Wohin nach der Grundschule?

Die Rheinhauser Sekundarschule hat Raum zur Entfaltung

Ein großes Team: Schulleitung und einige Schüler posieren auf dem Schulhof der Sekundarschule.

Ein großes Team: Schulleitung und einige Schüler posieren auf dem Schulhof der Sekundarschule.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Duisburg-Rheinhausen.   Die Sekundarschule am Körnerplatz 2 bietet den Kindern viel Raum für die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit und will zum Lernen motivieren.

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„Wenn ein Kind hier mal traurig ist, dann fragen die Schüler und Lehrer, wie sie helfen können, das gefällt mir hier sehr.“ Isra Laala, 7e „Ich war vorher auf einem Gymnasium, aber da war der Druck so groß, dass ich mir gar nichts mehr zugetraut habe. Hier schreibe ich jetzt gute Noten.“ Elen Bulut 7b „Wir haben hier Lautstärke- und Zeitwächter, das macht total Spaß.“ Nuri Kirschmann 6d Gleich 14 Sekundarschulexperten haben sich zusammengefunden, um zu erklären, was ihre Schule so einzigartig macht. Elf davon sind Schüler. Sie alle hatten vorher größere oder kleinere Probleme auf anderen Schulen und sind nun froh, die Schule am Körnerplatz besuchen zu dürfen. „Bei uns steht ganz klar das Individuum im Vordergrund. Wir gehen hier einen eigenen Weg.“ Schulleiterin Martina Seifert stellt ganz klar heraus, dass das zugrunde liegende Konzept auf Teamarbeit beruht. Auf Zusammenarbeit zwischen Lehrern und genauso auch mit Schülern.

Bewusste Entscheidung des Kollegiums

„Das gesamte Kollegium hat sich bewusst für diese Schule mit ihrem ungewöhnlichen Konzept entschieden. Wir ziehen hier alle an einem Strang“, erklärt auch die stellvertretende Schulleiterin Nicole Schlett, die allerdings gar nicht gerne als solche bezeichnet wird, da es ja ein Teamkonzept ist. Deshalb sitzen auch elf Jungen und Mädchen unterschiedlicher Jahrgangsstufen mit am Tisch, die erklären, was das Lernen an ihrer Schule schöner macht als das, was sie bisher kannten.

„Wir arbeiten ganz viel in Tischgruppen. Jeder am Tisch hat eine bestimmte Funktion“, erklärt Kilian John aus der 7e. „Jede Tischgruppe hat einen eigenen Namen und es gibt für jede Gruppe einen Lautstärkewächter, einen Materialwächter und noch andere Aufgaben.“ Während der Lehrer einen Sachverhalt erklärt, sind die Kinder der Tischgruppen dazu angehalten aufzupassen, aber auch, ihren Nachbarn, die vielleicht nicht ganz so fix sind, den Sachverhalt erneut zu erklären. Hierfür gibt es eigene Experten am Tisch, die dann einspringen und schauen, wo der Schuh drückt. „Manchmal sind das ja nur Kleinigkeiten, die man sich nicht traut, in der ganzen Klasse zu fragen. Aber am Tisch ist das kein Problem“, sagt Elen Bulut aus der Klasse 7b.

Schüler unterrichten Schüler

Die Idee „Schüler unterrichten Schüler“ ist eine der Säulen des pädagogischen Konzepts. Es gibt ganz eigene AGs, in denen die Kinder sich gegenseitig das Manga-Zeichnen oder das Drehen von Video-Lernfilmen näherbringen. Alles Teil des Ansatzes, Schülern Mitbestimmungsrechte und damit basisdemokratisches Denken näherzubringen. „Wir erziehen hier die Generation von morgen und das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Das gesamte Lehrerkollegium schaut bei der Wissensvermittlung, die hier natürlich ebenso stattfindet wie auf allen anderen Schulen, eher darauf, wie sie die Kinder zum Lernen motivieren kann und nicht zu sehr auf den Notendurchschnitt, der dann irgendwann einmal für die Klasse herauskommt“, so die Rektorin.

Ganz besonders gefreut hat das zu Anfang seiner Schullaufbahn an der Sekundarschule Tim: „Ich war in Englisch erst mal nicht so gut, habe nicht mitgemacht und mir auch nichts zugetraut. Vor den Arbeiten hatte ich dann schon ein wenig Angst. Doch zuerst einmal durfte ich die Arbeit mitschreiben, aber sie wurde nicht bewertet, damit ich nicht so einen großen Druck habe. Jetzt bin ich in Englisch sogar ganz gut.“

Dies ist nur ein Beispiel von vielen, die den Unterschied im Konzept zu herkömmlichen Schulen verdeutlichen. „Wir können die Kinder ohne die konkrete Bewertung wesentlich besser zum Lernen motivieren. Wir wollen, dass die gesamte Unterrichtslast von ihnen abfällt und sie Spaß an der ganzen Sache entwickeln“, erklärt Seifert. Das einstimmige Kopfnicken der Schüler gibt ihr Recht.

70 Kinder schafften die Oberstufenqualifikation

Auch die Zahlen sprechen für diesen Ansatz: Gut 70 Jungen und Mädchen haben in diesem Jahr die Oberstufenqualifikation geschafft. Insgesamt hat die Schule 406 Schüler, aufgeteilt in 16 Regelklassen. Sie arbeitet in Kooperation mit der hiesigen Heinrich-Heine-Gesamtschule. Das heißt, die Schüler verlassen die Sekundarschule entweder in Richtung Kooperationsschule, um dort ihr Abitur zu machen, zu einer anderen weiterführenden Schule oder direkt in den Beruf.

Allerdings gibt es bereits Gespräche mit der Stadt, die einen Ausbau zur Gesamtschule zum Ziel haben. Für das Lehrerkollegium eine sinnvolle Lösung, da die Schule immer mehr Zulauf findet und das Konzept sich etabliert hat.

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