Neue Aktion

Wegwerfen? Denkste! Bastler helfen im Repair-Café

Im Repair-Café gilt das Motto "Wegwerfen ? Denkste " statt. Dort können alle Interessierten ihre defekten Geräte mitbringen und werden dann von Experten wenn es möglich ist, wieder repariert.

Foto: WAZ FotoPool

Im Repair-Café gilt das Motto "Wegwerfen ? Denkste " statt. Dort können alle Interessierten ihre defekten Geräte mitbringen und werden dann von Experten wenn es möglich ist, wieder repariert. Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.  Gelungene Premiere in der Ruhrorter Christen-Gemeinde. Hier können Ratsuchende im neuen Repair-Café Hilfe und Tipps von Bastlern zu ihren kaputten Geräten bekommen, bevor alles sofort in den Müll fliegt.

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Einen gewissen „Meister-Eder-Charme“ versprüht Abdellah Youssfi mit seinem Jeanshemd, dem weißen Bart, der Brille auf der Nasenspitze, der Baskenmütze und dem Tüftlerlächeln auf den Lippen. Der einzige Unterschied: über seine Schulter guckt kein naseweißer Pumuckl, sondern Hannelore Schneepers.

Vor den beiden steht eine aufgeschraubte Kaffeemaschine, aus der die Drähte und Schläuche ­herausragen wie Gedärme in einem Splatterfilm. Eine Paradebeispiel für das Zusammentreffen von Bastler und verzweifelter Kaffeeliebhaberin bei der Eröffnung des „Repair Cafés“ der Christengemeinde Duisburg in Ruhrort an der Landwehrstraße 55.

Schon 40 Standorte bundesweit

Auf das Konzept des Repair Cafés sind Gemeindemitglied Christian Lerz und seine Frau gekommen. Entwickelt wurde das Konzept 2009 ursprünglich in den Niederlanden, von wo aus es sich jedoch schnell nach Deutschland ausgebreitet hat. Über 40 offizielle Standorte gibt es mittlerweile in der ganzen Bundesrepublik verstreut und einer davon befindet sich nun eben auch in Ruhrort. Der Verein „Repaircafe“ unterstützt Neugründungen und hält ein Netzwerk unter den Standorten aufrecht. Die Besonderheit des Ruhrorter Cafés bringt Pfarrer Heiner Heseding auf den Punkt: „Wir sind eine Gemeinde und reparieren hier nicht nur Dinge, sondern auch Seelen, wenn jemand also herkommt mit einem emotionalen Problem, versuchen wir auch dafür das richtige Werkzeug zu finden.“

„Die Grundsätzliche Idee ist es der Wegwerfgesellschaft entgegen zu treten und das Reparieren und Basteln an Geräten wieder an die Leute heranzubringen“, erklärt Jeanette Ehrke, ehrenamtliche Helferin im gemeindeeigenen Café. Sie betreut den Einlass am Eröffnungstag und hat alle Hände voll zu tun. Das Café, in dem sich an einem normalen Freitagnachmittag vielleicht zehn bis zwanzig Leute begegnen, ist gerammelt voll. In emsiger Atmosphäre wird an allen verfügbaren Tischen gebastelt, geschraubt, genäht und ab und zu auch mal geflucht. Die meisten Gäste haben ein Sorgenkind mitgebracht, das sie gerne mal genauer untersucht hätten. „Der Renner sind heute scheinbar Kaffeemaschinen, aber wir haben auch viele Leute, die Kinderkleidung zum Flicken, oder so etwas mitgebracht haben“, weiß Jeanette.

Ansprüche sind unterschiedlich hoch

Die Ansprüche der Gäste sind unterschiedlich hoch, die Probleme mit zunehmender Technisierung komplexer. Während an einem Tisch ein Vater mit seinem Sohn am klemmenden Taschenmesser werkelt, wird am nächsten ein Kassettenrekorder auf Herz und Nieren geprüft.

Auch die Kaffeemaschine von Hannelore Schneepers versagte nach langen Jahren ihre treuen Dienste, der Fehler ist jedoch schnell gefunden. „Das liegt am Widerstand, der ist durchgeschmort“, erklärt der ehemalige Autoschrauber Youssfi. Hannelore Schneepers freut sich: „Jetzt kann ich einfach die richtigen Teile im Internet bestellen und das war’s“. Nun ja nicht ganz- eingebaut werden müssen die Teile schließlich auch noch, dazu kommt Hannelore dann aber wieder zurück zum nächsten Repair Café.

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