Stadtgeschichte

Außen hui, innen pfui

Foto: NRZ

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Der Bergheimer Wasserturm feiert ein stilles Jubiläum. In diesen Tagen wird er 100 Jahre alt. Laut seines Besitzers seien die unbenutzten Innenräume „eher nicht vorzeigbar”.

Da wird eine der wenigen Landmarken des Duisburger Westens 100 Jahre alt - und keinen scheint's zu interessieren. Vielleicht, weil das Gebäude vom Eigentümer gar nicht genutzt wird und nur noch als Baudenkmal neben der Bergheimer Mühle steht. Die Rede ist vom 35 Meter hohen Bergheimer Wasserturm, der 1908 seiner Bestimmung übergeben wurde.

Damit ist der Turm - und die daneben liegende Pumpstation, mit der er gemeinsam das Rheinhauser Wasserwerk bildet - älter als die Stadt Rheinhausen. Die Gemeinden Hochemmerich, Werthausen, Schwarzenberg, Atrop, Asterlagen und Winkelhausen - wohlgemerkt: nicht Bergheim, Standort des Wasserwerkes - hatten 1906 beschlossen, eine gemeinsame Wasserversorgung einzurichten. Hintergrund war das Anwachsen der Industrie am Rhein. Krupp und die linksrheinischen Kohlebergwerke lockten Arbeiter zu hunderten an den Rhein, entsprechend wuchs die Bevölkerung.

Ein Jahr nach der Inbetriebnahme gingen auch Bergheimer Haushalte ans Wassernetz. Ab 1938 wurde die Gemeinde Rumeln mit Bergheimer Wasser versorgt, 1939 kam mit dem Krupp-Hüttenwerk der wohl größte Verbraucher dazu. Das sowie das fortschreitende Bevölkerungswachstum führten dazu, dass die ursprünglich vorgesehenen vier Millionen Kubikmeter Jahreshöchstförderleistung 1957 erstmals überschritten wurden. Bis 1996 lieferten die Bergheimer Pumpen noch die Hälfte des Trinkwassers, dann waren die „Gewinnungsreserven” endgültig erschöpft. Da standen Pumpenhaus und Wasserturm aber schon seit vier Jahren unter Denkmalschutz. Abreißen war also nicht drin. Eine zeitgemäße Nutzungsmöglichkeit - etwa wie beim Hohenbudberger Pendant, das mittlerweile ein Künstleratelier beherbergt - ist laut Stadtwerke-Sprecher Helmut Schoofs nicht vorgesehen. Das Innere des Turms sei derzeit auch „eher nicht vorzeigbar” - weshalb die Stadtwerke die Räume lieber hinter verschlossenen Türen halten. Doch zumindest die Außenansicht des Turms erfüllt ihre verbliebene Aufgabe - gut aussehen - mit Bravour. Vor allem, wenn sie im Advent grün angestrahlt wird. Das ist seit 2002 der Fall, die Anregung kam von einem Rheinhauser Schüler. Dann ist der Turm ein weithin sichtbares Wahrzeichen seines Stadtteils - seit 100 Jahren.

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