Sekundarschule

Wer hat Angst vor der Sekundarschule ?

Die Realschule in Duisburg-Fahrn auf der Netzestraße.

Die Realschule in Duisburg-Fahrn auf der Netzestraße.

Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.  In Walsum bahnt sich ein Konflikt zwischen Vertretern von Realschule und Hauptschule über den richtigen Weg zur Sekundarschule an.

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Kippt in Walsum der viel beschworene „Duisburger Schulkonsens“? Während sich stadtweit die Schulpolitiker, die Schulverwaltung und vor allem auch die Schulleiter seit einem Jahr einig sind, zwischen 2014 und 2016 Zug um Zug in der Stadt eine neue, integrierte Schulform – die „Sekundarschule“ – im Rahmen eines „Zwei-Säulen-Modells“ einzurichten, bei gleichzeitiger Schließung der Haupt- und Realschulen, stemmt sich in Walsum ein Schulleiter dagegen.

Herbert Louis, Leiter der Realschule Fahrn, fragt: „Warum sollte man eine mehrfach ausgezeichnete Realschule schließen und sie zugunsten eines Experimentes, dessen Ausgang zumindest im Ortsteil Walsum äußerst zweifelhaft ist, ersetzen?“

Kundgebung auf dem Kometenplatz

Weil diese Realschule nur deshalb erfolgreich sein kann, solange ihr eine Hauptschule alle pädagogischen Problemfälle abnimmt, und weil Schüler in einer integrierten Sekundaschule gemeinsam besser voneinander lernen - würde Henrike Aust, Schulleiterin der Walsumer Hauptschule an der Ludgerisstraße dazu sagen.

Was - so fragt der Realschulleiter - werde geschehen, wenn es in Walsum nur noch das „gute Kopernikus-Gymnasium, die sehr erfolgreiche Gesamtschule“ und eine neue Sekundarschule geben werde? Louis: „Die Eltern werden ihre Kinder mit Gymnasium-Schulempfehlung lieber gleich zum Gymnasium oder vielleicht zur Gesamtschule schicken, nicht aber zur völlig unbekannten Sekundarschule."

Stadt will ihren Standpunkt erläutern

Diese werde dann zu neuen Hauptschule - zur Restschule – in die wieder die anderen Schulen die leistungsschwachen Schüler abgeben würden. Louis: „Wenn man etwas verändern will, dann tut man das doch, damit der Zustand hinterher besser wird und nicht schlechter, oder?“ Eine Sichtweise, die auch von den Eltern der Realschule wie auch der benachbarten Grundschule Breite Straße voll mitgetragen wird.

Am Donnerstag kommen die Mitglieder der Bezirksvertretung Walsum in einer Sondersitzung zu eben diesem strittigen Schulthema zusammen. Ralf Hörsken, Chef der Bildungs-Holding, soll den Bezirkspolitikern noch einmal den städtischen Standpunkt erläutern.

Dann wird er, wie auch der Realschulleiter, nicht die Kundgebung auf dem Kometenplatz übersehen können. Hier werden sich am Donnerstag ab 16.15 Uhr die BI „Sekundarschule Fahrn - Nein danke“ und die Eltern, Lehrer und Schüler der Hauptschule Ludgerusstraße einander kämpferisch gegenüber stehen.

Die „ewig Gestrigen“

Denn die Pädagogen und Eltern der Hauptschule wünschen sich nichts sehnlicher, als dass endlich der Zustand der hemmungslosen Selektion nach dem Motto „Die guten ins Töpfchen, die schlechten zur Hauptschule“ – aufhören soll. Für Henrike Aust, Leiterin der Hauptschule an der Ludgerusstraße, darf dieser Zustand nicht mehr weitergehen: „Doch die Realschule Fahrn will sich diese Option anscheinend immer noch offen halten, nach dem Motto: „Was wir nicht schaffen, soll doch die Hauptschule erledigen.“ Es könne doch nicht sein, dass der mit allen Parteien zustande gekommene Schulkonsens von einigen „ewig Gestrigen“ ignoriert und aufgekündigt würde.

Für den Realschulleiter ist der Kummer der Hauptschule wohlbekannt: „Hauptschul-Pädagogen machen ganz vorzügliche Arbeit, eine Knochenarbeit. Deshalb: Wir verteilen die Hauptschüler auf das bestehende System in Walsum, und niemand nimmt Schaden.“ Und die geplante Sekundarschule? Sie wäre überflüssig! Zumindest in Walsum.

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