Nachruf

Der Kämpfer für Rheinhausen – zum Tod von Rudi Lisken

Rudi Lisken mit der Auszeichnung „Friemersheimer Hahn“, di er 2012 im Lehrerhaus verliehen bekam.

Foto: Tanja Pickartz

Rudi Lisken mit der Auszeichnung „Friemersheimer Hahn“, di er 2012 im Lehrerhaus verliehen bekam. Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-Rheinhausen.   Rudi Lisken hat trotz schwerer Krankheit bis zuletzt gekämpft - für mehr als nur den Markt. Eine starke Stimme ist für immer verstummt.

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Als die Markthändler gestern in Rheinhausen ihre Stände aufbauten, war nur auf den ersten Blick alles wie immer, früh am Mittwochmorgen an der Atroper Straße. Aber eigentlich ist nichts mehr so, wie es auf dem zum schönsten Wochenmarkt der Region gekürten Platz einmal war. Denn einer fehlte, stand nach mehr als 50 Jahren nicht an seinem Kartoffelstand: Rudi Lisken, der Ober-Markthändler und Kämpfer für „sein“ Rheinhausen am Niederrhein, ist am Dienstagabend nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren gestorben.

Der Händler, den fast alle nur Rudi nannten, war stolzer Sozialdemokrat und ein großes Stück Rheinhausen. Bis zuletzt schrieb er Faxe in die Redaktion oder rief mit dünner Stimme an: „Rheinhausen, der Ortsteil mit über 80.000 Einwohnern, hat kein Bezirksamt mehr, das kann doch nicht sein.“ Wer Rheinhausen etwas wegnahm, der nahm immer auch Rudi etwas weg.

Rauchende Schlote, Vollbeschäftigung

Die guten alten Zeiten mit rauchendem Krupp-Schlot, Vollbeschäftigung und brummender Innenstadt, er hätte sie so gerne zurückgehabt. Dafür kämpfte er unverdrossen, das Marktforum und auch das gegenüberliegende Seniorenheim, ohne Rudis ständiges Einreden auf den Baulöwen Walter Hellmich hätte es diese Bauten womöglich nie gegeben.

Mit seinen Sozialdemokraten ging er im Ringen um Markt und Bezirk stets hart ins Gericht. Sicher zu deren Unbill nannte er den früheren OB Adolf Sauerland seinen Freund. So ging Rudi mit seinen Anliegen in Zeiten der CDU-Mehrheit selbstverständlich und stets zu ihm. Rudi wollte das beste rausholen für Rheinhausen, den Markt und bestimmt auch für sein Geschäft. Er schonte sich nicht, half immer mit im Kartoffelhandel, den er schon vor Jahren offiziell an seinen Sohn abgegeben hatte.

Luxus brauchte er nicht

Vielleicht hätte er sich mehr gönnen sollen, etwa in den Urlaub fahren mit seiner Frau. Ach was, er hatte ja den Markt, da durfte er mittwochs und samstags nicht fehlen. Oder ein neues Auto kaufen? Wozu, der blaue Mercedes aus den 1980-ern tat es doch noch tadellos. Auch wenn die Federung – wahrscheinlich unter der Last der vielen transportierten Kartoffelsäcke – über die Jahrzehnte doch arg gelitten hatte.

Luxus, den brauchte Rudi nicht. Tolle Geschäfte rund um die Krefelder Straße hätte er sich gewünscht, vielmehr, als irgendetwas für sich persönlich. Er war stets Rheinhausens starke Stimme, eine Stimme, die für immer verstummt ist...
Mach et jot, Rudi.

Hier der Nachruf der SPD

Die Nachricht vom Tode Rudi Liskens hat in der Rheinhauser SPD große Trauer hervorgerufen. „Wir verlieren mit Rudi Lisken nicht nur einen höchst verdienstvollen Kommunalpolitiker, der für Rheinhausen über Jahrzehnte viel bewegt und geleistet hat, sondern vor allem einen lieben Freund und Weggefährten“, betonen Ortsvereinsvorsitzender Dirk Smaczny, Bezirksverbandvorsitzender Rainer Friedrich und Fraktionsvorsitzender Marcus Mellenthin.

Rudi Lisken, so Smaczny, sei nicht nur ein entschiedener und beharrlicher Kämpfer für „seinen“ Wochenmarkt gewesen, sondern habe sich in vielen Bereichen um Rheinhausen und seine Bürger verdient gemacht. Erwähnt seien etwa sein Einsatz für die Neuansiedlung von Geschäften und die Stadtentwicklung sowie sein Engagement für die Brauchtumspflege. Sein jahrzehntelanges politisches Wirken in der und für die SPD lasse sich nicht allein an seinen Ämtern und Funktionen – zum Beispiel Mitglied in der Bezirksvertretung Rheinhausen, Vorsitzender der AG der Selbstständigen und Mitglied im Ortsvereinsvorstand Rheinhausen-Mitte – festmachen – Lisken habe Kommunalpolitik rund um die Uhr betrieben und gelebt.

So sei sein Kartoffelstand auf dem Markt nicht nur eine der wichtigsten Nachrichtenbörsen Rheinhausens gewesen, sondern oft auch Anlauf- und Beschwerdestelle für viele Bürger, denen er stets ein offenes Ohr geschenkt habe. In diesem Sinne habe er sich auch als „Kümmerer“ verstanden und gewirkt.

Ein glaubwürdige Querdenker

Rainer Friedrich hebt die Leidenschaft hervor, mit der Lisken wie kaum ein zweiter für seine Überzeugungen und Vorstellungen gefochten habe. „Er war ein streitbarer Geist und ein Querdenker – Eigenschaften, die Politik nicht unbedingt immer einfacher machen, aber letztlich unerlässlich sind. Leider werden diese immer seltener. Er wird uns fehlen.“ Dass ihm über alle Parteigrenzen hinweg nicht nur Anerkennung und Respekt gezollt wurde, sondern er auch in anderen Parteien und vielen Vereinen Freunde hatte, spreche aus Sicht von Marcus Mellenthin für sich.

„Die Glaubwürdigkeit von Politik lässt sich an Menschen vom Schlage Rudi Lisken festmachen. Es wäre wünschenswert, wenn es noch viel mehr von solchen Menschen im politischen Leben gebe“, so Dirk Smaczny abschließend.

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