Blaualgenbefall

Hilft ein Zaun gegen Blaualgen?

Seit zwei Jahren ist das Ufer des Kruppsee-Freibades in Friemersheim durch einen Zaun geschützt.

Seit zwei Jahren ist das Ufer des Kruppsee-Freibades in Friemersheim durch einen Zaun geschützt.

Foto: Hendrik Niebuhr / FUNKE Foto Services

Im Westen.  Bei Hitze vermehren sich die giftigen Bakterien in den Seen. Am Kruppsee ist die Wasserqualität „ausgezeichnet“. Ist eine Absperrung der Grund?

Keine Enten weit und breit, keine Gänse und auch keine entsprechenden Hinterlassenschaften der Vögel auf der Wiese oder am Strand. „Wir haben hier seit zwei Jahren einen Zaun, der den Zugang vom See auf die Wiese des Freibades abriegelt und den wir abends komplett verschließen“, sagt Jörg Paeßens, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Schwimmverein (SV) Rheinhausen 1913. „Und seither kommen auch keine Gänse und Enten mehr abends ins Freibad.“ Warum, weiß er nicht. Eigentlich könnten die Vögel ja vom See aus ans Ufer fliegen. „Aber irgendwie machen die das nicht. Die gehen wohl nur zu Fuß an Land“, vermutet er.

Ob dies allerdings der Grund ist, dass auch nach den sehr heißen Tagen in der vergangenen Woche die Wasserqualität im Kruppsee tatsächlich – im Gegensatz zu anderen Seen in Duisburg – immer noch ausgezeichnet ist, weiß Jörg Paeßens nicht. „Aber ich vermute es“, sagt er. Denn unter anderem auch durch die Hinterlassenschaften von Gänsen und Enten vermehren sich Bakterien im Seen. Dies bestätigt auch Jürgen Hinke, 1. Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Duisburg. „Und es ist tatsächlich so“, sagt der Nabu-Vorsitzende, „dass die Gänse und Enten von solchen Zäunen aufgehalten werden. Allerdings nur jetzt im Sommer, wenn sie Jungtiere haben, die noch nicht über die Barrieren hinwegfliegen können. Die Zäune können also tatsächlich helfen, das Problem einzudämmen“, so Hinke.

Bakterien im Uettelsheimer See

Denn: je heißer es wird, desto schneller vermehren sich die auch durch Überdüngung verursachten Blaualgen. Die, so die Stadt in einer Pressemeldung, kämen zwar in heimischen Gewässern natürlicherweise auch vor und seien im Allgemeinen auch nicht gefährlich, aber „unter besonderen Bedingungen, bei Schönwetterperioden beispielsweise oder Überdüngung (zum Beispiel infolge der Fütterung von Wasservögeln), können sich diese Bakterien stark vermehren“, heißt es.

Erst am vergangenen Donnerstag wurde im Duisburger Süden wegen Blaualgenbefalls das Freibad Wolfssee in Wedau vorerst geschlossen. Bei Kontrollen stellten „Mitarbeiter des Gesundheitsamtes fest, dass sich die Blaualgen mittlerweile auch auf den Bereich des Freibades ausgebreitet haben“, meldete die Stadt. Das Wasser werde nun täglich kontrolliert.

Nur einen Tag später, konnten die für Mensch und Tier giftigen Bakterien auch im Uettelsheimer See in Homberg nachgewiesen werden (wir berichteten). Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe (WBD) hatten hier den Blaualgenbefall festgestellt, da das Gesundheitsamt nur die zugelassenen Badegewässer (Wolfssee, Großenbaumer See, Kruppsee) kontrolliere, während in allen anderen Seen das Baden nicht erlaubt sei, so Gabi Priem, Pressesprecherin der Stadt.

Die WBD wiesen allerdings am Freitag darauf hin, dass auch „Hundebesitzer ihre Hunde nicht im Uettelsheimer See schwimmen, aber auch nicht trinken lassen“ sollten.

„Fische nicht essen“

Und auch Fische aus den befallenen Seen sollten nicht verzehrt werden. „Einige Blaualgen-Gattungen scheiden Gifte aus. Wenn sich durch massenhaftes Vorkommen Blaualgenblüten ausbilden, können bei Badenden beim direkten Hautkontakt mit belastetem Wasser Haut- und Schleimhautreizungen, allergische Reaktionen, Bindehautentzündungen und Ohrenschmerzen auftreten. Beim Verzehr von Fischen oder Muscheln können Toxine über die Nahrungskette in den menschlichen Organismus gelangen und auch so zu gesundheitlichen Problemen führen“, so die Stadt.

Blaualgen zu erkennen, sei übrigens einfach: „Das Wasser bekommt einen grünlich-bläulichen Schimmer (...) und einen muffigen Geruch. Aufgrund ihrer Farbe können Blaualgen daher von jedermann an der Wasseroberfläche erkannt werden“. Bisher ohne größeren Blaualgenbefall ist im Westen – neben dem Badegewässer des Kruppsees – aktuell auch der Toeppersee in Rheinhausen, wie die Stadt am Freitag mitteilte. Für den Lohheider See in Baerl sei der Regionalverband Ruhr (RVR) zuständig.

Dort angefragt, sagt die stellvertretende Pressesprecherin Barbara Klask: „In Gewässern, in denen das Baden verboten ist, sind in der Regel keine Kontrollen vorgeschrieben. Wir können daher keine Bewertung der Badewasserqualität vornehmen.“

Sichtkontrollen nicht geeignet

Eine reine Sichtkontrolle auf Blaualgen sei dafür nicht geeignet. „Ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier können wir nicht ausschließen.“ Zudem könnten die Bakterien auch durch Wind weitergetragen werden, so dass ein See innerhalb von wenigen Stunden befallen sein könnte.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben