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Frank Goosen: Leseprobe aus „Kein Wunder“ im Kulturspielhaus

Frank Goosen ist auf Lese-Tour. Am Wochenende kam er ins Kulturspielhaus in Rumeln-Kaldenhausen.  Foto:

Frank Goosen ist auf Lese-Tour. Am Wochenende kam er ins Kulturspielhaus in Rumeln-Kaldenhausen. Foto:

Foto: Rainer Raffalski / Funke Foto Services GmbH

Duisburg-Rumeln/Kaldenhausen.  Zeitreise zurück in die 80er Jahre: Der Ex-Tresenleser gab im Kulturspielhaus in Duisburg-Rumeln Auszüge aus seinem neuen Roman zum Besten.

„Ist das hier schon Holland?“, fragt der Bochumer Schriftsteller Frank Goosen im Rumelner Kulturtreff Alte Dorfschule. Ja, es geht noch „tiefer in den Westen“, als er es von Herbert Grönemeyers Song „Bochum“ her gewohnt ist. „Manche Orte entlang der A40 waren mir völlig neu“, scherzt der 53-Jährige. „Aber ich liebe das flache Land am Niederrhein, da kann man seine Gegner schon von Weitem nahen sehen.“

Von Widersachern kann aber im Kulturspielhaus keine Rede sein, denn etwa 110 Sympathisanten des Bochumer Prosaisten sind gekommen, um Auszüge aus seinem neuen Roman „Kein Wunder“ zu hören. Ein Buch, das im Sommer 1989 kurz vor dem Mauerfall spielt.

Erste Abenteuer auf der Transitstrecke nach West-Berlin

Zum Plot: Fränge studiert in West-Berlin irgendetwas, um dem Anschein nach dem Wehrdienst zu entgehen. „In Wirklichkeit ist Fränge aber untauglich, und will cool wirken bei seinen Freunden durch sein WG-Leben in der geteilten Stadt, außerdem hat er zwei Freundinnen – eine im Osten und eine im Westen“, so Frank Goosen. Die Bochumer Kumpels Brocki und Förster machen sich auf, um ihn zu besuchen und erleben schon so manche lustige Begebenheit auf der Transitstrecke nach West-Berlin.

Eine turbulente Ost-West-Komödie - gut recherchierte und mit viel Humor

Frank Goosen liest in einer Szene, als Brocki einen Grenzbeamten sturzbetrunken „Herr Oberförster“ nennt und ihn fragt, ob er barfuß zu Patty Smiths Musik im Todesstreifen tanzen wolle. Die Grenzer finden das gar nicht so lustig und gespenstischer kann die Atmosphäre für die zwei Jungs aus dem Ruhrgebiet jenseits des Schlagbaums kaum werden, als Goosen es detailliert beschreibt.

Es entwickelt sich eine turbulente, wohl recherchierte und mit viel trockenem Humor durchsetzte Ost-West-Komödie, die drei junge Männer Anfang 20 zeigt, wie sie ihr eigenes Leben und ihre Befindlichkeiten in Zeiten politischer Umwälzungen zwischen verstaubtem Ruhrgebiet und schmutzigem Berlin versuchen in den Griff zu kriegen. Goosen lässt seine Helden in die alternative Szene eintauchen, die „Zeche“ aus Bochum dient als Zufluchtsort – in Berlin taumeln die drei durch die linksintellektuelle WG-Szene. Förster hat vielleicht die meisten Persönlichkeitszüge des Erzählers angenommen, studiert er doch Germanistik und Geschichte – und will Schriftsteller werden.

Klassenfahrten nach Berlin in den 80er Jahren

Hin- und hergerissen ist Förster letztendlich zwischen Filmemacherin Beate in Bochum, die ihn versucht zu einem alternativen Kultfilm über das heruntergekommene Ruhrgebiet, Marke „Die Abfahrer“, zu bewegen – und Fränges Freundin Rosa aus Ost-Berlin, in die er sich schlussendlich verliebt. So ist auch der Konflikt unter den Freunden programmiert.

„Außer, dass ich in den 80ern auf Klassenfahrten öfter in Berlin war, hat der Roman aber keine autobiografischen Züge“, gesteht Goosen. Auf dem Cover seines Romans erkennt man viele Juwel-Camping-Kocher. „Das war das einzige, was man sich sinnigerweise nach dem Zwangsumtausch von 25 West- in Ostmark dort kaufen konnte.“

Sein Held Fränge betreibt einen kleinen Handel mit den Brennern, indem er bei jedem Besuch seiner Freundin einige gen Westen importiert. Goosen: „Mit Bier besaufen, das ging nicht, kostete doch ein halber Liter nur 52 Pfennig.“ Und das war selbst für seine Helden, „alles gestandene westfälische Pilstrinker, zu viel….

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