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Sicherheit in Homberg: „Wir brauchen dringend Hilfe“

Astrid Block, Karin Schattauer und Marion Rusch übergaben 6895 Unterschriften für den Erhalt der Homberger Wache an Paul Bischof, Dezernent für Sicherheit und Recht der Stadt Duisburg. Er nahm sich eine Stunde Zeit für das Gespräch mit den Frauen.

Astrid Block, Karin Schattauer und Marion Rusch übergaben 6895 Unterschriften für den Erhalt der Homberger Wache an Paul Bischof, Dezernent für Sicherheit und Recht der Stadt Duisburg. Er nahm sich eine Stunde Zeit für das Gespräch mit den Frauen.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg-Homberg.  Drei Frauen aus Homberg haben Unterschriften unter anderem für den Erhalt der Polizeiwache gesammelt. Sie fordern auch mehr Streetworker.

Jetzt sind es sogar genau 6.895 Unterschriften geworden, die das Frauentrio in den vergangenen Wochen in Homberg gegen die Schließung der Polizeiwache gesammelt hat. „Hätten wir noch länger gesammelt, hätten es auch 10.000 werden können“, sagte Astrid Block, die gemeinsam mit Karin Schattauer und Marion Rusch am Freitag zwei Ordner an den städtischen Rechtsdezernenten Paul Bischof übergab.

Denn über die Entscheidung der Polizeipräsidentin sei das Entsetzen im Viertel sehr groß. Über eine Stunde lang nahm sich Bischof Zeit, um mit den Frauen die Probleme zu erörtern, machte sich zahlreiche Notizen und dankte für das konstruktive Gespräch, ohne falsche Versprechungen zu machen, die er dann doch nicht einhalten könnte.

„Wir brauchen hier dringend Hilfe und soziale Unterstützung“

Die Wache ist nur ein Symbol für das mangelnde Sicherheitsgefühl in Hochheide. Den drei Frauen geht es um weitaus mehr. „Wir brauchen hier dringend Hilfe und soziale Unterstützung“, sagte Schattauer. Sie fordern deutlich mehr Streetworker, die dann auch tatsächlich zu den Jugendlichen gehen und nicht im Büro sitzen, Familienhilfe, aber auch eine stärkere Präsenz des städtischen Ordnungsamtes. Videoüberwachung sei ein weiterer Punkt, der helfen könne. Ins Haus 45 gehen die Jugendlichen nicht, deswegen sei das Ringen um das Jugendheim der Politik zwar löblich, führe aber nicht zum Ziel.

Schattauer wohnt selbst im „Roten Riesen“ und erzählt, dass sie sich nachmittags kaum noch traut, über den Roten Weg zu gehen, weil Gruppen von Jugendlichen ein mulmiges Gefühl vermitteln. So gehe es vielen älteren Menschen, wie sie bei vielen Gesprächen erfahren hat, die sie beim Sammeln der Unterschriften führte.

Vier Mal brannte Sperrmüll in Homberg

Die Jugendlichen stünden da eben nicht nur herum. Nachts hört sie es häufig klirren, dann sei die Laterne oder eine Bank beschädigt worden. Immer wieder explodierten nachts Böller, die verboten, aber im Internet doch verfügbar seien. Ein Chinakracher sei nichts dagegen, man spüre die Druckwelle, wenn man in der Nähe stehe, und im Schrank vibriere das Porzellan. Vier Mal habe in den vergangenen sechs Monaten dort der Sperrmüll gebrannt, im Polizeibericht sei dann von Selbstentzündung die Rede.

„Viele Menschen hier sind mutlos geworden“

Astrid Block ist überrascht und auch ein wenig schockiert, dass bei der Bürgerbeteiligung des Quartiersbüros zur Platzgestaltung sich nur 1042 Menschen beteiligt haben - also nur ein Bruchteil derjenigen, die ihre Unterschrift zum Erhalt der Wache gegeben haben. „Darin spiegelt sich auch die Entmutigung und Resignation der Bevölkerung wider. Viele sind mutlos geworden“, sagt Block. Viele würden gerne wegziehen, wenn sie könnten. Es gibt auch Initiativen und bürgerschaftliches Engagement, das sich gegen diese Abwärtsspirale stemme.

Der Park, den die Frauen prinzipiell positiv sehen, helfe, die Krise zu entspannen, erklärt Bischof. Dass es so, wie es ist, nicht weitergehen kann, scheint ihm klar. „Die Stadt ist da auch hilflos“, sagt Schattauer hinterher. Der städtische Außendienst werde neu aufgestellt, kündigt Bischof an, die Zeiten würden bis ein Uhr nachts ausgedehnt. Die thematisierten Punkte nehme er sehr ernst. Er weiß, dass auch der Einsatzwagen des Ordnungsamtes eine abschreckende Wirkung habe, ein Symbol wie die Wache.

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