Eheglück

70 Jahre Ehe gelang den beiden spielend leicht

Das Ehepaar Gisela und Rolf Stephan feiert heute die Gnadenhochzeit. Kennengelernt haben sie sich in einer Gaststätte. Foto:

Das Ehepaar Gisela und Rolf Stephan feiert heute die Gnadenhochzeit. Kennengelernt haben sie sich in einer Gaststätte. Foto:

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Rheinhausen.  Gisela und Rolf Stephan feiern heute ihre Gnadenhochzeit. Sie haben 33 Gäste zu einem tschechischen Abend eingeladen. Die 88-Jährige kocht selbst

Das Geheimnis einer 70 Jahre langen Ehe ist spielend einfach, aber eine Portion Glück gehört auch dazu: Kniffeln! Gisela und Rolf Stephan feiern heute ihre Gnadenhochzeit. Sie sind also seit 70 Jahren verheiratet und zwar miteinander und sie denken auch nicht über Scheidung nach. Gisela und Rolf Stephan haben das geschafft, was heute nicht mehr viele schaffen.

„Meine Frau hat mich immer gut verpflegt“, antwortet Rolf lachend auf die Frage, wie man es denn gefahrlos 70 Jahre lang miteinander aushält. Der 91-Jährige ist eine Frohnatur. Gut gelaunt, unterhält sich gerne und – kommt gerade aus der Sauna. Wie jeden Freitag. „Das machen wir schon seit 1995. Wenn meine Frau und ich mal nicht da sind, dann wird sofort nachgehört, ob etwas nicht in Ordnung ist“, erzählt der gebürtiger Erzgebirger, den die Arbeitssuche nach dem Krieg an den Rhein gebracht hat. Auch damals schon gemeinsam mit seiner Frau Gisela. Die ist allerdings gerade im Keller und hängt die Saunawäsche auf.

Tanzen in der Gaststätte von Giselas Eltern

Kennengelernt haben die beiden sich in der Gaststätte von Giselas Eltern. Dort war immer Tanz und Rolf ist mit einem Freund jedes Mal fünf Kilometer zu Fuß in den Nachbarort gelaufen, um Gisela zu sehen. „Einmal, das war mitten im Winter, da haben mein Freund und ich uns verlaufen. Wir waren im Schneetreiben falsch abgebogen und waren nach einer Stunde wieder bei uns im Dorf. Da mussten wir bei Minusgraden noch mal von vorn anfangen und kamen erst an, als der Abend schon fast vorbei war.“

Sauna und Kartenspiele

Gisela wusste die Anstrengung offenbar zu würdigen. Geheiratet wurde, als sie 18 war und er 21. Das ist nun 70 Jahre, zwei Kinder, vier Enkelkinder, zwei Urenkel und viele viele gute Freunde her. Gisela Stephan, mittlerweile aus dem Keller gekommen, hat eine etwas andere Theorie zum Eheleben: „Natürlich gibt es zwischendurch mal Ärger und man ist nicht einer Meinung. Aber irgendeiner muss dann nachgeben und dann redet man drüber und es klappt.“

Gegenseitiger Respekt und eine gewisse Wertschätzung spielen wahrscheinlich auch noch eine nicht geringe Rolle. „Und wir kniffeln jeden Tag zusammen – der Verlierer zahlt“, fügt sie feixend hinzu. Kartenspiele stehen ebenfalls jeden Tag auf dem Programm. Langeweile kennen die beiden nicht. Auch wenn das Geld anfänglich knapp war, haben der ehemalige Kraftfahrer bei einer Möbelspedition und die Verkäuferin in einem Lebensmittelgeschäft sich viele Reiseträume erfüllt. Nach Kenia, Sri Lanka, Kuba und zu vielen wunderschönen Orten in Europa.

Ein tschechischer Abend mit Bier und Knödeln

Jetzt freuen sich beide auf ihren großen Tag. Vorbereitet ist schon fast alles. „Die Familie aus dem Erzgebirge kommt ein paar Tage und wir machen einen tschechischen Abend mit Bier und Knödeln“, erzählt die Gnadenbraut, die selbst auch schon ordentlich vorgekocht hat. „Ich habe Rouladen gemacht, die lieben wir alle.“ Mit 88 Jahren auch keine unbedingte Selbstverständlichkeit, dass die Dame des Hauses sich Höchstselbst um Logis und Verpflegung kümmert. Eine Putzfrau braucht sie nicht, das geht alles noch alleine. Nur einen Fensterputzer leistet sie sich. Das Gewackel auf der Leiter ist ihr dann doch langsam ein wenig suspekt.

Kino, Kuchen, Cocktail

Auch ansonsten steckt sie voller Vitalität und Tatendrang. „Ich gehe jeden ersten Mittwoch im Monat mit ein paar Freundinnen ins Kino-Café. Erst gucken wir den Film, dann gibt es Kuchen und später meist auch einen Cocktail“, erzählt sie. Begleitet wird Gisela bei diesen Ausflügen, bei denen sie sicherlich die älteste ist, unter anderem von ihrer Tochter. „Meine Tochter ist ja auch schon in Rente, die hat Zeit und kann uns alle fahren.“ Doch morgen wird wahrscheinlich niemand so schnell den Heimweg antreten, sondern es wird zünftig gefeiert. Insgesamt 33 Gäste freuen sich auf die neuen und alten Geschichten, die in Schröders Tafelfreuden in Rumeln wieder zu hören sein werden. Das hat sich in 70 Jahren sicherlich jede Menge angesammelt.

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