Bücher & Sexualität

Homberger Therapeut schreibt ein Buch über Sex

Der Homberger Sexualtherapeut Carsten Müller zeigt sein Buch „Sex ist wie Brokkoli nur anders“, das bereits im April erschienen ist, aber erst jetzt richtig gefeiert werden kann.

Der Homberger Sexualtherapeut Carsten Müller zeigt sein Buch „Sex ist wie Brokkoli nur anders“, das bereits im April erschienen ist, aber erst jetzt richtig gefeiert werden kann.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg-Homberg.  Carsten Müller wirbt in „Sex ist wie Brokkoli“ für einen unverkrampften Umgang bei Fragen der Sexualität. Offenheit sei auch wichtig für Kindern.

Neulich an der Baumstraße 33 in Homberg: Ein Passant schaut verdutzt auf das Schild am Eingang des alten Backsteinbaus. Wo früher die Zeche Rheinpreußen verwaltet wurde, steht nun in großen schwarzen Buchstaben auf weißem Grund „Praxis für Sexualität“. Der Spaziergänger schüttelt den Kopf und macht seiner Verwunderung Luft. „Was soll das hier denn sein?“, fragt er. „Ist das was Versautes?“

Für Carsten Müller, der diese Szene vor ein paar Wochen erlebt hat, sind Fragen wie diese nichts Neues. Vor drei Jahren ist der 39-jährige Sexualtherapeut aus Moers mit seinem Team auf der Suche nach größeren Räumen in Homberg fündig geworden. Seitdem muss er oft erklären, was die Kunden, die aus ganz Deutschland zu ihm und seinen Kollegen kommen, in den Räumen an der Baumstraße denn so machen. „Nein, bei uns zieht sich niemand aus und hier ist auch kein Swingerclub“, sagt er und lacht. Letzteres wird tatsächlich immer mal wieder telefonisch angefragt.

„Hier zieht sich niemand aus und wir sind auch kein Swingerclub“

Die Antwort, die Carsten Müller dem Passanten mit auf den Weg gegeben hat, ist ganz einfach: „Wir beraten Menschen rund um das Thema Sexualität.“ Er hätte dem interessierten Herrn auch einfach das Buch in die Hand drücken können, das im April erschienen ist und das wegen des Corona-Lockdowns erst am kommenden Sonntag, 6. September, in seiner Praxis für Sexualität gefeiert wird. „Sex ist wie Brokkoli nur anders“ heißt das Aufklärungsbuch für die ganze Familie, in dem Carsten Müller gemeinsam mit Co-Autorin Sarah Siegl auf 286 Seiten im Grunde all das zu Papier gebracht hat, worum es an der Baumstraße 33 geht – die richtige Sprache für die ursprünglich natürlichste Sache der Welt zu finden.

„Sex ist doch etwas total Schönes. Warum also sollten wir nicht unbefangen darüber reden?“, fragt der Therapeut, der genau das in Einzelberatungen, Paartherapie und Fortbildungen, zum Beispiel von Pädagogen, zur Sprache bringt. Das Paradoxe: Selbst in einer Zeit, in der Sex durch das Internet und soziale Medien wie Youtube, Instagram & Co. so öffentlich ist wie nie zuvor, herrsche privat oft Funkstille. „Wir haben nie gelernt, über Sex zu reden“, sagt Müller.

Seit Generationen verklemmt

Ein Verhalten, das seit Generationen weitergetragen wird. Der Sexualtherapeut, der auch beim Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ an der Uniklinik Düsseldorf gearbeitet hat, hält diese Sprachlosigkeit für ein großes Problem. Denn Kinder, die ihre Fragen nicht zuhause, sondern im Internet klären, liefen Gefahr, mit einem verzerrten Bild von Sexualität aufzuwachsen. „In den Medien erscheint Sex entweder übermäßig perfekt oder voller Gewalt. Das, was aber wirklich passiert, wird nur selten widergespiegelt.“

Ein bisschen rot darf man werden

Mit dem Buch „Sex ist wie Brokkoli nur anders“ will Carsten Müller Familien nun ein Instrument für einen unverkrampften Umgang mit dem Thema an die Hand geben. Klar, kaum jemand wird nach der Lektüre plötzlich genauso locker über Sex reden wie über grünes Gemüse – ein bisschen rot werden, so Müller, darf dazugehören. Sex bringt Menschen in Wallung und das ist auch gut so. Seine Hoffnung ist aber, dass die Leser durch das Buch den Anstoß bekommen, über ihre Bedürfnisse zu reden. Das gilt für die Kleinen und nicht mehr ganz so Kleinen, die noch viele Fragen haben, genauso wie für die Großen. Müllers Ratgeber ist kein Buch, das vor Kindern versteckt werden muss. Für jede Altersgruppe gibt es eigene Kapitel „Ich würde mir wünschen, dass dieses Buch ganz selbstverständlich zuhause im Regal steht oder auf dem Wohnzimmertisch liegt und dass jeder darin lesen kann.“

TV-Anfragen häufen sich

Aufklärung ist für den Therapeuten, der auch selber Ehemann und Vater zweier Kleinkinder ist, ein wichtiger Schritt zur Prävention. „Wenn Kinder Bescheid wissen, dann sinkt das Risiko, dass sie Opfer von Gewalt werden.“ Auch, weil sie durch eine bessere Körperwahrnehmung viel eher ihre Grenzen erkennen und aussprechen können. Eine Botschaft, die Carsten Müller nicht nur in seinen Fortbildungen und Therapiestunden im kleinen Kreis in Homberg weitergibt. Mittlerweile ist er auch im Fernsehen ein gefragter Gesprächspartner. „Da merkt man, wie groß der Bedarf ist“, sagt er über die zahlreichen Anfragen. Bei Sendern und TV-Format ist Müller nicht wählerisch. Das muss nicht immer die hochkarätige Diskussionsrunde sein. Er war schon bei Oliver Pochers Late-Night-Talk, hat für den WDR mit „Doc Esser“ zwei Paare begleitet und beim „Sex-Seminar“ von Pro 7 Fragen beantwortet. „Das Thema ist einfach enorm wichtig, ich habe dazu ganz viel zu sagen und nutze meine Chancen, die Menschen zu erreichen.“

Hier gibt es mehr Artikel aus dem Duisburger WestenDazu gehört auch das Buch von Carsten Müller und Sarah Siegl, das für 17 Euro überall dort zu haben ist, wo es Bücher gibt. Der Kauf muss niemandem peinlich sein, das sagt schon der Titel: „Sex ist wie Brokkoli, nur anders.“

Kontakt: Praxis für Sexualität - Sexualtherapie, Paartherapie, Fachberatung, Ausbildung und Fortbildung, Baumstraße 33, 47198 Duisburg, Telefon 02066/9935656, www.praxis-sexualitaet.de.

>>>>>Carsten Müller: drei schnelle Tipps zum Einstieg in die Aufklärung für Eltern<<<<<

Fragen der Kinder rund um die Sexualität sollten immer ernst genommen und sachlich beantwortet werden. Der Satz „Das ist für Kinder noch nichts“ sollte tabu sein. Passende, kindgerechte Antworten gibt es auf alle Fragen.

Eltern können sich aber Zeit verschaffen, wenn ihnen das spontane Antworten schwer fällt. „Man kann dem Kind dann sagen, dass man sich da erst mal selber informieren muss.“

Können Eltern eine Frage nicht beantworten, sollten sie nie zusammen mit dem Kind im Internet nach der Lösung suchen. „Da landen Sie ganz schnell bei pornografischen Inhalten“, warnt Müller. „Informieren Sie sich lieber über ausgewählte Literatur und spezialisiere Angebote im Internet.“

Noch ein wichtiger und ganz einfacher Tipp des Sexualtherapeuten: Körperteile sollten immer klar beim Namen benannt werden. „Menschen haben nicht nur Arme und Beine. Es gibt auch den Penis und die Vulva“. Wenn man Geschlechtsteile klar benennt, so Müller, entkrampft man den Umgang mit ihnen.

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