Komödie

Hugo Egon Balder saunierte auf der Bühne in Rheinhausen

Viola Wedekind und Hugo Egon Balder waren in dem Stück „Aufguss" in der Rheinhausenhalle zu erleben.

Foto: Norbert Prümen

Viola Wedekind und Hugo Egon Balder waren in dem Stück „Aufguss" in der Rheinhausenhalle zu erleben. Foto: Norbert Prümen

Anzüglich, aber meist bekleidet erlebten rund 800 Zuschauer in dem Stück „Aufguss“ die prominenten Fernsehleute in der Rheinhausenhalle

Ganz schön heiß wurde es in der niederrheinischen Therme der Rheinhausenhalle, denn 800 Saunagäste hatten sich eingefunden, um einem „Aufguss“ beizuwohnen. Oder weil sie den Hauptdarsteller Hugo Egon Balder, der in der RTL-Show „Tutti Frutti“ so manches Nummern-Girl zum Striptease in den 90er-Jahren verleitete, selbst mal nackt auf der Bühne sehen wollten. Der 68-Jährige war in seinen Dialogen gewohnt anzüglich, blieb aber angezogen – zumindest mit einem Bademantel, durch den Frau vielleicht noch seine dichte Brustbehaarung erspähen konnte.

Eine quirlig-spritzige Komödie

Dieser „Aufguss“ ist eine quirlig-spritzige Komödie von René Heinersdorff, die quasi nebenbei aktuelle Themen wie Vaterwerden im Alter oder Charity-Crowdfunding aufgreift. Dabei beruht der Kern des etwa zweistündigen Bühnenstücks einzig auf der Zweideutigkeit des Begriffs „Spende“: Einmal als Samenspende, oder als Spende für eine neu gegründete Kinderstation im Krankenhaus werden die Begrifflichkeiten wie vogelwild auf der Bühne verwechselt. So entsteht manch schlüpfriges Bild, jedoch immer bieder verbrämt, in den Köpfen der Zuschauer, die teilweise aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommen.

Hugo Egon Balder spielt den tatterigen, nonchalanten Lebemann Dieter, der seine Geliebte Mary (Viola Wedekind), die unbedingt ein Kind von ihm will, in eine Sauna zum Wellnesswochende ausführt, um sie dann aber dem ominösem „Samenspender“, The Brain, (Max Claus), der ihr das Kind schenken soll, vorzustellen. Denn der steinreiche Geschäftsmann Dieter ist jenseits der Wechseljahre und kann keine Kinder mehr zeugen, so werden Äußerungen wie „Ich bin nicht mehr flüssig“ vom Publikum belacht.

Verschiedene Spender in der Sauna gesucht

Zeitgleich befindet sich aber Lothar, Chef einer florierenden Kinderklinik, (René Heinersdorff) mit seiner Sekretärin Emilie (sehr schrill: Jeanette Biedermann) in dieser Sauna, und beide versuchen vom Waschmittelproduzenten Dieter eine große Spende für ihre Kinderstation zu ergattern. Sätze wie „Die Spende muss für 158 Kinder reichen!“ aus dem Mund von Facharzt Lothar gegenüber Mary sorgen für wildeste Fantasien in ihrem Kopf. Genauso, wie so mancher neue Aufguss mit einer anderen Vorsilbe ausgesprochen, das Kopfkino der Zuschauer beflügelt.

Bedenkt man, dass Hugo Egon Balder Gründungsmitglied der Band „Birth Control“ (Geburtenkontrolle) bis 1968 war, so ist es nicht von ungefähr, dass er als Dieter schlussendlich darüber entscheidet, inwiefern die Kinderstation finanziell unterstützt wird und Mary ihr ersehntes Kind vom Facharzt Lothar persönlich bekommt – nachdem Dieter seine Zuneigung verweigert und sich der potenzielle Samenspender The Brain als nicht potent genug erweist. Als Mathe-Dozent an der Fernuni Hagen denkt The Brain wohl zu lange über die Wahrscheinlichkeit des Akts der Zeugung nach...

Von „Duisburger Dillsuppe“ und „köstlichem Köpi“

Den Lokalkolorit nehmen die Schauspieler über das Essen mit in den Schwank auf und schwärmen von einer „dünnen delikaten Duisburger Dillsuppe“ und „köstlichem Köpi“ – und am Ende gibt es dann doch noch nackte Tatsachen: Zwar nicht von einem großartig aufspielenden Hugo Egon Balder, sondern vom Autor René Heinersdorff: Als er in der Rolle des Lothar nur mit einem riesigen Feigenblatt am Hintern zu der ebenfalls nackten Mary in die Duschkabine huscht.... Und 800 Kehlen johlten noch einmal laut auf.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik