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Duisburg-Homberg: Hausbesitzer beklagt schlimme Zustände

Ziemlich finster, selbst an einem Vormittag: Der Fußgängertunnel an der Augustastraße in Duisburg-Homberg.

Ziemlich finster, selbst an einem Vormittag: Der Fußgängertunnel an der Augustastraße in Duisburg-Homberg.

Foto: Sivani Boxall / FUNKE Foto Services

Duisburg-Homberg.  Jörg Löhning ist Hausbesitzer an der Augustastraße in Homberg. Der Hauseingang liegt in einer Passage. Die Zustände sind mehr als unappetitlich.

Jörg Löhning hat den Aktenordner mitgebracht. Einige haben sich gefüllt in den letzten Jahren. Zum Schriftverkehr mit der Stadt und anderen öffentlichen Stellen enthält er Fotografien, die beweisen, was er im Fußgängertunnel vor der Türe alles findet. Scherben, Kippen, Müll, menschliche Exkremente. Kürzlich ist ein neues Bild dazu gekommen. Unbekannte haben Silvester im Briefkasten seines Wohnhauses an der Augustastraße einen Feuerwerkskörper gezündet, der diesen bei der Explosion zerstörte. Löhning weist auf ausgebeultes Aluminium, durch den Briefschlitz kann man in den Hausflur schauen. „Das war ein richtig dicker Böller.“

In der Fußgängerzone stehen viele Geschäfte leer

Es ist ein grauer Vormittag in einer ebenso grauen Fußgängerzone. Die letzten Jahre haben auch der Einkaufsstraße in Alt-Homberg einen zunehmenden Leerstand beschert, durch verklebte Schaufenster blickt man in verlassene Räume. Es nieselt. Kaum jemand ist unterwegs.

Löhning ist an der Augustastraße aufgewachsen, seine Mutter ist 87 und immer noch hier. Die Familie besitzt ein Wohnhaus, sechs Parteien, ein Bau von 1975, in den 90ern erworben. Löhning ist inzwischen weggezogen. Mit Abstand und zunehmender Besorgnis beobachtet er nun das, was er eine „Abwärtsspirale“ nennt: Geschäfte schließen, Wohnstruktur geht verloren. Wer es sich leisten kann, geht weg. Fallende Mieten ziehen Armut und Verwahrlosung an. Gelangweilte Halbstarke okkupieren Plätze, Jungvolk ohne Job und Perspektive. Die ehemals gute Gegend ist auf dem Weg zum Sorgenkind.

In Löhnings Fall manifestiert sich das überdeutlich in der Passage, die von der Augustastraße zur Parallelstraße führt. Sie betrifft ihn unmittelbar; der Hauseingang liegt in der Mitte. 25 Meter misst der Tunnel, uneinsehbar von der Straße aus. Mit Graffiti beschmierter Beton, von schmutzigen Lampen in Schummerlicht getaucht. „Ein dunkles Loch“, sagt Löhning. Ideal für alle, die unbeobachtet sein wollen. Zigfach hat er Müll, Ölflecken, Urinpfützen, Erbrochenes und andere Hinterlassenschaften dokumentiert, bei denen er sich bisweilen fragt, „ob sie von einem Hund oder von einem Menschen stammen“.

Kleinkriminelle fühlen sich im Tunnel an der Augustastraße offenbar wohl

Ein Ort auch, an dem gesessen und gepöbelt wird, der Kleinkriminelle anzieht. Bewohner haben bereits weggeworfene Drogentütchen gefunden. Ein Foto in Löhnings Mappe zeigt eine Bierflasche mit einem abgeschlagenen Hals. Eine schnell gebastelte Waffe. Neujahr gegen 0.30 Uhr hat jemand mit einem Böller den Briefkasten gesprengt, eine Riesenexplosion, die durch das gesamte Haus krachte. „Überall im Hausflur lagen Scherben“, schildert Löhning, „nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn da jemand gestanden hätte.“ Die Reparatur ist aufwändig und teuer, wenn sich was verzogen hat, muss er den ganzen Eingang erneuern lassen. „Da sind Sie schnell bei 8000 bis 10 000 Euro.“ Ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Löhning berichtet von leerstehenden Wohnungen, davon, dass er die Miete, die er veranschlagen müsste, nicht mehr nehmen kann. Dass das Haus an Wert verliert und seine Mutter nicht gut beieinander ist, weil sie sich Sorgen macht. Dass er „natürlich“ daran denke, zu verkaufen, wohl wissend aber, dass dies weit unter Wert geschehen würde.

Auch das Hotel „Zum Bügeleisen“ klagt über den unappetitlichen Tunnel

Löhning hat ein Schreiben des Hotels „Zum Bügeleisen“ dabei, das gegenüber liegt. Darin ist von Gästen die Rede, die etwa auf der Schmiede- oder Parallelstraße parkten und ihre Trollis durch Urinpfützen im Tunnel zum Eingang ziehen müssten. Von Lampen, von denen „lange fette Spinnweben“ hingen, „Gruselfaktor 10.“ Und immer wieder lungerten im Tunnel „Männer aller Altersklassen“ herum.

Löhning sucht seit Jahren Hilfe, immer wieder bei der Stadt, der die Passage gehört. Seine Forderungen klingen vergleichsweise bescheiden. Während man im Hotel empört eine häufigere Reinigung des Tunnels fordert, drängt er auf den Einsatz eines Hochdruckreinigers, „mit dem Besen bekommt man das nicht weg.“ Außerdem wünscht er sich helle Farbe an der Decke und den Wänden des Tunnels. Und er will eine „vernünftige Beleuchtung. LED-Lampen, fünf, sechs Stück“. Seit 2017 bereits regt er eine Videoüberwachung an, um ungebetene Besucher abzuschrecken. „Muss erst wirklich etwas passieren, bevor etwas geschieht?“

Als Kind konnte man in Alt-Homberg überall spielen

Seit drei Jahren kommuniziere er erfolglos mit der Verwaltung, schildert Löhning. Und mittlerweile ist er sauer. Dabei sind die Anlieger mit ihren Befürchtungen nicht allein. Mario Mikesic, Vorsitzender des Werberings, richtete unlängst einen Appell an die Kommunalpolitik. Er beklagt eine „neue Leerstandsöde im Ortskern“; Banken zögen weg, Geschäfte schließen, jetzt soll auch noch die Polizeiwache an der Moerser Straße dicht machen.

Bei Löhning kommt eine gewisse Wehmut dazu. Als Kind hat er gern hier gelebt. Er erinnert sich gut an bessere Zeiten der Augustastraße, als alles lebendig war, bunt und schön, „und man überall spielen konnte. Früher gab es ein soziales Miteinander, aber jetzt hat man die Hand nicht mehr drauf. Seit Jahren geht es hier bergab.“

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