Traditionsgeschäfte

An dieser Bude in Rheinhausen trank schon Schimanski

Erich Kaschta mit Sohn Nicolas (11) und zwei Stammgästen vor der Trinkhalle am Markt.

Erich Kaschta mit Sohn Nicolas (11) und zwei Stammgästen vor der Trinkhalle am Markt.

Foto: Ulla Michels

Duisburg-Hochemmerich.   Erich Kaschta hat seit 28 Jahren eine Trinkhalle am Hochemmericher Markt. Berühmt wurde der Kiosk durch Schimanski-Krimi „Schicht im Schacht“.

In Insider-Kreisen in Rheinhausen heißt sie die „Schimmi-Bude“. Nur deswegen, weil der Duisburger Hauptkommissar etwa drei Filmminuten lang eine Zeugin in dem Schimanski-Krimi „Schicht im Schacht“ vor der Trinkhalle am Hochemmericher Markt vernimmt. Und einen Handel mit „Speed“ dort platzen lässt.

Die Dreharbeiten waren 2007 und Betreiber Erich Kaschta erinnert sich. „Zwei Tage hatte das Fernsehteam die Bude quasi angemietet und uns eine angemessene Abfindung für den Verdienstausfall bezahlt“, sagt der 55-Jährige. Komparsen waren notwendig, in einer Einstellung durfte Erich Kaschta sogar durch das Bild laufen.

„Das Film-Team hatte eine eigene Komparsin für die Rolle der Verkäuferin im Trinkhallenfenster mitgebracht. Der Regisseur fand aber meine Angestellte besser für die Besetzung der Rolle, so dass sie später auch spielen durfte“, erinnert sich Kaschta. So lugte letztendlich seine damalige Bedienstete Gisela Thamm zwischen Gummibärchen und Colaflaschen hervor.

Während der Befragung trinkt Schimmi gerne Bier

Vorher in der Szene vertreibt Kommissar Horst Schimanski, gespielt von Götz George, die halbstarken Kumpels einer Freundin des Mordopfers. Die lassen ihre halb vollen Bierflaschen auf den Stehtischen stehen – und der Kommissar trinkt sie während der Befragung der Zeugin lässig quatschend, aber auch irgendwie dreist, einfach aus. „Es durfte kein bekanntes, wirklich existierendes Duisburger Bier in der Einstellung gezeigt werden“, erinnert sich Kaschta. Product-Placement lag noch in weiter Ferne. „Stattdessen stand dann irgendein Duisburger Fantasiebier am Platz“, so Kaschta.

Der 2008 gesendete Krimi führt durch einen Mord an einer jungen Frau Nathalie, die mit ihrem Slip im Mund am Hochofen aufgefunden wurde, mehr und mehr ins Stahlarbeitermillieu. Es war der drittletzte Schimanski-Film.

Unterirdischer Zugang zum Bunker

Aber auch, wenn jetzt Horst Schimanski nicht mehr sein Bier an der Trinkhalle in Hochemmerich trinken kann – das Geschäft läuft für Erich Kaschta nicht schlecht. In den 80er-Jahren hatte er eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann bei „Schätzlein“ durchlaufen. „Damals haben wir noch richtige Tugenden wie Kundenpflege gelehrt bekommen“, erinnert sich Erich Kaschta.

Das zahle sich aus: heute verfüge er über einen Stammkundenkreis mit mehr als 300 potenziellen Käufern. „Die zentrale Lage und die Parkmöglichkeiten kommen mir auch zugute“, sagt der Trinkhallenbesitzer, der auch kurzzeitig in der Rheinhauser Disco „Number One“ in den 80ern kellnerte.

„Zigaretten und Schnäpse laufen super.“ Zweimal in der Woche steht er selbst im Laden, ansonsten hat er seine Angestellten, die in zwei Schichten für ihn arbeiten. Seit 28 Jahren betreibt er inzwischen die Trinkhalle, die auch über einen unterirdischen Zugang zum Marktbunker verfügt. Seit 24 Jahren ist er alleiniger Besitzer.

Die Verbundenheit zu den Schimanski-Tatort-Filmen besteht seit ähnlich langer Zeit. Schon als 19-Jähriger wirkte er in dem Tatort „Zweierlei Blut“ von 1984 mit. Wieder als Komparse. „Ich stand dabei vor Kommissar Thanner (Eberhard Feik) auf der Stadiontribüne und der führte gerade Befragungen an den Zeugen des Mordes durch – und dann drückt Thanner mich zur Seite“, sagt Erich Kaschta lachend.

Das Foto hat er auf dem Handy gespeichert

Das Foto hat er auf seinem Handy gespeichert und er erinnert sich gern daran zurück: „In der Mitte des Films liegt Götz George als Horst Schimanski nackt im Mittelkreis des damaligen Wedau-Stadions ...und das Flutlicht geht an.“

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