Viele freie Plätze bei „Don Pasquale“

Als Gaetano Donizettis Oper „Don Pasquale“ im vergangenen Frühjahr in Düsseldorf Premiere feierte, herrschte dort eine regelrechte Hysterie. Der Regisseur war niemand Geringeres als Startenor Rolando Villazón, der sich ein zweites berufliches Standbein erarbeitet hat. Bei der Duisburger Übernahme-Premiere war das Interesse geringer: Über 400 Plätze blieben im Theater frei.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Als Gaetano Donizettis Oper „Don Pasquale“ im vergangenen Frühjahr in Düsseldorf Premiere feierte, herrschte dort eine regelrechte Hysterie. Der Regisseur war niemand Geringeres als Startenor Rolando Villazón, der sich ein zweites berufliches Standbein erarbeitet hat. Bei der Duisburger Übernahme-Premiere war das Interesse geringer: Über 400 Plätze blieben im Theater frei.

Das Desinteresse des hiesigen Publikums ist nicht erklärbar, denn Villazón hat sich mittlerweile als ein zuverlässiger Regisseur profiliert, der im Zusammenspiel mit Bühnenbildner Johannes Leiacker gut gemachte Inszenierungen abliefert. Das ist auch bei „Don Pasquale“ der Fall.

Wie schon in der letzten Inszenierung des Stückes aus dem Jahr 1998, die vom damaligen Intendanten Tobias Richter erarbeitet wurde, ist Don Pasquale auch bei Villazón ein reicher Kunsthändler. Johannes Leiacker lässt ihn in einer Mischung aus Wohnzimmer und Lagerhalle leben. Hier umgibt sich Pasquale mit den Werken der Alten Meister, während sein Neffe Ernesto eine Mischung aus Straßenmaler und Graffiti-Sprayer ist. Wenn Ernestos Frau Norina dann in einer Scheinehe mit Pasquale das Regiment im Haus übernimmt, bestimmt Pop-Art die Optik.

Villazóns Personenführung ist spielfreudig und komödiantisch, manchmal neigt sie auch zum Klischee. Don Pasquale, der sein vermeintliches Glück in der Ehe mit einer jungen Frau sucht, wird aber nie karikiert oder bloßgestellt. Zudem werden auch der von Gerhard Michalski einstudierte Rheinopern-Chor und eine Schar von Statisten, die als Künstler, Hausangestellte, Hippies und Hare-Krishna-Anhänger auf der Bühne stehen, in das Treiben eingebunden.

Prachtvoller Doktor Malatesta

Der Don Pasquale wird von Günes Gürle verkörpert, der die Figur mit Witz und einer verschrobenen Eleganz spielt. Der Bassbariton singt die Partie mit leichter und beweglicher Stimme, hat bei den schnellen Passagen aber Probleme im Tempo zu bleiben. Und wenn das Orchester laut aufspielt, ist von ihm nur wenig zu hören. Ein prachtvoller Doktor Malatesta ist Richard Sveda. Mit heller und raumgreifender Stimme strahlt er eine große stimmliche Autorität aus. Dazu besitzt er den nötigen augenzwinkernden Humor für diese Rolle.

Problematischer ist das junge Liebespaar besetzt: Lavinia Dames spielt zwar eine kokett-gewitzte Norina, aber sängerisch neigt sie anfangs zu starkem Vibrato und hat Probleme, die Register bruchlos zu verbinden.

Schöne solistische Beiträge

Ibrahim Yesilay lässt als melancholischer Ernesto schönes Tenormaterial hören. Jedoch klingt er immer wieder etwas indisponiert, als seien seine Stimmbänder belegt.

Am Pult der Duisburger Philharmoniker steht David Crescenzi, der hier erst kürzlich das Silvesterkonzert der Deutschen Oper am Rhein dirigiert hatte. Er berücksichtigt sowohl die komödiantische Leichtigkeit der Musik, als auch ihre wilde Turbulenz, wenn es etwas drastischer zur Sache geht. Aus den Reihen der Duisburger Philharmoniker sind einige schöne solistische Beiträge zu hören.

Dieser „Don Pasquale“ garantiert dem Publikum einen unbeschwerten und unterhaltsamen Abend, so dass es schließlich am Ende zu Recht viel Beifall für alle Akteure gibt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben