Freizeit

Die Piloten des FSC-Rheinhausen feiern 60 Jahre Modellflug

Der FSC Rheinhausen feiert am Samstag, 6. Juli, das 60-jährige Bestehen. Hier einige der Piloten (und eine Pilotin) auf dem Rheinhauser Flugplatz. Foto :

Der FSC Rheinhausen feiert am Samstag, 6. Juli, das 60-jährige Bestehen. Hier einige der Piloten (und eine Pilotin) auf dem Rheinhauser Flugplatz. Foto :

Foto: Norbert Prümen (nop) / FUNKE FotoServices

Die Piloten des FSC Rheinhausen treffen sich jeden Dienstag auf ihrem Modellflugplatz. Am Samstag, 6. Juli, wird der 60. Jahrestag gefeiert.

Rheinhausen. Auf geht’s. Wir heben ab, schrauben uns nach oben, 50, 60 Meter. Der Blick ist prächtig, die Sonne lacht, die Welt blitzblank herausgeputzt. Es geht über Wiesen, Wasser, Bäume hinweg. Bis Torsten Bours, Herr des Quadrocopters, den virtuellen Rundflug beendet. Bours nimmt mir die Video-Brille ab, ein wahres Zaubergerät, das seine Träger mitsamt der Drohne Richtung Himmel befördert. „So, jetzt haben Sie einen Eindruck.“ Wir stehen auf dem Flugplatz des FSC Duisburg-Rheinhausen, etwa zehn Piloten um uns herum. Ein mächtiger Segelflieger zieht die Blicke auf sich, gerade startet ein kleiner Jet Richtung Wolken. Modell oder nicht – hier erfüllt er sich, der uralte Traum vom Fliegen, Höhenrausch und mancher Absturz inklusive.

Laura ist die jüngste Pilotin

Am Ende des Rheinhauser Rheindeichs trifft man die Piloten des FSC jeden Dienstag bei schönem Wetter. 1989 hat der Verein das Gelände gepachtet, 1,5 Quadratmeter Wiese, viel, aber nicht überzogen, „die Fläche braucht man für einen Flugplatz“, sagt Vereinschef Wolfgang Giesen. Theoretisch darf man hier rauf bis zu einer Höhe von 300 Metern, praktisch allerdings halten die FSC-Piloten ihre Modelle so nah am Boden, „dass wir sie noch sehen können.“

Mit aktuell rund 125 Mitgliedern ist der Verein gut aufgestellt. Sie reisen zwischen Düsseldorf und Kleve an - der älteste Pilot ist über 90, der jüngste ist eine sie, Laura, fünf Jahre - derzeit das einzige weibliche Vereinsmitglied. Der Modellflugsport ist immer noch eine Männerdomäne, räumen auch die Flieger ein, wobei sie sich über weitere Frauen in ihrer Mitte durchaus freuen würden.

Im Verein gibt es Kunstflieger, Tüftler und Bastler

Fliegen darf hier praktisch alles. Vom Segelflieger mit einer Spannweite von bis zu sieben Metern über kleine Jets und ferngesteuerte Helikopter bis zu Drohnen, mit denen man ausgestattet mit einer speziellen VR-Brille zumindest virtuell mit abheben kann, wie unser Testflug bewies. Weit- und Überblick inklusive. 25 Kilo dürfen die Modelle, die hier starten, maximal wiegen, teils sind sie mit Benzinmotoren unterwegs, wobei es in diesem Sektor seit 15 Jahren E-Modelle gibt, ausgestattet mit wahren Hochleistungsakkus. „Damit“, sagt Giesen. „können Sie theoretisch ein Motorrad antreiben.“ Die Piloten selbst sind so unterschiedlich wie ihre Modelle. Es gibt Kunstflug- und Technikfreaks, und es gibt Tüftler und Bastler wie etwa Markus Tisius, der die Jugendabteilung leitet. 2017 siegte eines seiner Modelle in der Fernsehsendung „Die Modellbauer“.

Wolfgang Giesen fliegt Helikopter. Er war bereits um die 50, als er den Flugsport für sich entdeckte, erinnert er sich. Los ging es mit einem Billigmodell vom Trödelmarkt. Doch das stürzte ab, auch die nächsten Flugversuche scheiterten mit Totalschaden. Das Fliegen erlernt hat Giesen letzten Endes in der Flughalle. Sechs Jahre ist das jetzt her. Heute weiß er: „Üben, üben, üben - das ist das A und O.“

Nichts geht über Segelflieger

Während Traditionalisten wie der Kollege Klaus Winter, seit 30 Jahren im Verein, sein Segelflugzeug gegen keinen Brummer der Welt eintauschen würde, nickt Frank Matta, als Kassenwart der Finanzminister des Vereins, zustimmend. Auch er bevorzugt Helikopter. Matta begann mit ferngesteuerten Modellautos, mit denen er jedoch konsequent scheiterte. Dann schenkte ihm ein Freund den ersten Mini-Helikopter, „und das war es für mich. Eigentlich wollte ich immer fliegen, schon als Kind. Diese Freiheit in der Luft! Aber damals war das für meine Eltern unerschwinglich.“ Inzwischen sind Anfänger bereits ab 50 Euro und einem einfachen Bausatz dabei. Matta hat seinen Heli heute fest im Griff. Keine Kinderspiel, das kippelige Flugobjekt kerzengerade in der Luft zu steuern. Matta grinst sich eins: „Das ist wie ein Ei auf einem Löffel andersherum halten.“

Es ist spät geworden, 19 Uhr, die ersten Piloten packen zusammen. Noch genug Zeit, um vom bevorstehenden Vereinsfest zu berichten. Am Samstag, 6. Juli wird auf dem Flugplatz ab zehn Uhr das 60-jährige Bestehen gefeiert. Gäste sind eingeladen, sich mit Hilfe der versierten FSC-Piloten in Start, Gleitflug und Landung zu erproben. Neben dem Schüler-Lehrer-Betrieb gibt es Vorführungen der Vereins-Profis.

Auch Meister müssen erst einmal üben

Auf die Kinder warten Mini-Flieger - und wer weiß, vielleicht entdeckt ja jemand vor Ort sein Talent zum kontrollierten Abheben. Giesen erzählt von den ersten Flugversuchen eines vierjährigen Platzbesuchers. Der Opa musste ihn von hinten festhalten, sonst wäre der Knirps unter dem Gewicht der Steueranlage vornüber gekippt. Heute ist er 18 und gilt im Verein als wahrer Kunstflieger. Wahre Meister müssen eben manchmal erst vom Himmel fallen. Die coolsten von ihnen, die steigen einfach wieder auf.

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