Die Suche nach einer guten Welt

Menschen ein Gesicht geben, die Realität in all ihren Facetten abbilden und Gemälde als Spiegel der Gesellschaft begreifen: Wer die Kunst von Serap Riedel betrachtet, fühlt sie. Hautnah zu erleben ist dies ab sofort in der freien evangelischen Gemeinde in Rheinhausen. Jetzt eröffnete die Duisburger Künstlerin im restlos gefüllten Saal. An den Wänden sind sie zu sehen: 25 Bilder stellt Riedel in der Kirche aus. Das kleinste Bild hat die Maße 20x30 Zentimeter, das größte ist 2 Meter x 80 Zentimeter groß.

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Menschen ein Gesicht geben, die Realität in all ihren Facetten abbilden und Gemälde als Spiegel der Gesellschaft begreifen: Wer die Kunst von Serap Riedel betrachtet, fühlt sie. Hautnah zu erleben ist dies ab sofort in der freien evangelischen Gemeinde in Rheinhausen. Jetzt eröffnete die Duisburger Künstlerin im restlos gefüllten Saal. An den Wänden sind sie zu sehen: 25 Bilder stellt Riedel in der Kirche aus. Das kleinste Bild hat die Maße 20x30 Zentimeter, das größte ist 2 Meter x 80 Zentimeter groß.

Der Bilderzyklus erzählt eine besondere Geschichte: Die Geschichte von Ursachen, Weg und Ankunft der Flucht. Eigentlich ist es nicht nur die Geschichte der Flucht, sondern es sind zahlreiche individuelle Lebensgeschichten, die Riedel mit ihren Bildern erzählt. Ein ganzer Bilderzyklus ist gespickt mit ihren Eindrücken: „Der weite Weg“ nennt sie den Zyklus. Gleichnamig ist ihre Ausstellung, die bis Ostermontag, 2. April, in der Gemeinde an der Krefelder Straße 243 zu sehen ist.

Kirche als Ort der Begegnung

Die Kirche als Ort der Begegnung wird zum Ort der Kulturen und zum Symbol des Zusammenhalts. Schon bei der Eröffnung war eine besondere Atmosphäre zu spüren. Mit dem Duisburger Allewelt-Ensemble gestalteten Flüchtlinge den musikalischen Rahmen. Sie präsentierten den Sound verschiedener Kulturen. Alle eint eines: Die Suche nach einer guten Welt. Miriam Schlünkes, Sängerin der Moerser Band „Brave New World“, sang über Freiheit, Brüderlichkeit und fragte: „Europa, wo ist dein Lächeln?“

Von der Musik berührt, war die Ausstellungseröffnung für Riedel ein emotionaler Moment. Kunstbegeisterten ist die aus der türkischen Stadt Sivas stammende Künstlerin vom Tag der offenen Ateliers bekannt. Wenn sie ihr Atelier an der Stresemannstraße 16 öffnet, zeigt sie: Hier findet man ihr Herz, in dem sie zwei Welten vereint. Deutschland und die Türkei sind ihre Heimat, die Kunst ist ihr zu Hause. Autodidaktisch brachte sich die Dozentin für Acrylmalerei ihr kreatives Schaffen bei und zeigt in der Ausstellung ihre detaillierte Sicht auf die Welt.

„Ich male zuerst im Kopf“, sagte Riedel beim Rundgang, vorbei an Bildern, die Flucht, Waffenhandel und Polizeigewalt auf besondere Weise interpretieren. Da sind die kräftigen und bunten mit der Spachtel auf Leinwand aufgetragenes Öl und Acryl, das Menschen mit Munition ein Gesicht gibt. Da ist der Panzer mit rosa Reifen, die in ihrer Farbgebung eine zarte Ironie symbolisieren. Ihre Eindrücke sammelt Riedel durch die Beobachtung: „Ich sehe etwas im Fernsehen oder sehe in der Türkei ein Kind am Straßenrand sitzen, behalte den Blick und male ihn“, so Riedel. Sie ist überzeugt: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“

Bilder haben bewusst keine Titel

Mit Kunst bewegt Riedel auch die Menschen in Duisburg: Sie unterstützt die lokale Flüchtlingsarbeit, zum Beispiel im Verein „Mehr Flüchtlingshilfe Rheinhausen“. Engagiert ist sie in der Kunsttherapie mit Flüchtlingskindern im Alter von acht bis 15 Jahren. Auch davon wurde sie inspiriert: Ein Bild zeigt Aleppo als surrealistisch erscheinende, zerstörte Stadt. Ganz bewusst tragen die Bilder keine Titel: „Jeder soll selbst betrachten und fühlen, ganz ohne Vorgabe.“ Selbst erleben ist dies ab sofort in ihrer Ausstellung.

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