Stadtentwicklung

„Weißer Riese“ Hochheide kurz vor der Sprengung

Ein Arbeiter treibt ein großes Loch in eine Wand im Kellergeschoss. durch diese Maßnahme soll das Haus bei der Sprengung leichter in sich zusammenfallen.

Ein Arbeiter treibt ein großes Loch in eine Wand im Kellergeschoss. durch diese Maßnahme soll das Haus bei der Sprengung leichter in sich zusammenfallen.

Foto: Kai Kitschenberg

Duisburg-Hochheide.   Hochheide: Am 24. März 2019 soll eine halbe Tonne Sprengstoff den ersten der sechs „Weißen Riesen“ in die Knie zwingen. Eine letzte Ortsbegehung.

Der Aufzug hängt außen am Gebäude und soll den Tross um Oberbürgermeister Sören Link auf die Dachterrasse des „Weißen Riesen“ in 60 Metern Höhe bringen. Doch stoppte das Gerät bereits nach einem Zehntel der Strecke. Es war überladen, gut die Hälfte der Passagiere musste aussteigen und die restlichen Etagen zu Fuß hinaufkraxeln. Oben angekommen, entschädigte dann der Rundumblick für den mühsamen Aufstieg: Im Süden ein Hüttenwerk, im Norden auch und im Westen der Neiderrhein.

320 Wohnungen gehen in die Knie

Dieser Blick war ein exklusiver, das Haus mit seinen 48.000 Tonnen Beton soll bekanntlich in gut drei Monaten in sich zusammensacken. Letzte Chance für Politiker, Beamte und Co., noch einmal hinaufzusteigen. „Die Schadstoffsanierung ist beendet, die Sprengvorbereitungen laufen“, erklärt Projektleiter Marc Sommer. Man sei voll im Zeitplan, am 24. März kommenden Jahres soll eine halbe Tonne Sprengstoff das einmal 320 Wohnungen umfassende Haus Friedrich-Ebert-Straße 10-16 in die Knie zwingen.

2019 soll der erste "Weiße Riese" gesprengt werden
2019 soll der erste "Weiße Riese" gesprengt werden

21.000 Kubikmeter feste Masse und 100.000 Quadratmeter bebauter Raum sind dann binnen weniger Sekunden Geschichte. „Das Gebäude besteht aus vier Elementen, zwei Blöcke fallen in südlicher Richtung, die beiden anderen in Richtung Norden“, erklärt Ingenieur Sommer.

Grünfläche statt Wohnriegel

Nach der Beseitigung des Schutts soll laut hier Aussage des Planungsdezernenten Carsten Tum eine Grünfläche entstehen, „eine Bebauung wird es an dieser Stelle nicht mehr geben.“ Das gelte übrigens auch für die 1530 Quadratmeter Grundfläche, auf denen das weniger hundert Meter entfernte Hochhaus Ottostraße 24-30 steht. Auch das gehört der Stadt und soll dann im Jahr 2020 gesprengt werden. Ein weiteres steht für 2021/22 auf der Abschussliste, dann wäre die Hälfte der sechs „Weißen Riesen“ zu Schutt verarbeitet worden.

Zunächst aber soll der nicht mehr benötigte Wohnraum Friedrich-Ebert-Straße 10-16 zurückgebaut werden. Wenn es denn diesmal klappt, so war der Sprengtermin im vergangenen Jahr geplatzt, neue Asbestfunde im Putz an Decken und Wänden hatten dafür gesorgt, dass weitere Sanierungsarbeiten von Nöten waren. Laut Aussage der Stadt kostet die Sprengung nun nicht statt wie einst errechnet 2,5 Millionen Euro, sondern rund 3,5 Millionen Euro.

Der Boden unter den Füßen vibriert

Zurück auf der Baustelle, Bagger und andere schwere Geräte sorgen dafür, dass der Boden unter den Füßen vibriert, die Besuchergruppe um den OB befindet sich in zweiten Untergeschoss. Die Sprengsätze, so erklärt es Projektleiter Sommer, werden im ersten und zweiten Untergeschoss platziert und auch in der fünften und sechsten Etage. 3000 bis 4000 Löcher haben Arbeiter für den Kunststoffsprengstoff gebohrt, per Zeitzünder detonieren sie zwei bis drei Sekunden zeitversetzt und das Gebäude fällt. Dass dies wie geplant passiert, versichert Marc Sommer „zu 100 Prozent.“ Man habe große Erfahrung.

Wird dieser Wohnraum wirklich nicht mehr gebraucht? Die Linken hatte jüngst gefordert, das Leerziehen eines weiteren „Weißen Riesen“ zu stoppen, da die Bevölkerungszahl gestiegen sei und ihrer Meinung nach durch Wegfallenden Wohnraum die Mieten steigen würden. Dazu Link: „Wir haben kein Wohnraumproblem in Duisburg und genügend Wohnraum für alle Einkommensschichten.“

Infoveranstaltung für die Bürger in Hochheide

Was die Sprengung samt Evakuierung für die Hochheider Bevölkerung bedeutet, wurde am Mittwoch, 19. Dezember, noch nicht mitgeteilt. Ende Februar/Anfang März werde es laut Hochheide dazu eine Bürgerinformationsveranstaltung geben, bei der offenen Fragen beantwortet werden sollen.

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