Kabarett

Viel Frauenpower beim Kabarett in der Bibliothek Rheinhausen

Dagmar Schönleber jongliert souverän mit Klischees.

Dagmar Schönleber jongliert souverän mit Klischees.

Foto: Ralf Bauer

Duisburg-Rheinhausen.  Matthias Reuter hat in seiner Weihnachtsausgabe ein reines Frauen-Trio begrüßt. Und hat sich damit ein bisschen gefühlt wie Gerburg Jahnke.

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Auch wenn die Toilettenverhältnisse in der Bezirksbibliothek Rheinhausen – hier kommt nur ein Damenklo auf zwei für die Männer – noch längst nicht an die aktuelle Gleichstellungsdebatte angepasst sind, waren die Frauen beim „Kabarett in der Bibliothek“ mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit klar in der Überzahl unter den 140 Gästen. „Es ist wie ‚Ladies Night‘ heute“, bemerkte Gastgeber Matthias Reuter, „und ich fühle mich ein bisschen wie Gerburg Jahnke.“

Denn drei Kolleginnen hatte der Oberhausener Kabarettist in seine Show eingeladen – so wie er es schon vor drei Jahren angekündigt hatte, nämlich: zur Weihnachtsausgabe sollen nur Frauen präsent sein. Julia Hagemann aus dem Emsland überrascht das Publikum mit der Darbietung des Liedes „Der Frosch“, was sie in Anlehnung an das Brahms’sche oder Schubertsche Liedgut für das Klavier schrieb. Voller Sarkasmus konterkariert die ausgebildete Sopranistin das romantische Klavierspiel mit dem immer bissiger werdenden Text über diesen Frosch im Kochtopf: „Bei 60 Grad da schnauft er schwer, und quillt ein bisschen auf, bei 70 schnauft er noch viel mehr – bei 80 platzt er auf.“ Hagemann treibt es auf die Spitze: „Jetzt stellen sie sich dieses preziose Werk einmal dargeboten von einer Koloratur-Souprette vor.“

Sarkastisches Märchen von Rotkäppchen

Genau diese arienhaften Koloraturbögen spannt Hagemann in feinen Trillern über die bösartigen Lyrics des verendenden Frosches: „Was früher Fro-o-o-o-sch und Wa-a-a-sse-e-e-r war, das riecht jetzt fei-ei-ei-ein nach Suppe.“ Die 140 Zuschauer können ihr Zwerchfell kaum mehr kontrollieren und genauso sarkastisch wird Hagemann bei der Darstellung des Märchens von Rotkäppchen aus der Sichtweise der Großmutter.

Die Wahlkölnerin Dagmar Schönleber beanstandet, dass Frauen bei Postings im Internet öfter inhaltslosen Beschimpfungen statt gehaltvoller Kritik ausgesetzt sind. „Es ist oft so, dass wir auf unsere sekundären Geschlechtsmerkmale reduziert werden. Selbst ein Kevin Kühnert mit seiner tollen Föhn-Frisur bekommt konstruktive Kritik auf seine unsinnigen Posts in puncto Vergesellschaftung von Wohnungseigentum“, lacht Schönleber. Es wäre mal Zeit für eine Revolution der Frauen! „Doch die Frage, die wir uns davor stellen würden, wäre: ‘Was sollen wir dann anziehen?’“

Klischee der kinderlosen Mittvierzigerin

Katinka Buddenkotte, ebenfalls aus Köln, bedient das Klischee der kinderlosen Mittvierzigerin, die Weihnachten zusammen mit ihren Eltern verbringt. Ein besonderes Geschenk muss her – wenn schon keine Enkel kommen. Sie backt Cantuccini für die Lieben. Doch leider ist der gigantische Keks so groß und fragil, dass er den Transport nicht überlebt.

Matthias Reuter rundete den Abend mit „Das Leben wäre schöner, wären wir alle Höhner“ lustig am Klavier singend ab, und gerade die Frauen lachen, müssten sie doch dann einen geschwungenen Schnäuzer wie der Leadsänger der Kölner Musikgruppe tragen.

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