhalten werden. Dafür wurden allerdings Selbstlern-, Fach- oder Arbeitsräume für Lehrer in Beschlag genommen. Dazu kam die Ungewissheit, ob nicht auch noch an anderen Stellen die Schadstoffbelastung zu hoch ist. Weitere Messungen, so Schoppengerd, seien angekündigt, aber nicht durchgeführt worden.

Lernen im Schichtbetrieb

Als „trotz mehrerer Nachfragen“ an die Stadt wochenlang nichts passierte, schaffte der Schulleiter in Abstimmung mit der Bezirksregierung Düsseldorf selbst Fakten und sperrte weitere baugleiche Räume. „Dadurch hatten die Jahrgänge acht und neun nun sieben Wochen lang ein Drittel weniger Unterricht. Wir haben uns vor allem auf die Hauptfächer konzentriert“, sagt der Rektor. „Das ist schon ein Hammer, aber die Gesundheit der Schüler und Lehrer geht vor.“ Eine richtige Entscheidung, wie sich allerdings erst vor zehn Tagen durch endlich vorliegende weitere Messergebnisse herausstellte.

Die Stadt, so ein Sprecher, bedauere den Unterricht im Schichtbetrieb sehr. Wegen der begrenzten Raumkapazitäten, die der Gesamtschule am Dellplatz zur Verfügung stehen, habe es aber leider keine andere Möglichkeit gegeben.

Voller Unterricht ab nächste Woche

Wenn am kommenden Montag das zweite Halbjahr beginnt, ist laut Schoppengerd Unterricht zwar wieder in vollem Umfang möglich. „Allerdings erneut nur durch Improvisation und durch sechs sogenannte Luftwäscher, die die ganze Nacht durchlaufen, können wir die Schadstoffbelastung in einigen Räumen ausreichend senken“, so der Rektor. Laut Stadt müssen noch vier weitere Raumluftfilter installiert werden. Dann könne der Schulbetrieb voraussichtlich ohne Auslagerung von Klassenräumen auch während der Sanierungsmaßnahmen fortgeführt werden.

Schoppengerd wäre damit nicht glücklich. „Es bleibt eine emotionale Belastung für die Schüler und Lehrer, die die Räume betreten müssen.“ Deshalb würde er sich wünschen, dass die Stadt, konkret das Immobilien-Management Duisburg (IMD), andere Lösungen findet. So gebe es Pläne, auf dem Parkplatz zwischen der Schule und dem Krankenhaus mobile Klassenzimmer in Form von Containern aufzustellen. Laut eine Stadtsprechers stehe das Amt für Schulische Bildung weiter im steten Kontakt mit der Schule und dem IMD, um die Situation zu verbessern.

>> SANIERUNG BIS ANFANG 2019

Die Sanierung der betroffenen Räume in der Globus-Gesamtschule erfolgt in drei Bauabschnitten und soll laut Stadtverwaltung bis Februar 2019 abgeschlossen sein.

Die Gesamtkosten von insgesamt 750 000 Euro setzen sich demnach im Wesentlichen aus Baukosten von 660 000 Euro und Planungskosten von 90 000 Euro zusammen.

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