Betriebe im Duisburger Westen

Homberger Schädlingsbekämpfer im Dauereinsatz gegen Wespen

Mit Saugern gegen giftige Raupen: Benjamin Keßner (l.) und sein Vater Berthold Keßner in der Firmenwerkstatt. Bei echten Einsätzen geht ohne Schutzanzug allerdings gar nichts.

Mit Saugern gegen giftige Raupen: Benjamin Keßner (l.) und sein Vater Berthold Keßner in der Firmenwerkstatt. Bei echten Einsätzen geht ohne Schutzanzug allerdings gar nichts.

Foto: Volker Herold

Duisburg- Homberg.   Die Firma Keßner, Duisburgs älteste Schädlingsbekämpfer, zählte dieses Jahr viermal soviel Einsätze gegen Wespen. Hier ist Wagemut Familiensache.

Auf den ersten Blick wirken Berthold und Benjamin Keßner wie zwei ganz normale Männer. Groß und breitschultrig beide, 83 wird der Senior, der Sohn ist 36. Aber spätestens, wenn sie ihre Schutzanzüge anlegen, verwandeln sie sich in echte Kämpfer. Ihre Feinde sind mitunter winzig. Aber es sind viele, Abertausende, zähe Biester.

Wir stehen in der Keßner-Werkstatt in Homberg, es ist ein helllichter Sommertag. Dass es der Besucherin trotzdem eiskalt den Rücken herunterläuft, ist der Branche geschuldet, in der Vater und Sohn zuhause sind. Bei unserer Suche nach Traditionsbetrieben sind wir heute Gäste der Schädlingsbekämpfungsfirma Keßner. Zu Besuch bei den Rattenfängern von Homberg - bei Duisburgs ältesten Schädlingsbekämpfern.

Wespen, Ratten, Mäuse, Schaben

Keller, durch die Ratten laufen. Taubennester auf Balkonen - von Motten befallene Kleiderschränke: Berthold Keßner kennt ihn gut, den Ekel der Anderen. Was für ihn seit über 50 Jahren Alltag ist, treibt empfindlichen Menschen den Schweiß auf die Stirn. „Wespen, Ratten, Mäuse, Schaben, Kakerlaken“, zählt der Seniorchef die Top-Five der Schädlings-Liga auf. Als Senior-Chef stellt er die dritte Generation im Familienbetrieb. Inzwischen ist er dabei, das Ruder an die vierte, an Sohn Benjamin, zu übergeben.

Nach dem Krieg, weiß Keßner wiederum von seinem Vater, waren es vor allem Kakerlaken und Wanzen, die in den Städten professionelle Schädlingsbekämpfer auf den Plan riefen.

Die Wanze feiert ein Comeback

Wobei die gute alte Wanze, so erfahren wir, wegen der vielen Auslandsreisen derzeit ein Comeback feiert: Globetrotter tragen sie als Larve unter den Schuhen zurück nach Deutschland, wo sie sich munter vermehrt. Keßner erinnert sich: Als er im väterlichen Unternehmen begann, gab es weder Schutzanzüge noch Handschuhe. Derart ausgeliefert musste er als junger Mann einmal einen Spitzboden entlangkriechen, während um ihn herum die Ratten liefen. „Die tun nix“, wusste er schon damals. Und trotzdem: „Das war das Schlimmste, das ich je erlebt habe.“

Dagegen mutet 2018 geradezu harmlos an. Diesen Sommer ging es vor allem um Wespen. Da der letzte Frost ausblieb und es kaum natürlichen Feinde gab, war die Population größer, berichtet Benjamin Keßner. Außerdem fehlten Insekten wie Mücken als Nahrung. Folge: Die Wespen sind hungrig, durstig und aggressiv. Rund 150 Anrufe täglich und „bis zu viermal soviel Einsätze wie sonst“, registrierte man in Homberg. Auch ein Riesenthema: der Eichenprozessionsspinner, eine Giftraupe, die Bäume befällt. „Da haben wir bis zu 1000 Nester entfernt.“

Messi-Wohnungen sind richtig schlimm

Keßner Junior ist ebenso cool wie sein Vater. Bei allem Respekt, den er vor Wespen und ähnlichem Krabbelzeug empfindet - er ekelt sich „vor gar nichts. Nur vor Menschen und Orten.“ Schlimm sind Wohnungen, in denen jemand gestorben ist. Ebenso schlimm: Messi-Buden. Vater und Sohn erzählen von einem 20-Quadratmeter-Raum, in der ein Mensch mit 17 Katzen lebte. Alles war voller Maden, Fliegen und Speckkäfer. Während die meisten Schädlinge theoretisch überall auftauchen können, kommen letztere tatsächlich nur in verwahrlosten Behausungen vor.

Keßner ist das, was man mit Fug und Recht einen Traditionsbetrieb nennt. 1911 wurde die Firma gegründet, viele Stammkunden - neben Wohnungsgesellschaften auch der Duisburger Zoo - verlassen sich schon ewig auf Keßner und ihre Präventionsprogramme.

Bald steht ein Umzug an. Am neuen Firmensitz sollen Werkstatt und Büros unter einem Dach liegen. Keßner ist fit für die Zukunft. Die Sorge um einen Nachfolger, wie sie viele Handwerksbetriebe umtreibt, kennt man hier nicht. Für Benjamin Keßner stand immer fest, dass er in die Fußstapfen des Vaters tritt. Er liebt seinen Job, weil er abwechslungsreich ist und ihm Einblick in alle Bereiche der Gesellschaft ermöglicht. Außerdem gefällt es ihm, dass sich in der Regel alle riesig freuen, wenn die Schädlingsbekämpfer eintreffen. Dabei liegt der Wagemut in der Familie: Auch sein Bruder hat sich mit einer eigenen Schädlingsbekämpfungsfirma selbstständig gemacht.

Der erste Stich seines Lebens

18 Mitarbeiter hat Keßner aktuell. Mehr wären laut Doppelspitze „wünschenswert“ - 12 gehen zu Einsätzen raus. Benjamin Keßner als Junior-Chef hat in diesem auftragsreichen Sommer ganz vorn mit an der Front gekämpft. Und sogar eine Blessur davongetragen. In diesem Jahr, grinst er, wurde er zum ersten Mal gestochen. „In dem Moment, als ich den Schutzanzug ausgezogen hatte, hat mich eine Wespe erwischt.“ Merke: Mit der Tücke seiner Gegner muss man immer rechnen.

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