Konzert

Friedel Geratsch von Geier Sturzflug hat den Blues

Altrocker Friedel Geratsch spielt in Rheinhausen auf seiner selbst gebauten Gitarre Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Altrocker Friedel Geratsch spielt in Rheinhausen auf seiner selbst gebauten Gitarre Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Friedel Geratsch, der einst mit Geier Sturzflug so wild auf der Neuen Deutschen Welle ritt, kann auch anders: besinnliche Klänge in Rheinhausen.

Neulich hatte er noch einen großen Auftritt im ZDF-Fernsehgarten mit der Band „Geier Sturzflug“. Bei einer Sondersendung zu 50 Jahren Hitparade mit Moderatorin Andrea Kiewel. „Natürlich haben wir unseren Hit „Bruttosozialprodukt“ bei Kiwi gespielt“, sagt Friedel Geratsch, der selbst 40 Jahre mit „Geier Sturzflug“ verbandelt ist.

Die Küche wird zur Garderobe

In der Rheinhauser Sofienklause spielt der 68-jährige Gitarrist und Sänger keine Hits, er macht die Eckkneipe zum „Blues Corner“. Da, wo sonst der Stammtisch sitzt, ist Geratschs Bühne, umziehen muss er sich in der alten Küche der Kneipe. „Das macht mir nichts, ich habe mich auch schon auf dem WC umgezogen.“ Kautzig wirkt er mit seinem Hut mit der Feder und der Nickelsonnenbrille. Selbst gebaute Gitarren aus alten Zigarrenboxen und Holzlatten spielt er bei seinem Gig.

„Manche denken deswegen, ich habe nicht alle Latten am Zaun“, scherzt der Blues-Mann. Viele Lieder aus seinem Leben präsentiert der gebürtige Essener, der jetzt im Taunus wohnt. Doch: „Es war nicht immer schön, was ich erlebt habe“, gesteht Friedel Geratsch und nimmt die etwa 70 Gäste in der Sofienklause mit auf ein blueslastiges Leben voller Höhen und Tiefen – das auch mal in seiner Abhängigkeit zum Alkohol endete. „Es war nicht immer schön mit dir, aber dafür auch nicht leicht“ oder „Wenn du ein leichtes Leben willst, nimm nicht zu viele Koffer mit“, singt er über Beziehungsprobleme in Songs vom Album „Blues zum Frühstück“, das er mit der Band „Garage 3“ aufgenommen hat.

Mit seinem Bottleneck am Ringfinger der linken Hand gleitet er über die Saiten der Gitarre und regelt die Lautstärke über die Volumenregler am Korpus der Zigarrenbox nach. „Ich habe die Poti aus alten Wasser- oder Schnapsflaschen selbst gebastelt“, erklärt er dem Publikum, während sich die 70 Gäste in den Hüften wiegen und in die Hände klatschen.

In dem Song „Wer kann denn hier noch fahren“ spielt Geratsch auf die Beziehung zu seiner Ex-Band „Geier Sturzflug“ an. „Die haben mich einst nur genommen, weil ich als einziger einen Führerschein hatte“, erklärt er den Gästen. Ob er aber nach durchzechten Nächten wirklich noch fahren konnte, steht auf einem anderen Blatt.

Gespielt wird für ein Tierheim

Der Mann hat einfach den „Ruhrpottblues“, den er dann mit seinen Fans singt. Extra aus Hamborn angereist ist Harald Hintze mit seiner Frau Gerda. „Das ist ja schön, dass es noch solche Live-Musik in Kneipen hier gibt“, sagt der 70-Jährige und seine Frau fügt hinzu: „Ich mag besonders seine ruhigen Songs.“

Dann gibt es auch noch eine alte Ballade von „Geier Sturzflug“ als Zugabe. „Oh Josephine“ stimmt Friedel Geratsch an, Pierre Lavendel von The Cokeras begleitet ihn harmonisch auf der Mandoline – und die Einnahmen aus dem Hutkonzert gehen an ein Tierheim in Hanau.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben