Theater

„Gute Geister“ begeisterten beim Friemersheimer Kultursommer

Die Geister und ihre Opfer: Auf der Bühne in der Aula der Dahlingschule ging es hoch her.

Die Geister und ihre Opfer: Auf der Bühne in der Aula der Dahlingschule ging es hoch her.

Foto: Christoph Wojtyczka

Duisburg-Rheinhausen.   Britischer Humor trifft polternde Komik: Viel Applaus für die Bühne 47, die den Auftakt gestaltete. Umzug wegen des Wetters in die Schulaula.

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Gut, dass die Organisatoren des Friemersheimer Kultursommers Bühne und Bierwagen, die bisher jedes Jahr neben Dorfkirche und altem Pastorat standen, in die nahe Dahlingschule verlegen ließen, denn es wäre mit nassen 14 Grad am Freitagabend beim Theaterstück der Bühne 47 draußen richtig ungemütlich geworden. Pfarrer Thomas Gregorius: „Die Entscheidung fiel Mittwochabend, die Aufbaufirma hat die Kulissen dann ohne Umschweife in der Schulaula aufgebaut.“ Den rund 140 Zuschauern bot sich eine feine Akustik beim Stück „Gute Geister“ – und keine kalten Füße.

Großartige Laienschauspieler

„Das Stück ist geprägt von feinem englischen Humor, wir haben es aber noch leicht abgewandelt“, sagt Regisseur Aljoscha Liebert. „Auch mal mit polternder Komik versehen, wie es unser Publikum gewohnt ist“, so der 32-Jährige. Und er kann auch im 70. Jahr des Bestehens der Bühne 47 auf großartige Laienschauspieler zurückgreifen, die ihr Können in der feinfühligen Komödie der zeitgenössischen, englischen Autorin Pam Valentine unter Beweis stellen.

In einem verschrobenen Landhaus spuken die Geister des verstorbenen Autors Jack Cameron und seines Partners Jonas (großartig: Stephan Jacob-Emmert und Sascha Stüttgen). Sie wandeln mit weiß geschminkten Gesichtern durch das Haus und sorgen für Verwirrung, eben weil auch Geister Privatsphäre wollen. Mal hängt ein Bild schief, mal fliegen Christbaumkugeln durch die Luft, jedenfalls hat es Vermieter Mark Webster (Walter Glaser) schwer, Bewohner für das Anwesen zu finden.

Die Geister bleiben für die Akteure unsichtbar

Doch das junge Ehepaar Simon und Flic Willis (Stefan Lammert, Sandra Casagranda) zieht ein, auch weil der erfolglose Schriftsteller die Ruhe braucht, um endlich seinen Roman fertigzustellen. Jedenfalls bekommt er neue Inspiration, als er erfährt, dass es das Anwesen des bei einem Badeunfall gestorbenen Autors ist.

Das Witzige im Stück: Während Simon also über seiner Schreibmaschine nach Ideen brütet, machen die Geister von Jack Cameron und Partner Jonas im Hintergrund ihre Späße, verlegen das Skript, spuken herum und geben ironische Kommentare zum Geschehen ab. Sie bleiben aber für die Akteure unsichtbar.

Ein Treffen mit dem Biest von Baskerville

Witzig wird es, als auch noch die knorrige Schwiegermutter Marta naht, wunderbar überzogen gespielt von Andrea Legrand. „Oh Gott, das Biest von Baskerville kommt!“, ist der für Lacher sorgende Kommentar von Simon, als der uninspirierte Autor davon erfährt. Diese poltert ins alte Haus: „Was ist das für eine Sickergrube hier!“ Jack und Jonas lernen mal eben durch den eingeflogenen Schutzengel Nr. 7 (berlinernd: Viola Müller) die Gedankenübertragung durch Handauflegen, und flößen Simon dann ihre Ideen und Willen ein.

Großartig, wie auch die Akteure in diesen Szenen ihren Text dabei zu dritt synchron sprechen. Und es kommt noch zu einer wilden Liebesszene zwischen Marta und Mr. Webster, die sich wild und mit offenem Hemd auf dem Teppich wälzen. Da spendet das Publikum Szenenapplaus. Das Ende ist für viele unerwartet, langer Beifall von den beeindruckten Zuschauern. Die unter Markus Frenzel selbstgebaute Fachwerkhaus-Kulisse sorgte für eine richtig heimelige Atmosphäre in Friemersheim.

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